Stellflächen ohne Stützen

Neues Parkdeck an der Brachtstraße: Erhebung von Gebühren abgelehnt

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Im März 1990 berichtete das ST, dass es in Plettenberg bald „Stellflächen satt“ geben würde: Einen Monat später wurde der damals neue Parkplatz an der Brachtstraße eröffnet.

Plettenberg - Erfreuliche Nachricht für alle autofahrenden Parkhaus-Hasser: Zwischen den Stellflächen im neu zu errichtenden Parkdeck an der Brachtstraße sollen keine Stützen angelegt werden, die sonst immer wieder für Schrammen am geliebten Fahrzeug sorgen könnten.

Wer kennt sie nicht, die meist aus Beton bestehenden Säulen in Parkhäusern, die meist übersät sind von Lackresten in allen Regenbogenfarben? Nicht selten sind es gerade diese Stützen, die bei vielen Autofahrern für ein ungutes Gefühl sorgen, wenn sie in ein volles Parkhaus fahren. Das projektierte Parkdeck an der Brachtstraße komme ohne diese Stützen zwischen den Stellflächen aus – das erklärte Bauamtsleiter Bernd Merhofe, der am Donnerstagabend den Mitgliedern des Bau- und Liegenschaftsausschusses die Pläne für das Parkdeck vorstellte. 

Demnach würden die Stützen am äußeren Rand völlig zur Stützung des Decks ausreichen. „Auf diese könnten später auch weitere Decks aufgesetzt werden“, erklärte Merhofe. Die Ein- und Ausfahrt soll ausschließlich über die Brachtstraße erfolgen. Der bisherige, zweite Zugang in direkter Nähe zum Awo-Haus soll gestrichen werden. 

„So könnten wir bei Bedarf auch eine Schranke installieren, sollten irgendwann Gebühren erhoben werden“, sagte Merhofe. Uwe Boese (SPD) fragte nach, ob es nicht von vornherein sinnvoll sei, eine Gebühr für die Nutzung des neuen Parkdecks zu verlangen. „Ein Euro würde ja zum Beispiel niemandem weh tun“, sagte Boese. Schließlich lasse sich die Stadt das Parkdeck mit rund 1,3 Millionen auch einiges kosten – „um es dann kostenlos zur Verfügung zu stellen?“ 

Querfinanzierung des Parkdecks

Bürgermeister Ulrich Schulte gab Boese zwar Recht, aber: „Erheben wir Gebühren, parken die Dauerparker wieder am Rand der Offenbornstraße und der Brachstraße.“ 

Es sei vielmehr sinnvoll hier Gebühren zu erheben, damit die Dauerparker das neue Parkdeck nutzen. „So hätten wir auch eine Querfinanzierung des Parkdecks“, erklärte Bürgermeister Ulrich Schulte. Auch Peter Krieger (CDU) sprach sich gegen die Erhebung von Gebühren aus. Er erinnerte an den Besuch der Studenten aus Siegen vor einigen Jahren in Plettenberg. „Die fragten uns, was wir wollen: Leute zum Einkaufen in die Stadt holen oder mit Parkplätzen Geld verdienen?“, erinnerte Krieger. 

„Wir haben, glaube ich, andere Probleme, als Parkplatz-Gebühren!“ Eine Frage, die viele Ausschussmitglieder beschäftigte, stellte Siegfried Davideit (SPD): „Was machen wir während der Sperrung der Stellflächen an der Brachtstraße? Die Parkplätze an der Brachstraße und im Wieden werden dann sicher noch stärker genutzt.“ Bürgermeister Ulrich Schulte erklärte, dass sich die Verwaltung darüber schon Gedanken gemacht habe. Er möchte dem Rat vorschlagen, Mittel aus dem Haushalt des kommenden Jahres vorzuziehen, um damit die obere Ebene des Parkhauses an der Offenbornstraße für die Öffentlichkeit freigeben zu können. 

Denkbar sei sicher auch, einen Teil des neuen Parkdecks bereits freizugeben, während die Arbeiten am zweiten Teil noch laufen würden. Immerhin würden während der Bau-Maßnahmen an der Brachtstraße über 50 Parkplätze in der Plettenberger Innenstadt wegfallen. Auch die Kostenentwicklung war natürlich Thema. Einst wurde mit rund 700 000 Euro geplant, das neue Parkdeck würde aber nun rund 1,3 Millionen Euro kosten. „Sind diese Kosten stabil?“, fragte CDU-Fraktionsvorsitzender Heiko Hillert. 

„Wir haben bei dieser Kostendynamik schon Bauchschmerzen.“ Die Kosten seien gesetzt, erklärte Merhofe. Der Auftrag zur Errichtung des Parkdecks laufe nur über diese Summe. „Sollten sich noch Möglichkeiten zu Einsparungen ergeben, werden wir diese natürlich nutzen“, versprach der Bauamtsleiter. 

Besonders beschichteter Beton 

Bereits in der vorigen Woche sei der Bauantrag eingereicht worden, bis Mitte oder Ende September erwarte Merhofe die Genehmigung. 

Der Auftrag sei bereits an die Firma Huber Integralbau vergeben worden. Was die Ladestationen für E-Autos und -Bikes angehe, befinde man sich noch in Verhandlungen mit möglichen Anbietern. Wie Merhofe erklärte, sei der Parkplatz einst bewusst auf zwei Ebenen angelegt worden, um später ein Parkdeck errichten zu können. Seitdem habe sich jedoch vor allem an den Ausmaßen der Fahrzeuge einiges verändert. 

„2,50 Meter Breite sind für die Fahrzeuge schon ein Muss heutzutage“, erklärte Merhofe. Und die Pkw würden tendenziell eher noch viel breiter werden. Die Tiefe der Stellflächen soll rund fünf Meter betragen. Allgemein gesehen soll es sich um ein „sehr offenes“ Parkdeck handeln. So seien lediglich Aluminium- oder Zinkblechwälle als Verkleidung für den oberen Teil gedacht. 

„Im unteren Bereich könnte vielleicht ein Stahlmattenzaun angelegt werden“, sagte Merhofe. Komplett geschlossene Wände würden für mehr Kosten sorgen, da auch besondere Bestimmungen für den Brandschutz eingehalten werden müssten. 98 Stellplätze soll das neue Parkdeck auf den insgesamt vier Ebenen bieten. Diese sollen mit Rampen verbunden werden.

 „Die Fahrbahn wird aus besonders beschichtetem Beton bestehen“, erklärte Merhofe. Dieser soll vor allem unempfindlicher für Schäden beispielsweise durch Streusalz im Winter sein. Merhofe rechnet damit, dass im Oktober mit dem Bau begonnen werden könnte. Dann hänge es von der Witterung ab, wie schnell das neue Parkdeck fertiggestellt werden könnte: Eingeplant seien vier bis sechs Monate.

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