Zwei Pfarrer für fünf Kirchen

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Superintendent Klaus Majoress sieht für seinen Nachfolger einige Herausforderungen im Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg.

Plettenberg – Einen richtigen Namen gibt es noch nicht für das, was der Evangelischen Kirchengemeinde Plettenberg bevorsteht, doch einen ersten Vorgeschmack auf die zukünftige Situation gibt der Anfang Januar verkündete Abschied von Pfarrer Dirk Vetter, der am Freitag auch Thema beim Neujahrsempfang im Bonhoeffer-Haus war.

Der Hagener, der eine halbe Pfarrstelle besetzte, ist nur noch bis zum 24. Mai in Plettenberg tätig – ein Ersatz ist vorerst nicht geplant. Hinzu kommt, dass auch die Evangelische Kirchengemeinde Plettenberg mit sinkenden Gemeindegliederzahlen zu kämpfen hat. Aktuell sind es nach Auskunft von Superintendent Klaus Majoress noch 5 500 Gläubige. Der Personalschlüssel sieht im Kirchenkreis eine Vollzeit-Pfarrstelle je 3 000 Gemeindegliedern vor. So gesehen gibt es wenig Hoffnung auf einen dritten Vollzeitpfarrer wie Rafael Dreyer. 

Presbyter Fred Witte sagte dazu: „Der Ersatzdienst von Dirk Vetter hier läuft aus und er wird eine Stelle in der Nähe seiner Heimat Hagen finden.“ Schon lange stehe fest, dass die Ev. Kirchengemeinde Plettenberg mit den Pfarrern Dietmar Auner und Andreas Hirschberg auskommen müsse. Dass eine Nachfolgersuche für den Ersatzdienst generell schwierig ist, bestätigte Klaus Majoress, denn zum einen habe man nicht viele Bewerber, zum anderen sei Plettenberg oftmals nicht attraktiv genug. „Unsere Region ist leider nicht sehr begehrt“, bedauerte der Superintendent. 

Der frühere Christuskirchenbezirk wurde bereits im Jahr 2017 nach dem Abschied von Pfarrer Dreyer neu aufgeteilt unter Pfarrer Dietmar Auner und Pfarrer Andreas Hirschberg, die früher vornehmlich im Oestertal und Landemert bzw. in Holthausen seelsorgerisch tätig waren. Nun wird der Bezirk – aufgeteilt nach Gemeindegliederzahlen und getrennt durch den Oesterbach – von beiden Pfarrern mitbetreut. Nicht zuletzt deshalb werden auch die Prädikanten, also die Laien-Pfarrer, zukünftig noch stärker in das Gemeindeleben eingebunden. 

Die Christuskirche ist eine von fünf Kirchen der ev. Kirchengemeinde Plettenberg.

Neben der Christuskirche, dem kirchlichen Aushängeschild der Kirchengemeinde Plettenberg, gibt es noch die Dreifaltigkeitskirche in Landemert, die Erlöserkirche in Kückelheim, die Böhler Kirche und die Martin Luther-Kirche in Holthausen. Laut Superintendent Klaus Majoress liege es in der Verantwortung des Presbyteriums, das am 1. März auch in Plettenberg neu gewählt wird, die Gotteshäuser mit den zugewiesen Mitteln zu unterhalten, was immer schwieriger werde. Dennoch gebe es bisher keine Überlegungen, eine Kirche aufzugeben. Der demografische Wandelt tut sein Übriges, denn auch ohne Kirchenaustritte sinkt jährlich so die Gemeindegliederzahl um rund 100 Gläubige.

 „Die jeweiligen Kirchengemeinden sollen verstärkt aufeinander zugehen“ sagte Majoress, der jüngst den Zusammenschluss der Kirchengemeinden Attendorn, Finnentrop, Grevenbrück und Kirchhundem unterstützte. Hier wie dort dürfte es die Herausforderung der nächsten Jahre werden, Bewährtes zu erhalten und alte, eingefahrene Strukturen kräftezehrend für alle zu pflegen und nach der Neuwahl des Presbyteriums am 1. März möglicherweise neue Schwerpunkte in der Gemeindearbeit zu setzen. Etwas erleichtert werden könnte die Gemeindearbeit durch die Rückkehr von Erhard Knabe, der seine berufliche Laufbahn in Lüdenscheid beendet hat und einer der 16 Kandidaten für die 14 Presbyteriumsplätze ist. 

Noch reine Zukunftsmusik ist eine Verschmelzung der Kirchengemeinden Ohle (0,75 Pfarrstellen) und Eiringhausen (1,5 Pfarrstellen) mit Plettenberg (2 Pfarrstellen). Allerdings – und das gab Majoress im Gespräch mit unserer Zeitung zu verstehen – werde sein Nachfolger sich Gedanken machen müssen, was in zehn bis zwölf Jahren passiere, wenn Pfarrer Dietmar Auner, Pfarrerin Anju Laddach und Pfarrer Uwe Brühl das Rentenalter erreichen. Um in allen Kirchengemeinden die gewohnte Zahl an Gottesdiensten und seelsorgerischen Aufgaben aufrechtzuerhalten, führe an einer engeren Zusammenarbeit dann vermutlich kein Weg vorbei. Schon jetzt kommen in der Kirchengemeinde Plettenberg auf die Pfarrer Hirschberg und Auner definitiv mehr Aufgaben hinzu, denn Pfarrer Vetter kümmerte sich bislang viel um Seniorenthemen, das Matthias-Claudius-Haus, um Bestattungen und zwischenzeitlich auch um den Gemeindebrief. All diese Aufgaben müssen nun in Abstimmung mit dem von Fred Witte geleiteten Presbyterium neu verteilt werden.

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