Staatsanwaltschaft schließt Fall

Mutmaßlicher Bombenleger aus MK muss nicht hinter Gitter: Der Grund überrascht

 Im Oktober wurde ein vermeintlicher Sprengsatz in einem abgestellten Zug in Köln gefunden. Daraufhin war ein 21-jähriger Verdächtiger in Lüdenscheid festgenommen worden. Sein Wohnsitz ist in Plettenberg.
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Im Oktober wurde ein vermeintlicher Sprengsatz in einem abgestellten Zug in Köln gefunden. Daraufhin war ein 21-jähriger Verdächtiger in Lüdenscheid festgenommen worden. Sein Wohnsitz ist in Plettenberg.

Vor gut zehn Monaten sorgte ein mutmaßlicher Bombenfund am Betriebsbahnhof Deutzerfeld bei Köln bundesweit für Aufsehen. Jetzt steht fest, wie ein 21-jähriger Plettenberger dafür zur Rechenschaft gezogen wurde.

Plettenberg/Lüdenscheid - Eine Reinigungskraft hatte dort am 2. Oktober 2020, dem Vorabend des bundesweiten Feiertags zum Tag der Deutschen Einheit, einen kartonähnlichen Gegenstand, gefüllt mit Nägeln, Schrauben und Schwarzpulver auf der Zugtoilette gefunden und dies der Polizei gemeldet. Umgehend wurde Großalarm ausgelöst und das Gelände weiträumig abgesperrt.

Nur eine Woche nach dem Fund der vermeintlichen Bombe gelang der Polizei ein Fahndungserfolg, als ein 21-jähriger Mann in Lüdenscheid in NRW festgenommen wurde. Doch weil sich sein Wohnsitz nicht in der Kreisstadt, sondern in Plettenberg befand, durchsuchten Ermittlungsbeamte der Polizei dort am Freitag, 9. Oktober, 2020, die Wohnung des 21-Jährigen.

Hans-Georg Maaßen veröffentlichte Herkunft

Nun steht fest, welche Strafe im deutschen Rechtssystem für den aus Syrien stammenden Plettenberger verhängt wurde.
Dessen Herkunft hatte der einstige Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen auf Twitter öffentlich gemacht. Welche Quellen er dazu nutzte, blieb offen. Der Sichtweise des ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten, der von einem versuchten Bombenanschlag eines syrischen Asylbewerbers sprach, folgte die Rechtsprechung indes nicht.

Das bestätige jetzt der Hagener Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli auf Anfrage unserer Zeitung. „Der Beschuldigte hat sich eingelassen und betont, er sei frustriert gewesen.“ Zuvor soll der 21-Jährige in einer Vernehmung angegeben haben, mit dem Ablegen der vermeintlichen Bombe auf seine prekäre soziale Situation aufmerksam machen zu wollen.

Zug verbindet Lüdenscheid und Köln

Bestätigt ist nach Abschluss der Ermittlungen, dass das verdächtige Paket in einem abgestellten Waggon der Regionalbahn 25 gefunden wurde. Die Zuglinie verbindet Lüdenscheid und Köln. Zuvor gingen die Ermittler davon aus, dass der mutmaßliche Täter die Bomben-Attrappe während der letzten Fahrt der RB25 abgelegt hatte. Diese startete allerdings nicht in Lüdenscheid, sondern um 23.23 Uhr in Gummersbach.

Und so führte die Spur letztlich auch nach Lüdenscheid und von dort zum Wohnort des 21-Jährigen in Plettenberg.
Nach der Festnahme am 9. Oktober 2020 wurde der nicht vorbestrafte Plettenberger zwischenzeitlich wieder auf freien Fuß gesetzt.

Am 17. März 2021 wurde ein Strafbefehl beim Amtsgericht Lüdenscheid erlassen. Der 21-jährige Plettenberger, der zuvor polizeilich nicht in Erscheinung getreten war, wurde laut Oberstaatsanwalt Dr. Gerhardt Pauli „wegen der Androhung einer Straftat“ zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten mit Bewährung verurteilt. Da er gegen den erlassenen Strafbefehl keine Rechtsmittel einlegte, sei das Urteil rechtskräftig, so Pauli gegenüber unserer Zeitung. Der per Strafbefehl verurteilte Plettenberger muss nun straffrei bleiben, um einer Inhaftierung zu entgehen. Die von ihm gewünschte Aufmerksamkeit für seine Situation erreichte der 21-Jährige in jedem Fall.

Großaufgebot der Polizei und 20 Spürhunde im Einsatz

Nach dem Fund des vermeintlichen Sprengsatzes in einem abgestellten Zug in Köln wurde das Gelände um den Betriebsbahnhof Deutzerfeld Anfang Oktober letzten Jahres weiträumig abgesperrt. Polizisten suchen die dort abgestellten Züge mit mehr als 20 Spürhunden ab. Auch nach Fingerabdrücken oder DNA-Spuren wurde gesucht, zudem wurden Videos von Überwachungskameras ausgewertet. Deren Sichtung soll nach Medienberichten auch zum Fahndungserfolg geführt haben.

Der aufgefundene Karton war laut Experten des Landeskriminalamts nicht zündfähig. Spezialkräfte der Bundespolizei hatten die Vorrichtung geröntgt und auf dem Gelände des Betriebsbahnhofes unschädlich gemacht.

Geringe Menge an Schwarzpulver

Die Menge an Schwarzpulver sei so gering gewesen, dass bei einer Entzündung kaum etwas passiert wäre. Das Paket enthielt den Ermittlern zufolge unter anderem Nägel und eine geringe Menge Schwarzpulver und war in Plastiktüten gewickelt und verklebt. Es sei zwar eine Zündschnur dabei gewesen, die aber nicht angezündet worden sei.

Wegen der Gesamtumstände hatte seinerzeit die Zentralstelle Terrorismusverfolgung der Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft den Fall übernommen. „Der Fund eines sprengstoffverdächtigen Gegenstandes in einem öffentlichen Verkehrsmittel“ sei Anlass „zur Prüfung einer terroristischen Motivation des Täters“.
Rückblickend äußerte sich der Leitende Oberstaatsanwalt Markus Caspers im Gespräch mit unserer Zeitung wie folgt: „Die sichergestellte Bombe war im Grunde nicht funktionstüchtig.“ Einen terroristischen Hintergrund oder ein politisches Motiv habe man nicht ausmachen können. „Er wollte offenbar nur so tun“, sagte Caspers.

Zündschnur hätte extern gezündet werden müssen

Die Zündschnur – so hieß es im Zuge der Berichterstattung – hätte extern gezündet werden müssen. Bei einer Explosion wäre die Sprengkraft so gering gewesen, dass die Nägel nur wenige Zentimeter weit geschleudert worden wären.
Letztlich übergab die Zentralstelle Terrorismusverfolgung den Fall an die Staatsanwaltschaft Hagen, die nach eingehender Prüfung den Strafbefehl erließ und den Vorgang damit abschloss.

Und so endete ein Fall, der für bundesweites Aufsehen gesorgt hatte, letztlich ohne Gerichtsverfahren mit einem formalen Strafbefehl. Eine Abschiebung muss der aus Syrien stammende Plettenberger nach Informationen unserer Zeitung nicht befürchten, da er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde.

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