Üble Nachrede

Facebook-Nutzer wettert gegen die Polizei - die ermittelt jetzt gegen ihn

Die Polizei wehrt sich gegen ein Facebook-Posting.
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Die Polizei wehrt sich gegen ein Facebook-Posting.

Ein Facebook-Nutzer wettert nach einem Polizeieinsatz in einer Social Media-Gruppe gegen die Polizei, macht ihr Vorwürfe. Jetzt hat die Polizei strafrechtliche Ermittlungen gegen den Verfasser eingeleitet.

Plettenberg - Am Dienstagnachmittag gegen 15.30 Uhr gab es für die Polizei einen Einsatz an der Grünestraße. Ein 30-jähriger Plettenberger hatte eine Kundin eines dort ansässigen Geschäfts massiv bedroht, sodass diese den Notruf wählte. Sie war von dem Mann laut Polizeisprecher verbal so sehr bedrängt worden, dass sie es mit der Angst bekommen habe. 

Vor Ort angekommen, wussten die Beamten sofort, mit wem sie es zu tun hatten. Sie überlegten nicht lange und legten den Mann in Handschellen, sodass die bedrohliche Lage für die Geschädigte schnell ein Ende fand. „Für die Kollegen vor Ort war sofort klar, dass es sich bei diesem Mann um ein bekanntes Gesicht handelt“, erklärt Christoph Hüls von der Polizeipressestelle in Iserlohn. Der 30-jährige, psychisch kranke Plettenberger, sei schon mehrfach zuvor in Erscheinung getreten.

In anderen Fällen war dem Verdächtigen nichts nachzuweisen

Er soll, laut verschiedener Zeugenaussagen, schon mehrfach Frauen bedroht haben und auch sexuell belästigt haben. Auch in der Nähe von Schulgeländen soll sich der Plettenberger auffällig verhalten haben, wie Christoph Hüls erklärte. „Er hat – überwiegend Frauen – massiv bedroht, das steht fest. Auch gegenüber Kindern soll er sich schon auffällig verhalten haben“, so Hüls. Allerdings habe man dem 30-Jährigen in den vorherigen Fällen nichts Belastendes nachweisen können, sodass es für eine Verhaftung gereicht hätte. 

Dieser Fall sei jedoch eindeutig gewesen

Der jetzige Fall sei allerdings eindeutig gewesen: Der Mann hat offensichtlich eine junge Frau bedroht und, so Hüls, „es hat vermutlich nicht mehr viel gefehlt, bis etwas Schlimmeres passiert wäre“. Der Mann wurde anschließend in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. „In solchen Fällen nehmen wir die betreffenden Personen zwar fest, was danach passiert, entscheidet aber nicht die Polizei“, erklärt Christoph Hüls. Um jemanden in eine psychiatrische Einrichtung einweisen zu lassen, wird immer ein Arzt zu Rate gezogen, der attestiert, ob eventuell eine psychische Erkrankung oder Störung vorliegt, oder nicht. Dann wird gemeinsam mit Vertretern des zuständigen Ordnungsamtes entschieden, ob jemand eingewiesen werden soll, oder nicht. „Glücklicherweise hat der Mann keinen Widerstand geleistet“, erklärt Hüls. 

Facebook-Nutzer beschuldigt die Polizei

Auf Facebook wurde in der Gruppe „Du bist Plettenberger, wenn...“, fleißig diskutiert. Dort hatte ein Nutzer die Polizei beschuldigt, Gewalt angewandt zu haben: „Diese beiden Polizisten gingen mit voller Gewalt auf ihn los“, wütete er und beschrieb den Ablauf der Festnahme. Dazu sagt Christoph Hüls: „Das können wir definitiv dementieren. Es mag befremdlich auf den ein oder anderen Passanten wirken, wenn jemand auf die Knie geht und in Handschellen gelegt wird – das Ganze ist aber nicht mit Gewalt passiert“, so der Polizeisprecher zu den Anschuldigungen.

Polizei will gegen Facebook-Post vorgehen

Den Beitrag des Plettenbergers werte man bei der Polizei als üble Nachrede. Nun will sich die heimische Polizei wehren: „Nach einem diffamierenden Posting in einer Plettenberger Gruppe und der darauf folgenden medialen Berichterstattung leiten wir gegen den Ersteller des Postings strafrechtliche Ermittlungen wegen übler Nachrede ein“, schreibt die Polizei nun selbst in einem Facebook-Beitrag. „Wir lassen uns nicht alles bieten!“ Schließlich würden die Polizisten jeden Tag alles geben – im Streifenwagen, bei der Kripo oder im Netz. 

Die Polizei sei durchaus aus gutem Grund in den sozialen Medien präsent – vor allem, um Bürgernähe zu schaffen und mit den Menschen in den Dialog zu kommen. Facebook-Nutzer sollten sich im Klaren sein, dass die Polizei auch in diesem sozialen Netzwerk mitlese – „nicht gezielt, jedoch zwangsläufig durch die Vernetzung.“ Die Beamten würden immer wieder Beiträge lesen, die mit falschen Informationen und/oder Provokationen gespickt seien. Es handele sich um Dinge, die geeignet seien, dem Vertrauen in die Polizei zu schaden. „Wir bitten Sie daher aufmerksam zu sein. Glauben Sie nicht jeder Behauptung“, erklärt die Polizei.

Mit Blick auf die Sozialen Netzwerke betonte die Polizei: "Eines sollte jedem klar sein: Wir lesen hier mit. Nicht gezielt, jedoch zwangsläufig durch die Vernetzung. Wenn wir mal etwas nicht sofort mitbekommen, so werden wir doch auf das meiste angesprochen. Von Bürgern und von Journalisten. Letztere machen sich - im Gegensatz zu manch einem Facebook-User - Gedanken über die Hintergründe. Sie recherchieren, lassen alle Beteiligten zu Wort kommen, bewerten das Gesammelte und erwägen dann eine Berichterstattung."

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