„Das Chaos nimmt seinen Lauf“

Mutter kritisiert: Wer trägt eigentlich die Kosten für den Corona-Test meiner Tochter?

Akute Bronchitis, Atemnot oder Störung des Geruchs- und Geschmackssinns – bei solchen Symptomen kann ein Arzt einen PCR-Test in seiner Praxis durchführen.
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Akute Bronchitis, Atemnot oder Störung des Geruchs- und Geschmackssinns – bei solchen Symptomen kann ein Arzt einen PCR-Test in seiner Praxis durchführen.

Als sei die schwere Erkältung nicht schon genug des Übels, muss sich eine junge Plettenbergerin nun auch mit der Frage herumplagen, wer die Kosten für ihren Coronatest übernimmt. Genau diesen musste sie am Montag im Vorfeld eines Arztbesuches in einem Testzentrum leisten – und stieß dabei auf Unstimmigkeiten.

Plettenberg - „Der erste Tag der neuen Coronatestregeln und das Chaos nimmt seinen Lauf“, schreibt uns Sylvia Wendler. Ihre Tochter (22 Jahre alt) wollte sich zu Wochenbeginn telefonisch einen Termin bei ihrem Hausarzt besorgen. Diesen erhielt sie nur unter der Auflage, sich vorher auf das Coronavirus testen zu lassen. „Das kann bei Erkältungssymptomen durchaus Sinn machen, aber besteht nicht auch in einer Arztpraxis die Möglichkeit zum Test?“, fragt Sylvia Wendler.

Doch ihr eigentlicher Kritikpunkt ist ein anderer: Im Testzentrum wurden der jungen Frau, die vollumfänglich geimpft ist, eine Gebühr in Höhe von 15 Euro abgenommen. Denn: Seit Montag gibt es grundsätzlich kein kostenloses Testangebot für alle Bürger mehr.

Auf Nachfrage in der Arztpraxis herrschte dort zunächst Unklarheit darüber, wer die Kosten übernehmen sollte. Ein Hinweis lautete: Die Frau sollte sich an ihre Krankenkasse wenden. Genau das machte die Plettenbergerin – und auch dort musste man sich zunächst schlau machen, ehe die 22-Jährige die Auskunft erhielt, dass eine Kostenübernahme nur mit schriftlicher Bestätigung des Arztes zur Notwendigkeit des Tests möglich sei.

Das bedeutet: Die junge Frau muss sich nun im Nachgang darum kümmern, eine solche Bestätigung zu erhalten. Diese fehlende Kommunikation wurmt Tochter und Mutter: „Ist es zu viel verlangt, dass Arztpraxen, Krankenkassen und Testzentren ausreichend informiert werden, bevor die neue Regelung an den Start geht?“, sagt Sylvia Wendler, die ihre Kritik nicht gegen die genannten Akteure richtet. Vielmehr kann sie nicht verstehen, warum eine Kostenpflicht eingeführt wird, ohne dass den Ausführenden die Umsetzung im Detail erklärt wird.

Im Fall ihrer Tochter sei die Kostenübernahme weiter offen, „da die Patientin zu krank ist, um noch mal zum Arzt zu gehen.“

Nachgefragt: Das sagen der Ärztesprecher und die Kassenärztliche Vereinigung

Martin Boncek, Sprecher der Plettenberger Ärzteschaft, äußerte ein wenig Verständnis für die Kritik der Leserin, ohne den konkreten Fall zu kennen. Grundsätzlich müsse der behandelnde Arzt anhand der Krankheitssymptome entscheiden, ob ein PCR-Test oder ein Schnelltest erforderlich sei. Der PCR-Test sei in dem Fall kostenlos. Dies gelte unter bestimmten Voraussetzungen auch für den Schnelltest. Wer zum Zeitpunkt der Testung noch keine zwölf Jahre alt ist oder erst in den letzten drei Monaten vor der Testung zwölf Jahre alt geworden ist, muss den Test nicht bezahlen. Gleiches gelte für Personen, die aus medizinischen Gründen nicht gegen das Coronavirus geimpft werden können; das gelte insbesondere bei einer Schwangerschaft im ersten Schwangerschaftsdrittel. Bis zum 31. Dezember können sich laut Boncek alle, die zum Zeitpunkt der Testung noch minderjährig sind, kostenlos testen lassen. Boncek gestand ein, dass die Regelung hochkompliziert und schwer verständlich sei. Noch dazu würden in Plettenberg nur noch Dr. Oehlschägel und er Schnelltests selbst regelmäßig durchführen. Ansonsten müsste man auf Schnelltestzentren ausweichen.
Vanessa Pudlo, Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, erzählte, dass in dem geschilderten Fall der Plettenbergerin eindeutig Symptome für eine Atemwegserkrankung vorlagen. Daher hätte der Arzt einen PCR-Test in seiner Praxis durchführen können – und dies kostenfrei für die Patientin. Der Gang in ein Testzentrum sei somit nicht notwendig gewesen, zumal die Pressesprecherin betont: „Die Testzentren sind eigentlich für asymptomatische Personen gedacht.“ Um ein Infektionsrisiko in den Praxen zu minimieren, hätten die Ärzte die Möglichkeit, einen PCR-Test am Rand der Sprechstunden durchzuführen, also in Zeiten, zu denen kaum Patienten vor Ort sind. Ob ein Arzt einen PCR-Test – dessen Auswertung in jedem Fall in einem Labor erfolgt – durchführt oder nicht, dafür gibt es festgesetzte Kriterien. Die Tests können von der Arztpraxis mit der Krankenkasse abgerechnet werden; sie sind für die erkrankten Patienten somit kostenfrei. Die Corona-Schnelltests in den Testzentren hingegen sind grundsätzlich keine Kassenleistung. Diese Tests müssen die Personen somit vor Ort selbst bezahlen.

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