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Nach Pinkwart-Vorstoß: So stehen die Chancen für Gas-Fracking im Sauerland

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Von: Georg Dickopf

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Fracking ist eine höchst umstrittene Methode zur Gewinnung von Erdgas. Bei dem Verfahren wird ein Cocktail aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden geleitet, um die Gesteinsschichten aufzubrechen.
Fracking ist eine höchst umstrittene Methode zur Gewinnung von Erdgas. Bei dem Verfahren wird ein Cocktail aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden geleitet, um die Gesteinsschichten aufzubrechen. © dpa-Bildfunk/Jim Lo Scalzo

Die Energiekrise spitzt sich weiter zu. Deutschland befürwortet ein Embargo für russisches Öl. Das Gas fließt derweil (noch) durch die Leitungen von Russland nach Deutschland. 

Plettenberg - Doch weil die Abhängigkeit hier noch deutlich größer ist, forderte der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart angesichts des Kriegs gegen die Ukraine jüngst eine Prüfung des umstrittenen Gas-Frackings.

Wird das Sauerland, wo es im Jahr 2011 bereits Erkundungsuntersuchungen gab, demnächst zum Fracking-Gebiet?

Minister Pinkwart würde das womöglich befürworten. Gegenüber der Rheinischen Post sagte er kürzlich folgendes: „Wenn Deutschland durch Fracking gewonnenes Gas zum Beispiel aus den USA importiert, könnte es nachhaltiger sein, wenn wir Gas aus heimischen Quellen mit möglichst risikoarmen Methoden gewinnen und die Umweltverträglichkeit sicherstellen“.

Kriegsauswirkungen abfedern

Pinkwart möchte, dass alle Möglichkeiten geprüft werden, um die Kriegsauswirkungen abzufedern und Deutschlands Energieversorgung sicherzustellen.

Doch was ist wirklich dran an diesem Vorschlag und was plant das Unternehmen Wintershall, das bis 2017 die Konzessionen hatte, die Gasvorkommen im Raum Ruhr und Rheinland im wissenschaftlichen Erkundungsprozess zu erforschen. Zum 4 000 Quadratkilometer großen Erkundungsgebiet gehörten seinerzeit große Teile des Nordkreises – unter anderem die Städte und Gemeinden Altena, Menden, Iserlohn, Balve, Hemer, Neuenrade, Plettenberg, Werdohl und Nachrodt-Wiblingwerde.

Dazu befragte unsere Redaktion Wintershall-Sprecher Mark Fischer: „Wintershall Dea betreibt kein Fracking in Deutschland. In Deutschland unterstützen wir die traditionelle heimische Förderung von Rohstoffen mit konventionellen Methoden. Obwohl wir von der technischen Machbarkeit des Frackens überzeugt sind, sind wir uns der ablehnenden Haltung in Teilen der Bevölkerung und der Politik bewusst und schließen daher den Einsatz dieser Technologie in unseren Betrieben in Deutschland aus“, stellt Fischer klar. Zudem verwies er darauf, dass die Bezirksregierung Arnsberg Anfang 2017 eine Verlängerung der Erlaubnisse „Ruhr“ und „Rheinland“ abgelehnt habe.

Auf Konzessionen verzichtet

Wintershall Dea (damals noch Wintershall) habe daraufhin auf den weiteren wissenschaftlichen Erkundungsprozess für Schiefergas in diesen Konzessionen verzichtet und eine Verlängerung der Erlaubnisfelder „Ruhr“ und „Rheinland“ nicht weiterverfolgt, so Fischer. Nach seiner Kenntnis gebe es derzeit kein Unternehmen in Deutschland, das in Sachen Fracking aktiv sei.

Warum die Bezirksregierung Arnsberg vor fünf Jahren in der heimischen Region zum „Spielverderber“ der Fracking-Unterstützer wurde, wollten wir von Peter Hogrebe, Pressesprecher der Abteilung Bergbau und Energie in NRW, wissen.

Von „Spielverderber“ könne laut Hogrebe nicht die Rede sein: Die Behörde habe sich lediglich an geltendes Recht der Bundesregierung gehalten. Denn der Bund habe in Paragraph 13a des Wasserhaushaltsgesetzes klar festgelegt, dass „eine Erlaubnis für eine Gewässerbenutzung nach § 9 Absatz 2 Nummer 3 und 4 zu versagen ist, wenn Schiefer-, Ton- oder Mergelgestein oder Kohleflözgestein zur Aufsuchung oder Gewinnung von Erdgas oder Erdöl aufgebrochen werden soll.“

Regelwerk angewendet

Insofern habe die Bezirksregierung Arnsberg 2017 lediglich das Regelwerk angewendet. „Das Gesetz gibt Fracking einfach nicht her. Weder das Land noch der Bund können das Fracking zu gewerblichen Zwecken erlauben“, sagt Hogrebe.

Und selbst wenn der sogenannte Erkundungsprozess in der heimischen Region durchgeführt werden sollte, müsse die Landesregierung erst zustimmen. Und dabei sind laut Gesetz die „geologischen Besonderheiten der betroffenen Gebiete und sonstige öffentliche Interessen“ abzuwägen.

Bevor also ernsthaft Fracking betrieben werden könne, sei zunächst eine Gesetzesänderung notwendig. In Kombination mit den dann folgenden Genehmigungsverfahren sei laut Hogrebe von einem mehrjährigen Vorlauf auszugehen, ehe Gas per Fracking in der heimischen Region gefördert werden könne.

Bürgerproteste einst in Neuenrade

Verzögert werden könnte das Fracking auch über Bürgerproteste, wie es sie einst in Neuenrade mit der IG Stop Fracking gab. Der frühere Neuenrader Bürgermeister Klaus-Peter Sasse sagte dazu folgendes: „Ich habe mich zuletzt nicht mehr so stark mit Fracking beschäftigt, aber ich habe gelernt, dass es wegen des Chemieeinsatzes ein umweltschädigendes Verfahren ist. Selbst bei einem nationalen Notstand denke ich, dass Fracking in dicht besiedelten Regionen keine Chance haben sollte“, so Sasse.

Noch dazu seien Öl und Gas Übergangstechnologien. Und für solche Technologien einen riesigen Aufwand zu betreiben, sei sicher nicht zielführend.

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