Im Test: Wie schnell brennt ein Adventskranz?

Nicht zu lange fackeln – sonst ist das Weihnachtsfest hinüber

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Die umgekippte Kerze (links) sorgte dafür, dass das Engelshaar Feuer fing, und einige Sekunden später brannte der ganze Kranz.

Plettenberg -  Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier – und dann brennt auch schon der ganze Kranz. In denvergangenen Wochen kursierte ein Video der Berliner Feuerwehr im Netz. Die Wehrleute hatten getestet, wie lange es dauert, bis ein brennender Weihnachtsbaum die Wohnung unbewohnbar macht.

Ganze zwei Minuten – dann stand das ganze Wohnzimmer in Flammen. Ob das so realistisch ist? „Ja!“, lautet dazu die klare Antwort von Thomas Gritschke, Pressesprecher der heimischen Wehr. Er weiß aus langjähriger Erfahrung, dass es teilweise nur Sekunden dauern kann, bis sich Grünzeug entflammt. Gerade die trockenen Adventskränze, die jetzt zum vierten Advent hin in den heimischen Wohnungen erleuchten, würden besonders schnell brennen. 

Wir von der Redaktion wollten das genauer wissen, und haben uns auf den Wegzu „Blumen Jenau“ gemacht, um einen „ausgedienten“ Adventskranz zu besorgen. Die Mitarbeiterinnen erklärten dazu, dass generell beim Adventskranzkauf immer ein Merkblatt für den Kunden mitgegeben würde. „Darauf stehen Sicherheitsvorschriften, an die sich die Kunden halten sollten. „Da steht dann zum Beispiel drauf, dass die Kerzen nur mit Metalltellerchen verwendet werden dürfen. Somit kann eigentlich nichts passieren – aber bei echten Kerzen ist natürlich immer Vorsicht geboten, denn es gibt immer Ausnahmen!“. Nach der freundlichen Erklärung der Floristen ging es zur heimischen Feuerwache, wo Thomas Gritschke und die Kollegen aus seiner Wachabteilung auch schon warteten. Sie stellten uns für den Test die große Fahrzeughalle zur Verfügung – und natürlich einen Feuerlöscher, schließlich wurde das gute Stück kontrolliert abgebrannt. So etwas gibt es auf der Wache nicht oft – schließlich sind die Mitarbeiter ständig in Einsatzbereitschaft, um eventuelle Brände zu löschen und sie nicht selbst zu verursachen. Für den vorbeugenden Brandschutz machen sie aber in diesem Fall gerne eine Ausnahme, damit die Bevölkerung gewarnt wird. Die simulierte Situation ist folgende: Eine der Kerzen steht schräg, deshalb fängt die Dekoration auf dem Kranz Feuer. Der Kranz ist mit üblicher Deko geschmückt: Kleine goldene Kugeln, ein wenig Stoffband, getrocknete Orangenscheiben und goldenes Engelshaar. 

Thomas Gritschke zündet die vier Kerzen an, eine setzt er etwas schräg in den Kranz, als sei sie etwas gekippt. Ein kleiner Windstoß genügt, um die Flamme der gekippten Kerze und das Engelshaar in Kontakt zu bringen – in Sekundenschnelle fangen die Deko-Fäden Feuer; die Flammen ziehen sich in Windeseile einmal um den Kranz herum, und es gibt eine große Stichflamme. „Das ging jetzt wirklich extrem schnell – damit habe ich auch nicht gerechnet“, sagt Gritschke erstaunt, denn es dauert wirklich nur etwa zehn Sekunden, und der Kranz brennt lichterloh. Auch wenn wir im Test sehr trockenes Grünzeug verwendet haben und das Engelshaar die Brandentwicklung extrem beschleunigt hat, warnen die Experten der Feuerwehr: „Es kann auch bei Ihnen zuhause sehr schnell gehen. Das wissen wir von zahlreichen Einsätzen in der Adventszeit. Da reichen wirklich oft Sekunden“, so die Feuerwehrleute. Sie raten dazu, Adventskranz oder Weihnachtsbaum vor allem mit echten Kerzen niemals unbeaufsichtigt zu lassen. Wie auch die Mitarbeiter von Blumen Jenau schon erklärt haben, sollte man auch Kerzen niemals ohne die vorgesehenen Metallteller verwenden, damit der Wachs nicht auf die Nadeln tropfen kann. Auch die Kerzen sollten nicht ganz herunterbrennen, also frühzeitig ausgetauscht werden. „Ich erinnere mich an einen Einsatz, da hatte eine Plettenberger Familie in einer frisch renovierten Wohnung eine Fernbedienung neben dem Adventskranz liegen gelassen. Der Adventskranz ist – aus welchen Gründen auch immer – in Brand geraten. Die Wohnung war nach nur wenigen Minuten unbewohnbar, da die schmelzende Fernbedienung schwarze Flocken im ganzen Wohnzimmer verbreitet hatte – das war Wahnsinn!“, so Brandoberinspektor Klaus Neugum. 

Damit Ihre Weihnachten nicht mit einer ähnlich bösen Überraschung endet, achten Sie auf entsprechende Vorkehrungen und lassen Sie die Kerzen niemals unbeaufsichtigt abbrennen. Ein schönes Weihnachtsfest mit vielen leuchtenden Momenten wünschen die Feuerwehr und die Heimatzeitung. 

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