Der Ruf nach einem Poetry-Slam in Plettenberg

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Was verbindet man selbst oder andere Menschen mit dem Begriff Heimat? Nachdem die Workshop-Teilnehmer des Gymnasiums Ideen dazu gesammelt hatten, trugen sie ihre Texte vor. Für Sarina Twarz ist Heimat auch irgendwie Schule. Das erinnerte sie wiederum an das Thema Hausaufgaben.

Plettenberg - Ein Workshop zeigte gestern eindrucksvoll, dass es viele gute Schreiber und Lyriker am Albert-Schweitzer-Gymnasium gibt. Sie alle würden gerne vor größerem Publikum auftreten. Zunächst werden aber nur drei von ihnen zu einem Auftritt eingeladen

Als die erste Stunde des Workshops vergangen ist, weiß Marian Heuser, dass das ein geiler Vormittag wird. Der Poetry-Slammer fragte die Schüler, wer denn Lust hat, seinen Text vor der Klasse vorzutragen. Und alle Finger schnellten in die Luft. Als hätten die Jugendlichen nur darauf gewartet, dass sie ihre lyrischen Fähigkeiten auf diese Weise ausleben können.

Da kann man nur sagen: Danke, Heimatbund Märkischer Kreis. Der Verein ist auf die innovative Idee gekommen, im Werben um junge Mitglieder einen Poetry-Slam zum Thema ‘Heimat’ im Lüdenscheider Kreishaus zu organisieren. In Workshops werden Schüler aus Plettenberg, Meinerzhagen, Iserlohn und Altena auf diese Veranstaltung vorbereitet. Und am Albert-Schweitzer-Gymnasium rennt der Verein damit offene Türen ein.

Rebecca Kornblum ist an der Reihe. Was bedeutet Heimat für sie? Sie erinnert sich an eine Geschichte, die ihr ihre Oma immer aus dem Zweiten Weltkrieg erzählt hat. Ihr Kugelschreiber fliegt über das noch leere Blatt Papier. Ein alter Teddybär. Ein Soldat, der ihn findet. Das unverhoffte Wiedersehen. Die Mitschüler sind begeistert von der Geschichte und Rebeccas Vortrag. ‘Lehrer’ Marian Heuser ist ebenso beeindruckt: „Wow, das war wirklich sehr gut.“

Marian Heuser, 33, erfahrener Autor, Moderator und Slam-Poet aus Münster, hört während des zweitägigen Workshops am ASG viele solcher gelungenen Texte. Manchmal strotzen sie nur so vor Humor, manchmal berühren sie das Herz. Mal kommen sie mit, mal ohne Reime aus. „Wichtig ist nur, dass es authentisch ist“, hatte Marian Heuser die Schüler gelehrt.

Überhaupt gibt es bei einem Poetry-Slam so gut wie keine Regeln, aber an die wenigen, die es gibt, muss man sich halten. Der Text muss selbst geschrieben sein, der Vortrag darf maximal fünf Minuten dauern, es dürfen keine Requisiten verwendet werden. Und man braucht Mut. „Alle Augen sind auf dich gerichtet. Und das Publikum ist gleichzeitig auch die Jury“, erklärt Heuser.

Hier in Raum 212 im Obergeschoss des Albert-Schweitzer-Gymnasiums haben die Schüler keine Bange vor dem Vortrag, ganz im Gegenteil. Alle 13 Workshop-Teilnehmer würden gerne beim Poetry Slam im Lüdenscheider Kulturhaus auf der Bühne stehen, aber es ist nur Platz für drei von ihnen. Es hilft alles nichts. Eine geheime Abstimmung muss entscheiden. Am Ende des Workshops stehen die drei Teilnehmer aus Plettenberg fest. Es sind: Luise Wolff, Sarina Twarz und Maya Heidel. Sie stellen sich nun am 20. Oktober dem Publikum, das auch gleichzeitig als Jury fungieren wird.

Der Workshop und der Abschluss gestern Mittag vor interessierten Mitschülern und Lehrern im Klassenzimmer hat jedenfalls Lust gemacht auf mehr. Vor allem hat der Kurs deutlich gemacht, dass viele junge Leute in Plettenberg Lust auf einen großen Poetry-Slam haben. Was jetzt nur noch fehlt, ist die passende Veranstaltung in der Aula...

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