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„Hier kann er mir nichts tun“: Zeugen im Missbrauchsprozess gehört

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Von: Thomas Krumm

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Im Missbrauchsprozess vor dem Landgericht Hagen sagten die Großeltern, bei denen die Vierjährige nun lebt, und ihr leiblicher Vater aus.
Im Missbrauchsprozess vor dem Landgericht Hagen sagten die Großeltern, bei denen die Vierjährige nun lebt, und ihr leiblicher Vater aus. © DPA

Nachrichten aus dem neuen Leben der in Plettenberg sexuell missbrauchten Vierjährigen gab es im Prozess gegen die Kindsmutter und ihren Ex-Partner. Die Großeltern und der leibliche Vater berichteten im Landgericht Hagen von der seelischen Erholung des Kindes und machten deutlich, dass in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt eine tragfähige Lösung für die Wahl des neuen Lebensmittelpunktes des Kindes gefunden wurde.

Plettenberg - „Ich bin bei euch sicher. Hier kann er mir nichts tun“, zitierte die Großmutter ihre Enkelin. Anfangs habe das Kind von Monstern und Spinnen geträumt, viel geweint und geschrien. In dieser Phase teilte die Großmutter ihr Schlafzimmer mit der Kleinen und wurde immer wieder „mit ihr wach“. Sporadisch habe sie auch von ihren bizarren Erfahrungen im Haushalt ihrer Mutter erzählt.

Mittlerweile habe sich die Situation beruhigt. Die Vierjährige sei „aufgeweckt, wissbegierig und schlau“: „Auch im Kindergarten sind sie sehr zufrieden.“ Die Großmutter fasste die Situation mit einer etwas überraschenden Aussage zusammen: „Allen Anderen geht es schlecht, ihr geht es gut.“ Als Grund für diese Situation gab sie das Wissen der Erwachsenen um das Geschehene an.

Der Großvater bestätigte diese Schilderung einer durchweg positiven Entwicklung. Seine Enkelin wisse inzwischen, dass ihr Stiefvater nun im Gefängnis wohne. Auch das trug offenbar zur Beruhigung bei. Dennoch blickte der Zeuge etwas düster in die Zukunft und warnte: „Kinder vergessen nichts.“

Zu einer beschützenden Lebenssituation trägt offenbar auch der leibliche Vater der Kleinen bei: „Die beiden brauchen sich einfach“, sagte seine Mutter zum Verhältnis der beiden: „Sie rechnet schon immer – dann kann ich wieder zu Papa.“ Der Zeuge berichtete, wie die Beziehung zur Kindsmutter immer mehr von Streitigkeiten überschattet wurde, wie die Ex-Partner nur noch nebeneinanderher lebten und wie sie sich veränderte, als sie den Angeklagten kennenlernte. Der Zeuge wusste auch, dass seine Ex-Partnerin eine sehr problematische Vergangenheit mit eigenen Missbrauchserfahrungen als Kind gehabt hatte.

Mutter bricht in Tränen aus

Seiner Tochter erklärte er, „dass Mama in Sicherheit ist“, und der Angeklagte „ihr nichts mehr tun kann“. Die Schilderungen ließen die 31-jährige Angeklagte immer wieder in Tränen ausbrechen.

Neben den sexuellen Übergriffen, von denen die Vierjährige auch ihrem Vater sporadisch berichtete, waren es offenbar Gewaltausbrüche des Angeklagten, die ihr große Angst machten: „Er hat rumgeschrien, rumrandaliert und eine Tür eingeschlagen.“

„Ein sehr netter Kerl“

Ein ganz anderes Bild vom Angeklagten zeichnete sein Arbeitgeber, der seinen Mitarbeiter mangels ausreichender Fachkräfte vermisste: „Er ist ein sehr netter Kerl gewesen, ein sehr zuverlässiger Mitarbeiter.“ Nach seiner Aussage bekräftigte der Zeuge seinen Eindruck des 38-Jährigen noch einmal: „Wir waren mit ihm als Mensch und Mitarbeiter sehr zufrieden.“ Der Angeklagte hob seinen Kopf im Laufe dieser Aussage ein wenig. Zumeist ist sein Gesicht tief vergraben in seinen Händen.

Der Fall

Der Angeklagte soll seine Lebensgefährtin dazu gedrängt haben, sexuelle Handlungen an ihrer damals vier Jahre alten Tochter vorzunehmen, diese zu filmen und ihm die Aufnahmen anschließend per Whatsapp zu senden. Dies soll die Angeklagte auch getan haben. Außerdem soll sie Praktiken mit Sexspielzeug an der Vierjährigen vorgenommen haben. Zudem soll der Angeklagte am Abend des 28. August 2021 auch selbst ein Video von der Tochter seiner Lebensgefährtin angefertigt haben, auf dem der Unterkörper der Vierjährigen nackt zu sehen sein soll. Darüber hinaus soll sich der Plettenberger anschließend persönlich an dem Kleinkind sexuell vergangen haben. Die Aufnahmen soll der Angeklagte anschließend seiner Lebensgefährtin, der Angeklagten, übersandt haben.

Der schwere sexuelle Missbrauch von Kindern in der hier angeklagten Variante wird grundsätzlich mit Freiheitsstrafe von nicht unter zwei Jahren bestraft.

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