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„Vielleicht zum letzten Mal“: Chor mit Nachwuchssorgen

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Von: Hartmut Damschen

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MGV Eiringhausen trat zum vielleicht letzten Mal in der Johanniskirche auf
Der MGV Eiringhausen war im Gottesdienst in der evangelischen Johanniskirche zu hören - vielleicht zum letzten Mal. © Hartmut Damschen

Viele Männergesangvereine haben Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden. Das betrifft auch den MGV Eiringhausen, der jetzt vielleicht zum letzten Mal in einem Gottesdienst in der Johanniskirche Eiringhausen sang.

Plettenberg – „O Herr, welch ein Morgen“ ertönte am Sonntagmorgen in der evangelischen Johanniskirche in Eiringhausen – und läutete einen Gottesdienst ein, der möglicherweise in dieser Form zum letzten Mal stattfand: Zu Gast war der Männergesangverein Eiringhausen 1872/99, der den Gottesdienst unter der Leitung von Pfarrer Uwe Brühl musikalisch untermalte. Allerdings: „Wir hören den Chor vielleicht hier zum letzten Mal“, bestätigte Brühl das, was viele schon länger befürchten. Denn auch für den Männergesangverein werde es immer schwieriger, neue Sänger zu bekommen.

Doch das, was die 17 Sänger unter der Leitung von FDC Herbert Wilberg den zahlreichen Kirchgängern boten, war aller Ehren wert. Es war keineswegs ein Abgesang im Hinblick auf ein Ende, sondern die Zuhörer bekamen das zu hören, was nur durch fleißiges Üben unter einer engagierten Leitung sowie der Freude am Gesang möglich wird. Da darf auch darüber hinweggesehen werden, dass durch den natürlichen Schwund an Sängern nicht alle Stimmen mehr ausgleichend besetzt werden konnten. Denn: Es war eine Freude, dem Chor in der größten Kirche Plettenbergs zuhören zu können.

Nicht nur den Liedern „Ehre sei Gott in der Höhe“, Sanctus von Franz Schubert, Tebje pojem (Deutsche Fassung) und das „Vater unser“ von Hanne Haller hörten die Besucher andächtig zu. Auch Pfarrer Brühl forderte ihre Aufmerksamkeit: In seiner Predigt widmete er sich dem Jakobusbrief, der – weil er zu den katholischen, allgemeinen Briefen gehören soll – von Luther bei der Übersetzung der Bibel „ziemlich stiefväterlich“ behandelt worden sei. Dabei stünden – bei näherer Betrachtung – eine Menge an Parallelen zur heutigen Zeit darin. Er trifft, wie Brühl sagte, wunde Punkte von Christen aller Zeiten. Zentraler Punkt sei dabei das Gebet. „Das Gebet ist nicht die Selbstbedienung für den Notfall, das Sündenbekenntnis ist nicht der Seelenstriptease vor anderen oder ein von oben verordnetes Selbstbezichtigungsritual. Es ist das Gespräch mit Gott“, erklärte der Pfarrer. „Zurzeit sind wir in einem Leben zwischen Hoffen und Bangen und sollten vor Gott für den anderen einstehen.“

Der Pfarrer verabschiedete die Gemeinde und den Chor mit seinem Segen, bevor der MGV Eiringhausen zum Abschluss die hörenswerten Lieder „Die Rose“ (Kunze/Mc Broom) sowie „Wenn Freunde auseinandergeh’n“ interpretierte – und dafür reichlich Applaus der Besucher bekam.

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