Tierarzt-Kurzbesuch am Wochenende für 100 Euro?

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Tierarzt Dr. Martin Zöllner untersucht hier den Lhasa Apso-Hund Li von Besitzer Sebastian Beßler. Sonntags müsste der Plettenberger Tierarzt für die Behandlung demnächst einen saftigen Aufschlag nehmen.

Plettenberg – Es ist Sonntag und Kater Charlie humpelt. Frauchen ist in großer Sorge und fährt mit ihm zum Tierarzt. Der hat zwar keine Sprechstunde, behandelt das Tier aber im Notfall.

Doch seit dem 14. Februar ist diese Behandlung ein teures Vergnügen geworden. Denn wer außerhalb der Sprechzeiten am Wochenende den Fuß in die Tierarztpraxis setzt, ist seit Mitte Februar fast 60 Euro los. Auch wenn der Kater dort vielleicht gar nicht mehr humpelt und keine Behandlung mehr notwendig wird, muss die neue Notfallpauschale entrichtet werden. Wenn zusätzlich noch eine Schiene angelegt wird, muss der Tierarzt am Wochenende den doppelten Preis abrechnen. Gesamtbeträge von über 100 Euro dürften dann die Regel sein. 

Der Plettenberger Tierarzt Dr. Martin Zöllner bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung die neue Regelung, die ihn selbst aber auch überrascht habe. „Wir wussten nicht, dass das Gesetz geplant war – vor allem nicht in der radikalen Form.“ Grund seien vielerorts überlaufene Tierarztpraxen am Wochenende, die oft auch aus Bequemlichkeit genutzt würden. Nicht jeder vermeintliche Notfall ist auch ein wirklicher Notfall“, sagt Zöllner, der glaubt, dass die von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf den Weg gebrachte Verordnung in Zukunft für ruhigere Wochenenden in vielen Tierarztpraxen sorgen wird – eine Erziehung über den Geldbeutel. 

Ob Meerschweinchen, Katze oder Hund, die Notfallgebühr am Wochenende ist für alle gleich teuer. Immerhin: Bei mehreren Tieren gibt es Rabatt.

„Wir hatten bisher immer samstags von 9 bis 11 Uhr eine Sprechstunde und behalten die auch in Zukunft bei. In der Sprechstundenzeit ist die Behandlung nicht teurer als sonst und es werden auch keine Extragebühren fällig“, sagt Zöllner. Anders sei der Fall, wenn jemand demnächst am Nachmittag oder sonn- bzw. feiertags auftauche. Dann werde es teurer, aber bei einem echten Notfall sei dies zweitrangig.

Näheres zur neuen Verordnung: 

Mit sechswöchiger Verzögerung ist die neue Notdienst-Gebührenordnung für Tierärzte in Kraft getreten und gilt seit dem 14. Februar deutschlandweit. Nach der Zustimmung des Bundesrates hat mittlerweile auch das Bundeskabinett zugestimmt. Die neuen Nacht- und Wochenendzeiten sowie die zum Teil saftigen Gebührenaufschläge sind damit ab sofort in Kraft und rechtlich verpflichtend.

Neu ist die Notdienstpauschale von 50 Euro, die inklusive Mehrwertsteuer einen Gesamtbetrag von 59,50 Euro ausmacht. Fällig wird diese pauschale Notdienstgebühr bei einem Tierarztbesuch zu den Notdienstzeiten. Gibt es am Samstag beispielsweise eine reguläre Sprechstunde, entfallen die Sondergebühren.

Bei mehreren zu behandelnden Tieren fällt die Gebühr nur einmal an. Doch das ist noch nicht alles: Im Notdienst wird für tierärztliche Leistungen zusätzlich mindestens derzweifache Satz der Gebührenverordnung abgerechnet. Beträgt die normale Gebühr also 22,50 Euro, werden beim Notdienst 45 Euro fällig. Gesamtkosten von über 100 Euro dürften somit schnell erreicht sein.

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