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Naturschutzbund informiert Staatsanwaltschaft: Verstieß die Stadt gegen das Gesetz?

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Von: Georg Dickopf

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Diese Aufnahme zeigten einen Bergmolch im Bommecketal.
Diese Aufnahme zeigt einen Bergmolch im Bommecketal. © G. Kairat

Die im Sommer vom Plettenberger Bauamt veranlassten Baumaßnahmen im Naturschutzgebiet Bommecketal beschäftigen mittlerweile nicht nur die Bezirksregierung Arnsberg, das Regionalforstamt Kürkölnisches Sauerland und die Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises – auch die Staatsanwaltschaft Hagen ist im Bilde über die Aktivitäten in den „Schluchtwäldern im Lennetal“.

Plettenberg - Grund dafür ist ein Schreiben des Naturschutzbundes Deutschland, Märkischer Kreisverband. Deren Vorsitzender Jürgen M. Seeger ist der Absender des Schreibens, das der Redaktion vorliegt. Näher äußern zum Thema wollte sich Seeger nicht.

In dem Schreiben an das Dezernat für Umweltdelikte der Staatsanwaltschaft Hagen wird ausgeführt, dass bei den Überflutungen vom 14. Juli 2021 im Naturschutzgebiet auch Schäden an den Forstwegen entstanden seien. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien auf Bitten der Plettenberger Feuerwehr in diesem Jahr Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt worden.

Die Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) gehört zu den gefährdeten Arten und lebt im Bommecketal.
Die Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) gehört zu den gefährdeten Arten und lebt im Bommecketal. © G. Kairat

Material kontaminiert

„Dabei sind Beschädigungen der Wegekörper augenscheinlich mit andernorts gewonnenen Bachgeschiebe aufgefüllt und modelliert worden. Dieses Material ist allerdings kontaminiert mit Bauschuttresten und den Sämereien von invasiven Neophyten wie etwa dem großblütigen Springkraut“, wird in dem Nabu-Schreiben ausgeführt.

Veränderungen am Bachbett

Zudem seien „nicht unerhebliche Veränderungen am Bachbett durchgeführt“ worden, um einen zügigeren Wasserabfluss herzustellen. Dieses führe „zwangsläufig zur Veränderung der Lebensraumstrukturen einer Vielzahl von Organismen. Ob die Blutalge Hildebrantia revularis, ein Eiszeitrelikt, das dort in hoher Dichte vorkommt, dadurch nachhaltig geschädigt wird, bleibt abzuwarten“, heißt es weiter.

Die Rotalge (Hildenbrandia rivularis) im Bommecketal ist nach den Aufschüttungen gefährdet.
Die Rotalge (Hildenbrandia rivularis) im Bommecketal ist nach den Aufschüttungen gefährdet. © G. Kairat

Neben den Verstößen gegen die Vorgaben des Landschaftsplans Plettenberg vom 5. Dezember 2012 bittet Seeger die Staatsanwaltschaft um Prüfung, ob hier nicht auch ein Verstoß gemäß Paragraf 329 (3) und (4) des Strafgesetzbuches vorliege.

Laut Kenntnisstand des Nabu stehe das gesamte Naturschutzgebiet nach einem Flurbereinigungsverfahren im Eigentum des Landes NRW. Zuständig sei das Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland des Landesbetriebes Wald und Holz. Als Zeugen werden Dr. Ludwig Erbeling sowie das Ehepaar Gudrun und Wolfgang Kairat angeführt, die die Maßnahmen erstmals am 27. Juni 2022 festgestellt hätten.

Stadt reumütig

Laut Seeger hätten die Beeinträchtigungen „in der Öffentlichkeit und bei unseren Mitgliedern für Empörung gesorgt.“ Weiter heißt es in dem Schreiben: „Nach Auskunft der Kreisverwaltung habe sich die Stadt Plettenberg sehr reumütig gezeigt und bereit erklärt, entsprechende Rückbaumaßnahmen in Abstimmung mit der Kreisverwaltung und dem Eigentümer vorzunehmen. Es scheinen aber noch nicht einmal Bußgelder verhängt worden zu sein“, heißt es zum Abschluss des Schreibens. „Daher stellt sich die Frage, ob hier nicht auch ein Verstoß gegen Paragraf 259 a StGB vorliegt“, so Seeger.

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