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Angespannte Situation: Nicht genügend Kita-Plätze

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Von: Sabrina Jeide

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Nicht genügend Kitaplätze in Plettenberg
Im Kindergartenjahr 2023/2024 werden in Plettenberg nicht genügend Plätze zur Verfügung stehen. © Martin Schutt/dpa

Das ist wahrlich keine frohe Weihnachtsbotschaft für Plettenberger Eltern, die im kommenden Jahr auf einen Kindergartenplatz für ihren Nachwuchs hoffen. Wie die Stadt Plettenberg mitteilt und wie auch in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Donnerstag deutlich wurde, werde man nicht jeden Bedarf erfüllen können. Indes: Die Situation scheint dramatisch, denn es geht ganz offensichtlich nicht um Einzelfälle.

Plettenberg – Karin Florath, Leiterin der Katholischen Kita St. Laurentius, berichtete von 67 Kindern, die auf ihrer Warteliste stehen. Sandra Becker, Leiterin des Evangelischen Familienzentrums Mittendrin, muss 68 Absagen an Eltern schicken. Claudia Stahlhacke, Leiterin des DRK-Familienzentrums Am Saley, nannte die Zahl 25.

Absolute Zahlen noch nicht klar

Nun muss man wissen, dass Eltern ihre Kinder meist in mehreren Kindergärten anmelden und es sich deshalb ganz sicher nicht um absolute Zahlen handelt. Auch Michael Schröder, Leiter des Fachgebietes Jugend und Familie, weiß: „Viele stehen auf mehreren Listen.“ Dennoch: „Es bleiben sicher 50 bis 100 Kinder, die Plätze suchen“. Die Bedarfsermittlung habe etwas von „Glaskugel-Gucken“. Während es bei den älteren Jahrgängen meist noch recht einfach sei, die erwartete Nachfrage zu berechnen, weil die benötigten Plätze meist identisch mit der Anzahl der Kinder im jeweiligen Geburtsjahrgang seien, sehe das bei den jüngeren Kindern anders aus. Welche Eltern brauchen für ihr ein- oder zweijähriges Kind tatsächlich einen Platz?

Neben den Kindergarten-Leiterinnen zeichnete auch Gudula Mueller-Töwe vom Diakonischen Werk, wo sie unter anderem auch in der Ukrainehilfe tätig ist, ein düsteres Bild: „Die Situation ist ziemlich dramatisch.“ Immer wieder könne sie nur an die Institutionen verweisen. Noch dazu gebe es den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab einem Jahr – „eigentlich müssten wir von Klagen überhäuft werden“.

Renate Chowanetz, die den Ausschuss-Vorsitz von dem erkrankten Klaus Salscheider übernahm und selbst über drei Jahrzehnte Kindergartenleiterin war, sah auch die Bundespolitik in der Verantwortung: „Die große Politik verschärft das Problem. Die Leidtragenden sind die Kinder, Eltern und Fachkräfte“, kritisierte die SPD-Ratsfrau.

In den zwei Corona-Jahren habe es laut Michael Schröder eine „relativ überschaubare Warteliste gegeben“, weil Eltern ihre Kinder aufgrund der vagen Betreuungssituation offenbar erst gar nicht angemeldet hätten. Nun melden diese Eltern ihre Kinder aber verstärkt an und hätten laut Stadt gerne einen Platz im nächsten Kindergartenjahr. Hinzu kommen noch die Flüchtlingskinder, die ebenfalls einen Platz benötigen.

Dadurch sei die schon über Jahre angespannte Platzsituation noch schwieriger geworden. Auch wenn sich noch Verschiebungen ergeben können: „Jedoch wird eine Anzahl von Kindern ohne einen Platz dastehen. Um dies jedoch noch aufzufangen, arbeitet das Jugendamt intensiv daran, Lösungen zu finden“, verspricht die Stadtverwaltung.

Gemeinsam mit dem städtischen Bauamt sei das Jugendamt auf der Suche nach geeigneten Räumen, um noch kurzfristig weitere Plätze zu schaffen. Die Suche gestalte sich aber schwierig, da die Räumlichkeiten für die Kinderbetreuung einige grundlegende Voraussetzungen erfüllen müssen und auch eine Außenfläche vorhanden sein sollte, teilt die Stadt mit.

Selbst wenn noch kurzfristig für das nächste Kindergartenjahr Räumlichkeiten gefunden werden sollten (idealerweise, um laut Michael Schröder zwei oder sogar drei Gruppen einzurichten), stellt sich dann aber die nächste Herausforderung: Fachkräfte für die Einrichtung zu gewinnen. Denn hier offenbart sich gleich das zweite große Problem: der Fachkräftemangel. „Hier trifft es uns hart“, sagte Michael Schröder im Jugendhilfeausschuss. Trotz mehrfacher Ausschreibungsrunden hätten nur zwei Stellen besetzt werden können. Bei 100 Planstellen in den städtischen Einrichtungen fehlen aktuell 15 Kräfte, zwei Einrichtungen seien personell gut ausgestattet, in drei Einrichtungen „fehlt eine erhebliche Anzahl an Kolleginnen“, erklärte Schröder. Politisch diskutiert wird deshalb auch die Möglichkeit der unbefristeten Anstellungen (losgelöst von Sachgründen wie Elternzeit oder Langzeiterkrankung). Die Stellenangebote finden sich auch auf der Homepage der Stadt Plettenberg. Laut Schröder versuche auch das Gertrud-Bäumer-Berufskolleg die Kapazitäten zu erhöhen, Renate Chowanetz regte an, die praxisintegrierte Erzieher-Ausbildung (Pia) – also eine Ausbildung direkt in den Kindergärten – zu fördern.

Darüber hinaus beabsichtigt die Stadt Plettenberg mittelfristig, ähnlich wie in anderen Städten oder wie beim Märkischen Kreis, die Kita-Anmeldungen über ein Anmeldeportal zentral zu sammeln. Hierdurch ergeben sich bessere Möglichkeiten, einen schnelleren Überblick über den Bedarf an Kindergartenplätzen zu erlangen. Auch werde dadurch das Anmeldeverfahren für die Eltern und Kindertageseinrichtungen einfacher und übersichtlicher. Karin Florath begrüßt die Idee: „So ein Portal ist nicht verkehrt“, gibt aber zu bedenken: „Es gibt dafür aber nicht mehr Plätze.“

843 Kita-Kinder

In Plettenberg gibt es insgesamt 14 Kindertageseinrichtungen. Davon sind fünf in städtischer Trägerschaft (Kita Himmelmert, Kita Holthausen, Familienzentrum Eschen, Familienzentrum Oestertal und Papilio-Familienzentrum Stadtmitte) sowie vier in kirchlicher Trägerschaft (Ev. Familienzentrum Eiringhausen, Ev. Familienzentrum Mittendrin, Kath. Kita St. Johannes Baptist und Kath. Kita St. Laurentius). Dazu kommen zwei DRK-Einrichtungen (Familienzentrum Am Saley, Kita „Anneliese Pfeiffer“) sowie zwei gGmbH (Kita Junior Ohle und Kita Junior Köbbinghausen) und die Großtagespflege auf dem Eschen.

Insgesamt 843 Kinder besuchen mit Stand vom 16. Dezember in Plettenberg eine Kindertageseinrichtung. Diese verteilen sich wie folgt: 339 Kinder in den städtischen Einrichtungen und 504 Kinder in den übrigen Einrichtungen. Insgesamt 191 Kinder sind unter drei Jahre alt (U3): In den städtischen Einrichtungen sind es 70, in den übrigen Kitas 121. Zuletzt schaffte die Katholische Kita St. Laurentius durch einen Anbau Platz für zehn weitere U3-Kinder. Die Bedarfsdeckung liege in Plettenberg bei etwa 86 bis 87 Prozent.

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