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Mit 90 Jahren rasant unterwegs: Bekannter Architekt hat noch immer Benzin im Blut

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Von: Georg Dickopf

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Paul Schemann in dem gemeinsam mit Heinz Arens aufgebauten Formel-Vau-Rennwagen, mit dem er mit 83 Jahren noch ein Rennen bestritt und der bis zu 240 km/h fährt. Foto: Schemann
Paul Schemann in dem gemeinsam mit Heinz Arens aufgebauten Formel-Vau-Rennwagen, mit dem er mit 83 Jahren noch ein Rennen bestritt und der bis zu 240 km/h fährt. © Schemann

Wenn man sich einen 90-Jährigen vorstellt, denkt man an Pflegeheime, zittrige Finger, eine brüchige Stimme und an Rollatoren.

Plettennberg - Als ich mich mit dem Plettenberger Paul Schemann treffe, muss ich alle meine Vorurteile und Bilder im Kopf löschen. Alt werden kann offenbar richtig Spaß machen.

Doch um mit dem Plettenberger zu sprechen, muss ich zunächst in den vierten Stock. Dort wohnt der frühere Architekt gemeinsam mit seiner 79-jährigen Ehefrau Roswitha Schemann. Als sie die Tür öffnet, fällt das nächste Vorurteil, das ich hatte, wenn ich an fast 80-jährige Frauen dachte. Sehr modisch gekleidet und deutlich jünger aussehend öffnet sie die Tür und wir sprechen gemeinsam über Architektur, Motorsport und das Altwerden.

Die 79-jährige Roswitha Schemann mit dem nun 90-jährigen Paul Schemann nach einer Golfpartie.
Die 79-jährige Roswitha Schemann mit dem nun 90-jährigen Paul Schemann nach einer Golfpartie. © Schemann

Wenn man Paul Schemann sieht, der am 14. Feburar seinen 90. Geburtstag feiern konnte, glaubt man einen Mitt-Siebziger vor sich zu haben. Doch was ist das Geheimnis, um in diesem Alter noch so fit zu sein und auch noch so auszusehen?

Apfelsinen und Kiwis helfen, jung zu bleiben

„Wir essen jeden Mittag ein paar frische Apfelsinen und Kiwis“, sagt die Ehefrau des Geburtstagskindes. Der Plettenberger setzt sich zudem zweimal täglich für eine halbe Stunde auf einen Fahrradtrainer.

„Auf Alkohol verzichte ich seit zwei Jahren weitgehend. Ab und zu gibt es vielleicht mal ein Bier, aber das ist die Ausnahme“, sagt Paul Schemann, der sich gerne von Fisch und gedünstetem Gemüse ernährt, wenig Fleisch isst, aber ansonsten kein besonderes Erfolgsrezept hat.

Ach ja. Golf spielen zählt auch noch relativ regelmäßig zu seinem Programm. „Mein Handicap liegt bei 25 und das kann ich auch noch halten“, sagt Schemann.

Und noch etwas pflegt der Architekt seit dem Berufsleben: „In der Mittagspause gibt es ein gut halbstündiges Nickerchen. Das tut mir gut“, findet der Plettenberger.

In dem Rennwagen fühlte sich der Plettenberg wohl und bestritt zahlreiche Bergrennen.
In dem Rennwagen fühlte sich der Plettenberg wohl und bestritt zahlreiche Bergrennen. © Schemann

Bücher über Motorsport verfasst

Anschließend zeigt er Bilder seiner fast 50-jährigen Motorsportkarriere und drei selbst verfasste Bücher zum Thema Autos und Motorsport. „Mit 83 Jahren bin ich mein letztes Rennen in unserem selbst konstruierten Formel-Vau-Rennwagen gefahren“, sagt der Plettenberger, der den rot-weißen Rennwagen mittlerweile seinem Stiefsohn überlassen hat.

Basis des Boliden war ein Käfer-Motor mit 44 PS, der auf 134 PS hochgezüchtet wurde. Auf dem Flugplatz in Meinerzhagen habe er damit eine Geschwindigkeit von über 240 km/h erreicht.

Dass Paul Schemann auch heute noch leidenschaftlich gern und schnell Auto fährt, will ich selbst erleben und bitte ihn um eine Testfahrt.

Treppe statt Aufzug

Als ich den Aufzugknopf vor der Wohnung drücken will, sagt er: „Lassen Sie uns doch die Treppe nehmen...“

Und dann sitze ich neben einem fast 90-Jährigen in einem zehn Jahre alten BMW 650i mit Allrad, Achtzylinder-Motor und 408 PS und wir fahren zügig in Richtung Allendorfer Straße. „Schade, dass die Straße nass ist, sonst hätten wir schneller fahren können“, sagt Schemann, während er hoch konzentriert, schneller und sicherer als viele deutlich jüngere Fahrer die Serpentinenstrecke befährt.

„Ich schaue wie bei den Rennen früher vor allem auf den Bereich direkt vor dem Auto, denn da spielt die Musik“, sagt Schemann, der ein echter BMW-Fan ist, vom M1 träumt, aber mit den neuen Modellen aus München auch wegen der riesigen Niere nichts anfangen kann.

Ehefrau fährt exotischen BMW Z1

Der BMW 700 CS ist das erste Auto des Plettenberger Architekten.
Der BMW 700 CS ist das erste Auto des Plettenberger Architekten. © Schemann

Seinen ersten BMW 700 CS hat er auch heute noch und spendierte dem auf 50 PS getunten roten Renner gerade neue Sitzbezüge im Original-Design. Seine Frau Roswitha fährt mit dem BMW Z1 von 1990 einen echten Exoten. Der 171 PS starke Roadster hat versenkbare Türen, einen Sechszylinder-Motor und ist heute mehr wert als einst bei der Anschaffung.

Nun werden manche Spötter sagen, dass ein 90-Jähriger vielleicht besser seinen Führerschein abgeben sollte. Um zu belegen, wie fit der Plettenberger ist, testen wir sein Reaktionsvermögen im Simulator der Fahrschule Fellmer. Und dabei zeigt sich, dass der älteste Nutzer, der dieses Programm bisher dort testete, motorisch immer noch ein sehr gutes Reaktionsvermögen hat.

Ein 90-Jähriger mit Benzin im Blut, der einem die Angst vor dem Älterwerden nimmt.

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