Vierte Schicht

Neues Arbeitszeitmodell bei Seissenschmidt - die Hintergründe

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Blick in die Bearbeitungshalle der Firma Seissenschmidt. Hier wird das neue Schichtmodell eingeführt.

Plettenberg - Im hart umkämpften Markt der Automobilindustrie geht die Firma Seissenschmidt jetzt einen neuen Weg, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, zugleich aber die Mitarbeiterbelastung nicht zu erhöhen. 

Als erstes Unternehmen in der Vier-Täler-Stadt führt der Automobilzulieferer eine vierte Schicht ein, die zunächst an die sogenannte Conti-Schicht erinnert, aber in Abstimmung mit dem Betriebsrat in Plettenberg nach vielen Gesprächen zu einem eigenen 17-Schichtenmodell wurde.

Zur termingerechten Belieferung der Kunden war Seissenschmidt vor allem im Bereich der mechanischen Bearbeitung bereits seit vielen Monaten auf die Unterstützung der 300-köpfigen Belegschaft in Form von Wochenend-Mehrarbeit angewiesen. „Ohne die freiwillige Mehrarbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an nahezu jedem Wochenende in den zurückliegenden Monaten, hätten wir die Kundenabrufe nicht bedienen können“, so Rüdiger Groos, Geschäftsführer bei Seissenschmidt.

"Dies kann kein Dauerzustand sein"

 „Dies kann allerdings kein Dauerzustand sein – weder für die Mitarbeiter, noch für das Unternehmen. Somit haben wir, gemeinsam mit dem Betriebsrat, neue Lösungsvorschläge konzipiert, um langfristig eine tragbare Lösung mit einer Planungssicherheit für alle Beteiligten zu haben. Hierbei lag unser Augenmerk darauf, dass die Mitarbeiter durch das neue Konzept nicht benachteiligt sind, sondern stattdessen wieder mehr Freizeit zur Verfügung haben.“

Mitarbeiter in vier Gruppen aufgeteilt

Das neue Konzept, welches im ersten Quartal 2019 umgesetzt werden soll, sieht ein 17-Schichtenmodell vor, das die Mitarbeiter in vier Arbeitsgruppen aufteilt. Für die Mitarbeiter bedeutet dies, dass sie innerhalb von vier Wochen 17 Tage arbeiten müssen. 

Zum Vergleich: Aktuell arbeiten die Mitarbeiter innerhalb von vier Wochen 20 Tage. Um die Differenz aufzufangen, wird das Personal um eine vierte Schicht aufgestockt. Infolgedessen kann die Gesamt-Maschinenlaufzeit erhöht, die Abschreibungskosten gesenkt und somit die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden.

Ein Beispiel für die Mitarbeiter:

Das 17-Schichtenmodell sieht es vor, sonntags mit der Nachtschicht zu beginnen, die Arbeitsstunden am Freitag von derzeit sechs auf acht Stunden je Schicht auszuweiten und samstags mit der Frühschicht zu enden. Für die Mitarbeiter würde sich dies beispielhaft wie folgt auswirken: Wenn die Mitarbeiter der Arbeitsgruppe A zwei Tage hintereinander Frühschicht haben, haben Mitarbeiter der Arbeitsgruppe B zum selbigen Zeitpunkt Spätschicht, Mitarbeiter der Gruppe C Nachtschicht und Mitarbeiter der Arbeitsgruppe D zwei Tage frei. 

Somit sind für jede Arbeitsgruppe einmal im Monat eine Frühschicht am Samstag und eine Nachtschicht am Sonntag vorgesehen. Darüber hinaus ist es erforderlich, eine festgelegte Anzahl an Zusatzschichten, sogenannten Einbringschichten zu verrichten, um auf die Soll-Jahresarbeitszeit zu kommen.

Geschäftsführer Rüdiger Groos konnte dank des neuen Schichtmodells bereits Neuaufträge abschließen.

 „Die Mitarbeiter werden durch das neue Schichtmodell entlastet, da die Mehrarbeit deutlich reduziert wird. Während der Konzeptionierungsphase waren wir auch im Austausch mit den Mitarbeitern, um ihre Ideen und Anregungen in das Konzept miteinfließen zu lassen“, so Bettina Neumann, Personalleiterin bei Seissenschmidt.

„Zudem haben wir die aktuellen arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse, wie beispielsweise ein Vorwärtswechsel der Schichten und nicht mehr als vier Nachtschichten in Folge, in dem Konzept berücksichtigt.“ Das neue Schichtmodell kommt für die mechanische Bearbeitung am Standort Plettenberg zum Tragen, alle anderen Bereiche sind hiervon aktuell unberührt. Da die Belegschaft der mechanischen Bearbeitung bisher auf drei Schichten ausgerichtet war, wird nun das Personal für die zusätzliche Schicht aufgestockt. 

„Mit dem neuen Schichtmodell als Kalkulationsbasis konnten wir bereits die ersten Neuaufträge generieren. Das freut uns und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, schließt Rüdiger Groos ab.

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