Namensänderungen sind keine Seltenheit – aber gar nicht so leicht und nicht günstig

Wie Adolf zu Stefan wird

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Plettenberg - Was denken sich Eltern dabei, ihr Kind in der heutigen Zeit Adolf zu nennen? „Der Vorname“, ein Film von Sönke Wortmann, läuft seit letzter Woche in den deutschen Kinos und dreht sich genau um diese Frage. Es ist in Deutschland nicht verboten, seinem Kind solch einen Vornamen zu geben, der in der Gesellschaft sicherlich überwiegend negativ behaftet ist. Doch wie schwer und wie teuer ist es eigentlich, einen Namen ändern zu lassen?

Wir haben uns mit der Frage beschäftigt, wie und ob es möglich ist, seinen Vornamen- oder auch Nachnamen zu ändern. Bianka Drachsler von der Ausländerbehörde in Lüdenscheid ist zuständig für Namensänderungen. Bei der Verwaltungsfachangestellten im Lüdenscheider Kreishaus liegen alle Anträge von Plettenberger Bürgern auf Namensänderungen, ob Vor- oder Nachname, auf dem Schreibtisch. 

Sie erzählt im Gespräch mit der Heimatzeitung eine Geschichte zum Thema: „Wir hatten hier tatsächlich mal einen Fall, da kam ein Adolf zu uns, der ein großes Problem mit seinem Namen hatte“, erklärt Drachsler. Doch es sei nicht so einfach, seinen Vornamen einfach so ändern zu wollen. „Es kann jetzt keiner einfach so kommen und sagen, er wolle auf einmal anders heißen“, so Drachsler weiter. Sie erklärt, dass es ein größeres Prozedere sei. Als Plettenberger sucht man also erst einmal den Weg zum Standesamt im Rathaus auf. In manchen Gemeinden sei auch das Meldeamt zuständig, das sei unterschiedlich. Dort wird dann von den Mitarbeitern ein Antrag gestellt. Zusätzlich benötige man das Geburtenregister. „Darum kümmert sich aber der- oder diejenige Mitarbeiterin vor Ort“, erklärt Drachsler.

 Dann ist sie an der Reihe, denn diese Anträge – aus dem ganzen Kreisgebiet – landen bei ihr im Fachgebiet „Ausländerbehörde“ im Kreishaus. „Über jeden Antrag auf Namensänderung wird einzeln entschieden, wie es weitergeht. Vornamen können wir natürlich nicht einfach so ändern. Wenn es jedoch um die Reihenfolge von Vornamen geht, ist das eigentlich kein großes Problem“, erklärt Bianka Drachsler. Die Nachnamensänderungen seien da schwieriger, das ginge generell nicht so einfach. Und kostenlos sei die Änderung auch nicht. Je nachdem wie aufwendig die jeweilige Änderung sei, kämen Kosten bis zu 1000 Euro auf den Antragsteller zu – das sei auch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

 In diesem bestimmten Fall, als der junge Adolf lieber Stefan heißen wollte, sei es eine sogenannte Ausnahmeregelung gewesen. „Die Familie konnte attestieren, dass der Junge aufgrund seines Vornamens psychische Beeinträchtigungen im täglichen Alltag hatte. Ich weiß nicht mehr ganz genau, wie es bei dem Jungen war, aber ich glaube, er wurde gehänselt. Wenn uns solche Beurteilungen von Ärzten oder Psychologen vorliegen, genehmigen wir in der Regel den Wunsch des Antragstellers“, erklärt die städtische Mitarbeiterin.

 In dem konkreten Fall sei es sicherlich dringend gewesen und der Junge, in dem Fall Adolf, später Stefan, sei sicherlich psychisch beeinträchtigt gewesen. „Dennoch gilt natürlich generell – Namensänderungen sind immer Ausnahmeregelungen.“ Drachsler klärt auf: Die meisten Anträge betreffen aber Familiennamen, wenn es um Pflegekinder geht. „Da fühlt sich das Kind häufig nicht dazugehörig, wenn es beispielsweise einen anderen Nachnamen trägt“, erklärt Drachsler. In solchen Fällen würde auch der Antrag genehmigt – solche Entscheidungen richteten sich aber danach, wie es dem Kind ginge. „Wenn es wirklich um die Gesundheit geht, entscheiden wir für die Änderung“, erklärt Drachsler.

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