Am Reformationstag sind Reformen Thema

Neue Konzeption der Evangelischen Kirchengemeinde sorgt für intensive Diskussionen

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Die Gemeindeversammlung bot ausreichend Gesprächsstoff (von links): Pfarrer Andreas Hirschberg, Fred Witte, Karl-Heinrich Meister und Pfarrer Dietmar Auner im Gespräch.
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Plettenberg – Zwei Themen beherrschten am Abend des Reformationstages die Gemeindeversammlung der Evangelischen Kirchengemeinde Plettenberg.

Das eine war die bevorstehende Presbyterwahl am 1. März 2020 und das andere das an die Zukunft angepasste neue Gemeindekonzept für Plettenberg. Beides hängt direkt miteinander zusammen, da das neu zu wählende Presbyterium das künftige Gemeindekonzept, das am 9. August vom derzeitigen Presbyterium erarbeitet wurde, so oder geändert, umsetzen muss.

Pfarrer Dietmar Auner übernahm die Darstellung des neuen Planes. Dieser besagt, zurück zu den Wurzeln zu gehen, sprich: Eine alte Mitte mit Christuskirche, Böhler Kirche und Dietrich-Bonhoeffer-Haus wiederauferstehen zu lassen. Die Prämisse dazu: „Nicht nur Steine erhalten, sondern Räume mit Leben füllen.“ 

Dabei soll die Böhler Kirche, abgesehen von der sowieso notwendigen und genehmigten Dachsanierung, neue Sanitäranlagen, eine neue Heizung, eine flexible Bestuhlung und die Möglichkeit eines Kirchencafés erhalten. Sie soll durch die Veränderungen „für eine große Bandbreite von Gottesdienstformen nutzbar gemacht werden“. 

Die Christuskirche soll als Mittelpunkt „für festliche und traditionelle Gottesdienste erhalten bleiben und gepflegt werden“. Und weiter: „Das Dietrich-Bonhoeffer-Haus soll alten- und behindertengerecht ausgebaut werden, sodass es für alle Generationen und Menschen mit allen Bedarfen des Gemeindelebens langfristig gerecht werden kann“. 

In dieser Konstellation würden die anderen evangelisch geführten Gebäude eine untergeordnete Rolle spielen. So sollen die Martin-Luther-Kirche, die Erlöserkirche, die Dreifaltigkeitskirche, das Gemeindezentrum und die Pfarrhäuser orientiert an der Mitgliederentwicklung, den finanziellen Ressourcen und der Berücksichtigung des jeweiligen Bedarfes anderen Verwendungen zugeführt werden.

Versammlungsleiter und Presbyter Ralf Heuel hatte die darauf folgenden zahlreichen Wortmeldungen mit kontroversem Inhalt im Blick und ließ einen nach dem anderen zu Wort kommen. 

Eindringliche Widersprüche dazu kamen beispielsweise von Stefan Weisheit aus der Oester, der natürlich die Erlöserkirche nicht ins Abseits verschwinden lassen möchte, wie auch von Prädikant Kevin Risch und Knut Brösecke, die die gute Kinder- und Jugendarbeit im Bereich der Martin-Luther-Kirche in Holthausen unterstrichen. Sie warnten: „Wenn unsere Familien nicht mehr in ihre Kirche gehen können, werden sie auch nicht in die Böhler Kirche gehen.“ 

Die Böhler Kirche wäre für sie eine Kirche, die nicht ein Treffpunkt für Familien sei, eben ein altes Gemäuer, das nicht gerade einladend für Kinder sei. Und Kinder sind die Zukunft der Gemeinden.

Die Kirchengemeinde muss bei der neuen Konzeption mehreres berücksichtigen: Die Nutzung der Kirchen zu den Gottesdiensten und anderen Angeboten (zum Beispiel Frauenhilfe) geht auf Grund der Altersstruktur und der Kirchenaustritte immer mehr zurück. Dadurch werden auch die Geldmittel aus der Kirchensteuer knapper. 

Waren es im Jahr 2000 noch 8 099 Gemeindemitglieder, sind es heute nur noch 5 500. Eine Tendenz, die auch der katholischen Pfarrei Plettenberg-Herscheid nicht fremd ist und die auch bereits konkrete Einsparungsvorschläge wie Kirchenschließungen oder auch gemeinsame Nutzung von evangelischen und katholischen Einrichtungen dem Bistum Essen unterbreiten musste. 

Nur die derzeitige gute Wirtschaftslage verhindert einen noch größeren Verlust an verfügbaren Geldern. Die Gebäude, die unter Denkmalschutz (Böhler- und Christuskirche) stehen, müssen weiter erhalten bleiben. Altehrwürdige Kirchen, die aber, wie oben beschrieben, nicht gerade bei Kindern, und somit den jungen Familien gut ankommen. Auf kindgerecht ummodeln geht bei den alten Gemäuern nicht. Was ist zu tun?

Bei allen Differenzen, die am Donnerstag auch teils sehr emotional vorgetragen wurden, klang aber auch ein Kompromiss an: Die Bereitschaft auf die Kirche vor Ort zu verzichten, wenn eine familien- und somit auch kindgerechte neue (alte) Mitte geschaffen würde. 

So erklärte Gemeindemitglied Knut Brösecke: „Wir halten nicht an der Martin-Luther-Kirche fest. Wir brauchen aber einen für alle akzeptablen Ort, an dem wir alle zusammenkommen können, ohne uns gegenseitig zu stören.“ Pfarrer Andreas Hirschberg stimmte seiner Meinung ebenso zu. 

Am 21. November werden die Stimmen für die Vorschläge zur Neuwahl des Presbyteriums gesammelt. 14 neue Presbyter (derzeit 18), die am 1. März 2020 gewählt werden, sollen im künftigen Gremium tätig sein. Es wird sie keine leichte, aber hochinteressante Aufgabe erwarten, die kirchliche und gemeindliche Neugestaltung in Plettenberg anzugehen und umzusetzen.

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