Müll-Probleme und Polizei-Einsätze - warum sich die Lage im Problembezirk Beiese bald verbessern könnte

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Plettenberg - Die schlechten Nachrichten von der Straße Am Beiese häufen sich: Immer wieder kommt es dort zu Polizeieinsätzen, aber vor allem die Vermüllungen sind dort ein Riesen-Problem. Jetzt regt sich in den Häusern 1 bis 11 Widerstand.

Es könnte so schön sein. Die Sonne strahlt vom Himmel und lässt die Wiesen und die Bäume in einem saftigen Grün glitzern, während auf dem angrenzenden Spielplatz mehrere Kinder vergnügt quieken. Wäre da nicht der viele Müll, der auf und neben den Mülltonnen gestapelt wird und den Duft des Frühlings durchdringt. Wären da nicht die herumstehenden, abgemeldeten Autowracks, die teils ramponierten Garagentore oder die Wohnhäuser, in denen sich der Schimmel ausbreitet. Wäre das alles nicht, könnte es hier an der Straße Am Beiese richtig idyllisch sein. Ist es aber nicht.

Tobias Klein, Hausnummer 5, wohnt seit August mit seiner Lebensgefährtin und seinem 6 Monate alten Baby hier. Eine ganze Reihe von Vorfällen sorgt seitdem dafür, dass sich die junge Familie in ihren vier Wänden unwohl fühlt. Zum einen hat sich der Schimmel vom Keller bis hin zur Wohnung ausgebreitet, zum anderen beobachtet Tobias Klein immer wieder, wie Fahrzeuge mit heimischen und auswärtigen Kennzeichen vorgefahren werden und die Fahrer neben den Tonnen ihren Müll abladen. Als störend empfindet die Familie außerdem die Nachbarstreffen: Vor allem die rumänischen Mitbewohner und deren Freunde und Bekannten versammeln sich oft in großen Gruppen von 40 bis 50 Leuten unten auf dem Hof und grillen nach Kleins Aussage fast täglich von mittags bis abends mit Holz und Holzkohle. Nicht nur, dass die Rauchschwaden die Nutzung des eigenen Balkons so gut wie unmöglich machen würden – auch das Kleinkind könne angesichts des Lärms der Gruppen nicht richtig schlafen.


Nachbar Jürgen Voß, Hausnummer 1, beschreibt die gleichen Probleme. Er wohnt seit neun Jahren hier, aber „mittlerweile herrschen hier schlimme Zustände“, sagt er. Voß bemängelt, dass niemand der Verantwortlichen dagegen etwas unternehme und wandte sich deshalb an die Heimatzeitung.


Unsere Anrufe bei der Polizei und bei der Stadtverwaltung bestätigen, dass der Beiese kein unbeschriebenes Blatt ist. „Im Vergleich zu anderen Stadtteilen müssen wir schon öfter mal hinfahren“, berichtet Wolfgang Klein, der Leiter der örtlichen Polizeiwache. Er zählt allein in diesem Jahr 29 Einsätze in diesem Bereich auf – das macht im Schnitt etwa alle vier Tage einen Einsatz. Darunter ein Fall von häuslicher Gewalt, in dem nun auch ein Ermittlungsverfahren läuft, ansonsten ist die Polizei hauptsächlich wegen Streitigkeiten oder Ruhestörungen gerufen worden.

Das Müll-Problem beschäftigt derweil die Stadtverwaltung, deren Mitarbeiter vor wenigen Wochen geprüft haben, ob die Häuser genügend Mülltonnen haben. Das Ergebnis: Die zehn normalen schwarzen Tonnen (andersfarbige Tonnen gibt es nicht, weil die Mülltrennung nicht geklappt hat) und der ungefähr vier Mal so große Rollcontainer, der zudem wöchentlich geleert wird, müssten für die gemeldeten Bewohner ausreichen.

Laut Jürgen Voß und Tobias Klein reichen die Tonnen aber bei weitem nicht, weil eben nicht nur die Bewohner ihren Müll hier loswerden, sondern auch die Grillbesucher und die unbekannten Autofahrer. Selbst ein Container, groß wie ein Lkw-Anhänger, ist inzwischen randvoll gefüllt – unter anderem mit Haushaltsmüll. Die Entsorgungsfirma Menshen, die den Container vor einem Monat auf Wunsch der Hauseigentümer für Sperrmüll bereit gestellt hatte, wird an der Abholung der Ladung nicht gerade ihre Freude haben...

Besserung erhoffen sich Tobias Klein, Jürgen Voß und einige andere Nachbarn durch einen Brandbrief an die Hausverwaltung. 15 Anwohner der Häuser 1 bis 11 haben ihn unterzeichnet.

Was der Hauseigentümer zu alledem sagt

Thomas Schenkel kennt diesen Brief. Der Mann von der Firma Schmitz Immobilien aus Aachen, der die Häuser 1 bis 11 und damit 32 Wohnungen am Beiese gehören, will die Probleme aus der Welt schaffen. Und wenn das eintrifft, was er vor Ort im Gespräch mit dem ST-Reporter angekündigt hat, dann dürfen die Anwohner hoffen.

Bereits bestellt seien fünf neue Rollcontainer, die dann gemeinsam mit dem bisherigen Rollcontainer die zehn Mülltonnen ersetzen sollen, sodass deutlich mehr Müll entsorgt werden kann als bisher. „Als nächsten Schritt werden wir die Haus- und Wohnungstüren austauschen“, berichtet Schenkel. Danach sollen die Häuser gedämmt werden, um dem Schimmelproblem zu begegnen.

Die 15 Garagen sollen geräumt, repariert und vermietet werden und die abgestellten Autowracks sollen, sofern eine Halteranfrage bei der Polizei negativ ausfällt, abtransportiert werden. Außerdem kündigt Thomas Schenkel an, dass geplant sei, die alten Nachtspeicherheizungen der Häuser durch Infrarotheizungen zu ersetzen.

Aber warum erst jetzt? „Wir haben die Häuser ja erst am 1. Januar übernommen“, erklärt der Immobilien-Fachmann. „Und dafür sind wir schon relativ weit.“ Denn vieles sei unter dem Vorbesitzer aus Düsseldorf schief gelaufen – zum Beispiel die herumstehenden Autowracks, die nicht-vermieteten Garagen oder fehlende Mietverträge. „Und wir dürfen uns jetzt damit herumärgern“, sagt Schenkel mit einem Achselzucken.

Seine Prognose ist positiv: „Wir kriegen das in den Griff. Ziel ist es, hier am Beiese eine relativ normale Standard-Immobilie hinzubekommen.“

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