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Neujahrsempfang der Stadt: Kritische Töne des Bürgermeisters

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Von: Dirk Grein

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Bürgermeister Ulrich Schulte begrüßte die Besucher im Eingangsbereich des ASG persönlich – mit Handschlag.
Bürgermeister Ulrich Schulte begrüßte die Besucher im Eingangsbereich des ASG persönlich – mit Handschlag. © Grein, Dirk

Beim traditionellen Neujahrsempfang der Stadt Plettenberg schlug Bürgermeister Ulrich Schulte emotionale und kritische Töne an.

Plettenberg – Mehr als 300 Gäste folgten der Einladung der Stadt Plettenberg und kamen am Sonntagnachmittag zum Neujahrsempfang in die Schulaula in Böddinghausen. Zuletzt hatte dieser im Jahr 2020 stattfinden können, ehe Corona die Durchführung einer Veranstaltung dieser Größenkategorie vorübergehend verhindert hatte.

Dass sich die Plettenberger nach solchen Begegnungen und Zusammenkünften sehnen, war bereits beim anfänglichen Sektempfang im Foyer zu spüren. Dort herrschte ein bemerkenswerter Geräuschpegel: In Grüppchen zusammenstehend wurde munter geplauscht; eine regelrechte Freude über manches Wiedersehen nach langer Zeit der Funkstille war zu spüren.

Bürgermeister Ulrich Schulte ließ es sich nicht nehmen, die Besucher im Eingangsbereich persönlich zu begrüßen. Dies machte er übrigens ganz „klassisch“ mit Handschlag – auch das war in den Hochphasen der Pandemie nicht möglich gewesen.

Humorvoll und kritisch

Nicht nur während dieser kurzen Gespräche Auge in Auge, sondern auch in seiner Begrüßungsrede vor versammelter Zuhörerschaft präsentierte sich der Bürgermeister gut aufgelegt. Versprach er anfangs, seine Redezeit aus dem Jahr 2020 bewusst unterbieten zu wollen, so blickte er – teils humorvoll, teils kritisch – auf die letzten Monate zurück. In 2022 sei wieder mehr möglich gewesen: Die heimischen Schützenvereine konnten bei ihren Festen neue Majestäten ermitteln, die Stadt feierte in mehreren Etappen ihr 625-Jahr-Jubiläum und beim P-Weg-Wochenende zeigten die Plettenberger, dass sie sportlich nichts verlernt haben.

Seinen Dank sprach der Bürgermeister allen Veranstaltern und ehrenamtlich Tätigen dieser Stadt aus. Dabei hob er eine Gemeinschaft hervor: die Feuerwehr. Diese musste im Sommer eine Reihe von Waldbränden löschen. Zwar habe die Polizei einen Mann festgenommen, der Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr sei; die Schuldfrage sei bis heute ungeklärt.

Im Foyer der Aula fand ein Sektempfang statt.
Vor dem Konzert gab es einen Empfang im Foyer der Aula. © Grein, Dirk

Schulte betonte: „Eine einzelne Person steht nicht für den Rest der Feuerwehr. Die Frauen und Männer, die ehrenamtlich oder hauptberuflich in der Feuerwehr aktiv sind, übernehmen diese schwere Aufgabe, um ihren Mitmenschen zu helfen, nicht weil sie grundsätzlich Spaß am Löschen haben oder Brände toll finden.“

Zudem hob Schulte hervor, dass die Plettenberger Feuerwehr gute Arbeit geleistet habe – und „dies teilweise unter Gefährdung des eigenen Lebens“. Nicht nur bei den Waldbränden, auch bei den Hochwassereinsätzen in der Nacht auf Freitag habe sich gezeigt, dass auf die heimische Wehr jederzeit Verlass sei. Vor diesem Hintergrund verurteilte der Bürgermeister die Angriffe von Rettungskräften in der letzten Silvesternacht. Auch kritische Äußerungen in einem Kommentar unserer Zeitung zum Thema Investitionen in Brandschutz seien wenig hilfreich, gab das Stadtoberhaupt zu verstehen.

Sarkastisch wurde Schulte in Bezug auf das Vergaberecht, das dazu geführt habe, dass für die Innenstadtsanierung zunächst Bänke geliefert wurden, die nicht den Wünschen der Stadt entsprachen. „Willkommen in Deutschland“, kommentierte Schulte. Ansonsten sehe er die besagte Sanierung auf einem guten Weg. Er ließ jedoch durchklingen, dass er sich über eine Entscheidung des Planungsausschusses geärgert habe, die die Anbringung von Blumenampeln verschoben habe. Ein Bürgerwunsch konnte somit nicht zeitnah umgesetzt werden.

Im emotionalen Schlussteil seiner Rede ging der Bürgermeister auf den Krieg in der Ukraine ein. Er beschrieb seine Gefühle bei der Ankunft der ersten Flüchtlinge vor Ort, erzählte von Frauen, die WLAN im Ratssaal suchten, um endlich Kontakt mit ihren in der Heimat verbliebenen Männern aufnehmen zu können, von Verständigungsproblemen und Haustieren, die die Flucht in Handtaschen ertragen mussten.

Appell an die Bürger

Viele ehrenamtlich tätige Bürger folgten der Einladung zum Neujahrsempfang.
Viele ehrenamtlich tätige Bürger waren eingeladen worden. © Grein, Dirk

Schulte wünschte sich ein baldiges Kriegsende, nicht nur in der Ukraine, sondern auch in anderen Teilen der Welt. An die Bürger vor Ort gerichtet sagte er: „Es liegt an uns, ein waches Auge auf unsere Mitmenschen zu haben und Hilfe anzubieten.“ Er sei froh, dass vor Ort die Busbrücke, die Diakonie und weitere Menschen großartige Unterstützung leisten.

Bevor er zum Neujahrskonzert des Märkischen Jugendsinfonieorchesters überleitete, wagte der Bürgermeister noch einen kurzen, positiven Ausblick auf das Jahr 2023. Dieses beginne zwar mit Mistwetter in Dauerschleife, doch der viele Regen sei schlecht für den Borkenkäfer – und damit gut für die Plettenberger Wälder: „Wenn wir Glück haben, bleiben in 2023 noch ein paar Fichten stehen“, sagte Schulte.

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