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Nach zwei Jahren außer Betrieb: So lief der Neustart am Wasserkraftwerk 

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Von: Georg Dickopf

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Vor dem seit einigen Wochen wieder hochgefahrenen Rollenwehr in Plettenberg-Siesel staut sich unweit der B 236 jetzt wieder die Lenne auf einer Höhe von über zwei Metern – inklusive der Blüten- und Fichtenpollen.
Vor dem seit einigen Wochen wieder hochgefahrenen Rollenwehr in Plettenberg-Siesel staut sich unweit der B 236 jetzt wieder die Lenne auf einer Höhe von über zwei Metern – inklusive der Blüten- und Fichtenpollen. © Dickopf

Vor fast exakt zwei Jahren musste alles ganz schnell gehen, als der Energieversorger Mark-E auf Anordnung der Bezirksregierung Arnsberg das Rollenwehr der Lenne am Siesel hochfuhr und den dortigen Lennestau damit aufhob. 

Plettenberg - Das Wasser aus dem Stauraum wurde kontrolliert abgelassen, der Lennepegel in dem Bereich sank um rund drei Meter. Damit sollte eine drohende Instabilität des angrenzenden Bahndammes verhindert werden.

Der Fischaufstieg, der um das Rollenwehr herumführt, wurde durch die Wehröffnung von der Wasserzufuhr abgeschnitten. Weil der Fischaufstieg sogar als Lebensraum genutzt wird, verendeten einige Fische als Folge der sehr kurzfristig angesetzten Anordnung.

Der Angelverein Maipiere bekam eine Entschädigung. In der Folge wurden die Ursachen und möglichen Auswirkungen der Durchsickerung mit Unterstützung mehrerer Gutachter und Fachunternehmen untersucht.

Wie dort heute der Stand der Dinge ist und was getan wurde, darüber sprach Georg Dickopf mit Dr. Arndt Bohrer, Abteilungsleiter für erneuerbare Energien bei der Enervie-Gruppe.

Herr Dr. Bohrer, am Wasserkraftwerk Plettenberg-Siesel standen die Turbinen seit fast zwei Jahren still, nachdem die Bezirksregierung dort das Wehr öffnen ließ, weil man eine Gefährdung des angrenzenden Bahndamms befürchtete...

Seit April 2020 sind wir dort in Planungen. Es hat sich immer wieder herausgestellt, dass die Bezirksregierung eine hundertprozentige Sicherheit haben will in Sachen Bahnlinie. Eindeutige Aussagen der Gutachter zu bekommen, ist aber schwer. Am Anfang stand unter den Gutachten der für uns ernüchternde Satz, dass Restrisiken nicht ausgeschlossen werden können. Das ist zwar immer richtig, war aber trotzdem ein K.O.-Kriterium für den Weiterbetrieb.

Rechts vom Einlass zum Laufwasserkraftwerk der Enervie-Gruppe sieht man den Hang unterhalb des Bahndamms, der regelmäßig auf seine Standfestigkeit überprüft wird.
Rechts vom Einlass zum Laufwasserkraftwerk der Enervie-Gruppe sieht man den Hang unterhalb des Bahndamms, der regelmäßig auf seine Standfestigkeit überprüft wird. © Dickopf

Was hatte das für konkrete Folgen?

Der Bezirksregierung Arnsberg hat das nicht ausgereicht, weswegen wir weitere Detailuntersuchungen anschließen mussten. In der letzten Phase haben wir dann auch die DB Netz AG mit ins Boot geholt, was wir anfangs vermieden haben, um die Dinge einfach zu halten. Die detaillierte Zustandsbeurteilung erforderte aber auch die Entnahme von Bohrproben aus dem Bahndamm und das ging nur mit Zustimmung der Bahn. Die Kooperations- und Kostenteilungsvereinbarung hat auch nochmal Zeit gekostet. Aber letztlich hat es das Ergebnis gebracht, das man brauchte. Die Standfestigkeit ist so weit erkundet und nachgerechnet, dass Gefährdungen jetzt ausgeschlossen werden können.

Die Lenne konnte dort also wieder angestaut werden?

Ja, das ist vor einigen Wochen passiert. Unter sehr genauer Überwachung der Bezirksregierung ist die Lenne angestaut worden.

Hinter dem Sieseler Wehr rauscht die Lenne talwärts.
Hinter dem Sieseler Wehr rauscht die Lenne talwärts. © Dickopf

Also muss jetzt gar nicht saniert werden?

Zumindest nicht entlang des Bahndamms. Die Lenne konnte dort wieder vollständig angestaut werden. Aber wir messen jetzt das Sickerwasser, was durchaus noch da ist, aber das ist ungefährlich. Und es gibt jetzt diverse Messpunkte, an denen der Bahndamm alle vier Wochen auf Lageveränderung überprüft wird. Das aufwändige Monitoring ist neu und bietet jetzt sichere Rahmenbedingungen für den Betrieb. Auf den letzten 200 Metern Betonrinne bis zum Krafthaus dichten wir gegenwärtig noch einige Undichtigkeiten ab.

Was ist noch geplant in der Region?

Wir haben seit Jahren ein großes Windkraft-Portfolio und ich glaube, dass sich unser langer Atem jetzt auszahlt und viele Projekte verwirklicht werden können. Wir sind ganz kurz davor, Genehmigungsverfahren für drei Projekte in Hagen zu stellen. Im Süden Lüdenscheids ist im Bereich Kälberberg der Antrag für die Windkraftanlagen weitgehend fertiggestellt und in Halver haben wir einen Standort gepachtet und sind an weiteren Standorten in Verhandlung. Die Kommunalpolitik in Halver hat gerade von einer zurückhaltenden Haltung auf Unterstützung der Windkraft umgestellt. Wir haben also einige Projekte, bei denen wir jetzt Wind in die Segel bekommen.

Wie sieht es beim Thema Photovoltaik aus?

Das Thema Freifeld-Photovoltaik ist wirtschaftlich in NRW recht schwierig, weil wir weniger Sonnenerträge haben als beispielsweise Südbayern. Aber auch durch die hohen Strompreise bekommt das Thema großen Aufwind.

Gibt es denn Projekte im Märkischen Kreis?

Ja, wir haben in Neuenrade-Küntrop mit einem Partner ein großes Freifeld-Projekt mit einer Leistung von 10 Megawatt in Planung. Am Standort in Herdecke bauen wir diverse Anlagen am Kohlekraftwerk zurück und überlegen, diese Flächen auch für eine PV-Freifeldanlage zu nutzen. Darüber hinaus sind wir bei weiteren Flächen in Hagen und der Region in Verhandlungen.

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