Fragen an die Kommunalpolitik

Was möchten Sie tun, um die medizinische Versorgung zu sichern?

Vorsorge: Jugendliche können ohne Eltern zur J1
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Vorsorge: Jugendliche können ohne Eltern zur J1

Sechs Fragen stellte das ST den an der Kommunalwahl teilnehmenden Parteien beziehungsweise der Wählergemeinschaft. Die dritte Frage befasste sich mit der Sicherung der medizinischen Versorgung in Plettenberg.

SPD: „Kassensitze müssen hier verbleiben“

Die Corona-Pandemie hat noch einmal unterstrichen, wie wichtig eine gute medizinische Infrastruktur ist. Nicht nur in Krisenzeiten müssen wir alles dafür tun, dass alle Menschen, aber insbesondere auch ältere Menschen, eine gute allgemein- und fachärztliche Versorgung vorfinden können.

Um die ärztliche Versorgung in unserer Stadt dauerhaft sicherzustellen, wird die Politik einen runden Tisch mit Praxisinhabern und Apothekern anbieten müssen. Hier wollen wir gemeinsame Lösungen für einen Generationenwechsel erarbeiten. Die vorhandenen Kassensitze müssen in Plettenberg verbleiben. Dabei dürfen wir die psychotherapeutischen Kassensitze nicht vergessen. Die Zusammenarbeit mit der kassenärztlichen Vereinigung muss ebenfalls intensiviert werden.

Wir stehen vor der Aufgabe, Initiativen zu ergreifen, um die weichen Standortfaktoren unserer Kommune so zu attraktivieren, dass Ärzte hier wohnen und arbeiten wollen. In letzter Konsequenz muss die Kommune selbst eine Einrichtung von Versorgungszentren vorantreiben.

Aber auch die Pflegeeinrichtungen benötigen Hilfe. Es ist zu überlegen, wie die Pflegeberatung unserer Stadt weiter unterstützt werden kann. Langfristiges Ziel ist es, allen Bürgerinnen und Bürgern ein längeres Leben in ihrem Zuhause zu ermöglichen, bevor sie in eine stationäre Pflegeeinrichtung ziehen müssen. Projekte, wie zum Beispiel „Mobil Sorglos – Neue Wege für Senioren“, werden von uns gefördert.

CDU: „Gründung eines kommunalen MVZ“

Eine gute und ausreichende medizinische Versorgung gehört zu den Grundpfeilern der Daseinsvorsorge. Neben einer schnellen Notfallversorgung, die das radprax-Krankenhaus in Zusammenarbeit mit unserer Feuerwehr für die Bürgerinnen und Bürger Tag und Nacht sicherstellt, gehört dazu auch eine hochqualifizierte haus- und fachärztliche Versorgung.

Auch wenn sich aktuell noch eine ausreichende Zahl von Ärztinnen und Ärzten um das gesundheitliche Wohl der Bürgerinnen und Bürger kümmern, so wissen wir doch, dass sich dies schnell ändern kann. So wird bereits zum Ende dieses Jahres eine Gemeinschaftspraxis in Ohle ihre Pforten schließen. Um auch in Zukunft eine gute medizinische Versorgung gewährleisten zu können, müssen wir auch in Plettenberg neue Wege beschreiten. Dies kann zum Beispiel durch die Gründung eines kommunalen MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) geschehen. Ob wir als Kommune diese wichtige Zukunftsaufgabe alleine lösen können oder ob hierzu die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarkommunen oder dem Märkischen Kreis notwendig ist, muss sich zeigen.

Wichtig ist hier auf jeden Fall, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, sei es die Kassenärztliche Vereinigung, den Kreis oder auch Vertreter aus der Plettenberger Ärzteschaft, denn wie in so vielen Fällen, so kann auch hier eine Lösung nur im Dialog gefunden werden.

FDP: „Plettenberg attraktiv machen für Ärzte“

Das Krankenhaus in Plettenberg war und ist ein wichtiger Baustein der medizinischen Versorgung in unserer Stadt. Nicht umsonst hat sich die FDP vor vielen Jahren erfolgreich gegen den Verkauf und die damit einhergehende Schließung gestemmt.

Gleichwohl stehen wir vor dem Problem einer alternden Ärzteschaft und bisher in weiten Teilen ungeklärten Nachfolgeregelungen. Zum Einen ist es schwierig, junge Ärzte nach Plettenberg zu locken, und zum Anderen scheuen junge Mediziner den Weg in die Selbstständigkeit. Diesem Problem wollen wir mit der Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) begegnen. Damit können wir einerseits die notwendigen Kassensitze in Plettenberg halten und andererseits den jungen Medizinern die Sorge des wirtschaftlichen Risikos nehmen.

Darüber hinaus könnte die Anstellung in einem MVZ den Ärzten den Weg in die spätere Selbstständigkeit ebnen. Anders als die Stadt Neuenrade sehen wir die Gründung eines MVZ als interkommunale Aufgabe. Daher müssen auch Gespräche mit umliegenden Kommunen geführt werden.

Es reicht jedoch nicht aus, den Fokus allein auf die junge Ärzteschaft zu legen. Auch für deren Partner muss Plettenberg attraktiv sein. Dazu gehören neben Kinderbetreuung, guten Schulen, einem ansprechenden Freizeitangebot auch interessante Arbeitsplätze und ansprechender Wohnraum.

Ein weiterer Baustein könnte sein, dass die Stadt Plettenberg den niederlassungswilligen Medizinern entsprechende Räumlichkeiten, auch zeitweise vergünstigt, zur Verfügung stellt.

PWG: „Gemeinsames Handeln von Ärzten und Politik“

Wir werden als PWG den Bürgermeister bei jeglichen Versuchen unterstützen, Ärzte nach Plettenberg zu bekommen, Arztsitze in Plettenberg zu halten und dazu dann die passenden Menschen, die diese Sitze dann ausfüllen.

In Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus und auch den Ärzten vor Ort sollten wir weiter überlegen, welche Rahmenbedingungen nötig sind, um Ärzte nach Plettenberg zu bekommen. Wir wissen als PWG, dass nur gemeinsames Handeln der Politik und der praktizierenden Ärzte, des Märkischen Kreises und der Kassenärztlichen Vereinigung hier eine kleine Chance bietet. Das Stichwort interkommunales Zusammenarbeiten ist hier auch sehr gefragt und nötig.

Wir werden als PWG alles tun, was uns möglich ist, um die ärztliche Versorgung sicherzustellen. Gemeinsames Handeln des Rates und des Bürgermeisters sind hier absolut notwendig. Dafür werden wir uns einsetzen.

Wir wissen aber auch, dass hier die höhere Politik gebraucht wird, um vor Ort eine Chance zu haben. Die gesetzlichen Vorgaben von Land und Bund müssen zu den örtlichen Bemühungen auch passen.

Grüne: „Neue Funktion für Förderverein des Krankenhauses“

Wie viele andere Städte im ländlichen Raum leidet Plettenberg unter einer zunehmenden Überalterung der zugelassenen Ärzte. Viele stehen kurz vor dem Ruhestand oder sind schon im Rentenalter. Nachfolger fehlen, viele Praxen schließen.

Bisher konnten wir keine Versuche und Ansätze bei Rat und Verwaltung feststellen, diesem Zustand entgegenzuwirken und Abhilfe zu schaffen. Das Werben mit der schönen Landschaft, guten Schulen, Kindergärten sowie Kunst und Kultur reichen nicht aus, um Ärzte nach Plettenberg zu locken. Dabei gibt es Netzwerke landes- und bundesweit, in denen junge Ärzte und Kommunen zusammenkommen können.

Die Übernahme oder der Neuaufbau einer Praxis ist mit hohen finanziellen Risiken verbunden. Ein von der Stadt gegründetes und gefördertes Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) könnte Ärzten die leidige Bürokratie abnehmen, Kosten und Kompetenzen bündeln und damit die ärztliche Versorgung in Plettenberg sichern. Vorteile brächte es auch, wenn das Radprax-Krankenhaus neben der Geriatrie eine Art Poliklinik eröffnen würde.

In diesem Zusammenhang regen wir an, dem Förderverein des Plettenberger Krankenhauses eine neue Funktion zu geben. Dieser Förderverein hat nach der Übernahme des ehemals städtischen Krankenhauses durch einen privaten Träger seine Gemeinnützigkeit verloren. Vielleicht könnte man diesen Verein umwandeln in einen „Verein zur Förderung des Gesundheitswesens in Plettenberg“ und die Spenden der Plettenberger für die Gesundheitsfürsorge verwenden.

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