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„Niedrigzins-Zeiten“ sind vorbei: Sparkassen-Chef erklärt, was das für Häuslebauer bedeutet

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Von: Georg Dickopf

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Wer in Möhnesee bauen will, der muss sich natürlich auch um Parkplätze für die Hausbewohner kümmern. Näheres regelt eine Satzung.
Wer bauen will, benötigt heute viel Eigenkapital und muss mit deutlich höheren Zinsen rechnen. © Peter Dahm

Als Kai Hagen, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse im Märkischen Kreis, im Jahr 2008 die Nachfolge von Robert Lützenkirchen antrat, lagen die Hypothekenzinsen im Märkischen Kreis um fünf Prozent.

Lennetal - Doch dann kam eine sehr lange Zinssenkungsphase, die laut Hagen „sehr übertrieben war“. Staatsanleihen, um den Euro zu stützen und hoch verschuldeten Ländern wie Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien zu helfen, hätten zu einer massiven Geldschwemme geführt.

Finanzierung ohne Eigenkapital vorbei

„Wir haben hier Baufinanzierungen für zehn Jahre mit 0,6 bis 0,7 Prozent Verzinsung herausgegeben“, erinnert sich Hagen. Vor nicht allzulanger Zeit habe man auch ohne Eigenkapital eine 300 000 Euro-Finanzierung für 800 bis 900 Euro im Monat bekommen können – heute zahle man mindestens 1 500 Euro.

„Die Niedrigzins-Zeiten sind jetzt vorbei und wir kommen jetzt zu Zinsen, die früher ganz normal waren, für junge Leute aber Neuland sind“, sagte Hagen, in dessen Haus die Baukredite sich langsam aber sicher der Vier-Prozent-Marke bei zehnjähriger Bindung nähern – sich also fast versechsfacht haben.

„Vor zwei, drei Monaten war die Lage noch halbwegs gut, aber dann ging es los“, sagt Hagen, der sich vorstellen kann, dass die Bauzinsen auch noch die Fünf-Prozent-Marke übersteigen.

Erwartung bei Verkauf zurückschrauben

Anders als noch vor einigen Monaten werde es nun schwieriger, Immobilien zu verkaufen und manch ein Hausverkäufer müsse seine Erwartungen wohl auch ein wenig zurückschrauben, sagt Hagen.

Bestandsimmobilien seien angesichts der derzeit unkalkulierbaren Baukosten noch eine Alternative, aber auch hier sei die Nachfrage ein Stück weit eingebrochen.

„Bis heute ist bei uns aber noch keine Hausfinanzierung weggebrochen, aber es kann natürlich sein, dass da noch was kommt“, sagt Hagen. Für eine Finanzierung müsse man heute deutlich mehr Eigenkapital aufbringen. Sparen werde angesichts rasant steigender Energiekosten allerdings schwierig. Immerhin: Das Verwahrentgelt für größere Sparsummen ist bei der Sparkasse seit dem 27. Juli Geschichte.

Um die Aufwärtsspirale zu stoppen, müsse etwas passieren. Die Regierung habe in Sachen Gaspreisbremse im internationalen Vergleich sehr lange gewartet. Noch dazu würden nur Gaskunden bevorteilt. „Wer jetzt für seine Pelletheizung fast das Vierfache bezahlt, geht leer aus“, kritisiert Hagen.

Kai Hagen bleibt noch bis mindestens 2025 Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis.
Kai Hagen bleibt noch bis mindestens 2025 Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis. © Dickopf

Was die eigenen Geschäfte angeht, ist Hagen nicht unzufrieden, denn man könne möglicherweise ein siebenprozentiges Wachstum in diesem Geschäftsjahr erzielen.

Dass es im gesamten Verbreitungsgebiet der Vereinigten Sparkasse zwischen Plettenberg, Balve und Nachrodt-Wiblingwerde keine einzige Deutsche Bank und nur noch eine Commerzbank-Filiale gebe, habe der Sparkasse in die Karten gespielt. „Größe kostet Nähe“, sagt Hagen zudem mit Blick auf manche Fusion im Umfeld.

Was tun beim Anruf aus Hagen?

Der Vorstandsvorsitzende, dessen Vertrag bei der Sparkasse bis Mitte 2025 läuft, weiß deshalb auch, was er bei einem bestimmten Anruf aus Hagen antworten würde. Dort schlossen sich die Sparkasse Lüdenscheid und die Sparkasse Hagen/Herdecke zur Sparkasse an Volme und Ruhr zusammen.

„Ich würde Nein zu Hagen sagen“, betont der heimische Sparkassenchef. Mit Ausnahme besagter Sparkasse seien alle umliegenden Sparkassen „kleiner als wir“. Dennoch sei keine Fusion geplant, mit der besagte Kundennähe aufs Spiel gesetzt werde. „Wir sind wirtschaftlich gut unterwegs und haben da keinen Druck“, sagt Hagen. Stattdessen möchte er die Sparkasse energetisch fit für die Zukunft machen und prüft deshalb auch die Installation einer PV-Anlage auf dem Dach der Hauptstelle in Plettenberg.

Für die Filiale in Altena habe man das auch geprüft, doch dort sei eine PV-Anlage wirtschaftlich nicht sinnvoll, da der dreieckige Lichtschacht viel Platz beanspruche.

„Heute hätte man das technisch beim Bau möglicherweise anders gelöst“, sagt Hagen, der in Sachen Raumtemperatur und Außenbeleuchtung an einigen Stellschrauben gedreht hat, um im eigenen Haus die Energiekosten zu senken.

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