Streik bei der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG)

Wie die Plettenberger den teils ausgefallenen Busverkehr gemeistert haben

Auch wenn in unserer Momentaufnahme gestern gleich drei Busse am Busbahnhof Grünestraße stehen, kam der Busverkehr wegen des Warnstreiks größtenteils zum Erliegen. Meist waren nur Subunternehmer wie hier die Firma Michels unterwegs.
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Auch wenn in unserer Momentaufnahme gestern gleich drei Busse am Busbahnhof Grünestraße stehen, kam der Busverkehr wegen des Warnstreiks größtenteils zum Erliegen. Meist waren nur Subunternehmer wie hier die Firma Michels unterwegs. Zum Streik hatte die Gewerkschaft Verdi aufgerufen und erhofft sich eine bessere Position in den Tarifverhandlungen für die bundesweit 87000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst.

Nur wenige Menschen am Busbahnhof, und teils lange Staus vor den Schulen – so stellte sich am Dienstag und Mittwoch die Situation in Plettenberg dar, nachdem die Märkische Verkehrsgesellschaft den Busverkehr im ganzen Kreis wegen eines Warnstreiks weitestgehend eingestellt hatte. 

Vor allem die Eltern von schulpflichtigen Kindern mussten sich wegen des Streiks kurzfristige Lösungen einfallen lassen, wie sie ihre Kinder zu den Schulen bringen können. Das scheint den meisten auch gelungen zu sein, wie eine Rundfrage im Internet ergab. Viele brachten ihre Kinder demnach im eigenen Auto oder in Fahrgemeinschaften zu den Schulen. „Anders geht es ja nicht. Die Kinder hatten monatelang keinen Unterricht und sie müssen nicht noch mehr verpassen“, hieß es in einem der Kommentare, nachdem die MVG den Warnstreik angekündigt hatte.

Kathrin Beckmann zum Beispiel hat drei Kinder an drei verschiedenen Schulen. „Ich habe meinen Sohn mit zwei Freunden nach Attendorn zur Schule gebracht und vorher meine Töchter jeweils zu einer Freundin gebracht, die sie dann mit zur Schule genommen haben“, beschreibt sie das Szenario am Dienstagmorgen. „Ich bin froh, liebe Freunde und Bekannte zu haben. Wir helfen uns gegenseitig. Zur Not wäre meine Mutter noch mit eingesprungen. Alleine hätte ich wohl eine Schule nach der anderen anfahren müssen und die Kinder wären dadurch zu spät gekommen.“

„Ich bin auch gefahren und musste für meine Tochter nach Lüdenscheid eine Mitfahrgelegenheit suchen, da sie heute und morgen Klausuren schreibt“, berichtete uns Melissa Pape. Weil sie nur eine Fahrt übernehmen konnte, suchte sie kurzfristig nach einer Mitfahrgelegenheit. Ob es gelungen ist? „Zum Glück ja – über viele Freunde und Telefonate. Ich bin dankbar für diese Freunde, denn sonst hätte sie [ihre Tochter] heute etwas verpasst.“

Klausuren stehen in dieser Woche auch im Albert-Schweitzer-Gymnasium in Plettenberg auf dem Programm. Dass Schüler wegen des Streiks nicht zum Unterricht gekommen sind, sei nur ganz vereinzelt der Fall gewesen, hieß es aus dem Sekretariat. Eine ähnliche Rückmeldung bekamen wir auch aus dem St. Ursula-Gymnasium in Attendorn; auch hier haben es laut Sekretariat so gut wie alle Schüler in die Schule geschafft – wahrscheinlich vor allem deshalb, weil einerseits wenige Busfahrer und die Subunternehmen der MVG ihre Touren trotz des Streiks gefahren sind, aber vor allem, weil die Eltern sich so kurzfristig anders organisiert haben.

Spürbar war der Streik dagegen zum Beispiel in der Hallenschule. Schulleiterin Nicole Friedrich berichtete von einigen Kindern, die nachgebracht worden sind, weil die Busse nicht gefahren sind. Vater Patrick Lindig zum Beispiel hatte das Glück, dass morgens der Bus seiner Tochter noch fuhr, allerdings fiel der Bus am Dienstag nach Schulschluss um 13.15 Uhr aus. „Nur der Bus nach der Offenen Ganztagsschule um 16.30 Uhr fährt dann noch – was ja irgendwo ein Witz ist: Sie kommen in die Schule, aber nicht heim.“ Weil er alleinerziehender Vater und berufstätig ist, war es ihm nicht möglich, seine sechsjährige Tochter selbst abzuholen. „Ich habe ein Riesen-Glück, dass meine Mutter mich da unterstützt und mir meine Tochter abholt“, schreibt Patrick Lindig.

Und dann war zu allem Übel auch noch der Tunnel zu

Als ob der Warnstreik der Märkischen Verkehrsgesellschaft für viele Plettenberger nicht schon Belastung genug gewesen wäre, mussten viele Autofahrer gerade am Dienstag und am Mittwochnachmittag auch noch mit Staus auf den Straßen leben. Wie der Landesbetrieb Straßen.NRW kurzfristig am späten Montagnachmittag angekündigt hatte, wurde der Hestenbergtunnel von Dienstagvormittag bis etwa 16.30 Uhr wegen der regelmäßigen Wartung gesperrt. Gleiches galt auch am Mittwoch.

Die Arbeiten wurden ausnahmsweise unter der Woche nachgeholt, weil sie zuletzt aus Krankheitsgründen verschoben werden mussten. Das sorgte nicht nur für lange Staus, sondern auch für jede Menge Unmut und Kopfschütteln.

Gerade am frühen Dienstagnachmittag gegen 15 Uhr staute sich der Verkehr zeitweise auf der einen Seite bis in Höhe des Köbbinghauser Industriegebietes und auf der anderen Seite bis nach Eiringhausen. Schneckentempo war angesagt. Teilweise berichteten Autofahrer von 45 Minuten, die sie von Holthausen bis in die Stadt gebraucht haben. Viele stellten sich die Frage: Warum musste die Tunnelwartung ausgerechnet am Tag des Warnstreiks stattfinden?

Markus Miglietti, der Sprecher des für die Sperrung verantwortlichen Landesbetriebs Straßenbau NRW, argumentierte auf Nachfrage, dass der Streik auch für ihn und die Verantwortlichen von Straßen.NRW überraschend kam: „Wir hatten alles abgesprochen mit der Stadt, der Straßenmeisterei und der beauftragten Firma und wollten den Termin jetzt nicht noch einmal verschieben.“ Ziel sei es gewesen, die ausgefallene Wartung von vor dreieinhalb Wochen so schnell wie möglich nachzuholen, „damit wir wieder im Rhythmus sind“, sagte Miglietti. Er ergänzt: „Ein Streik ist nicht planbar.“

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