Statt Fleisch gibt es zum Jubiläum Wein

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Aenne und Otto Niebling hinter der Theke ihrer Metzgerei, die 1977 ihr 50-jähriges Bestehen feiern konnte. Zum Jubiläum wurde den Kunden diese Flasche Wein geschenkt.

Nicht etwa eine kostenlose Bockwurst oder ein Schnitzel wurden in der Metzgerei Niebling 1977 zum 50-jährigen Jubiläum an die Kunden verschenkt: Stattdessen gab es einen edlen Tropfen aus Rheinland-Pfalz, der jetzt auch im Heimathaus begutachtet werden kann.

Dabei dürfte es sich wohl um die letzte, noch erhaltene Weinflasche handeln, die die Metzgerei beim Weingut Walter Zenz in Auftrag gegeben hatte. Allerdings wurde der Rebensaft nicht – wie üblich – in 0,75 Liter-Flaschen abgefüllt – für die Kunden der Metzgerei gab es „nur“ den halben Liter.

Es handelt sich um einen sogenannten „Ediger Osterlämmchen Kabinett“, der sicher nicht zu den teuersten Weinen zählt, aber heute noch zwischen vier und fünf Euro (0,75 Liter) kostet. Auf dem Etikett am Flaschenhals ist noch der Spruch „Sorgenbrecher sind die Reben“ zu lesen. Es handelt sich um ein Zitat aus Goethes „West-östlicher Divan“.

Marlies Falter, letzte Besitzerin der einstigen Metzgerei an der Steinbrinkstraße, hat dieses besondere Jubiläumsgeschenk dem Heimatkreis vermacht. Falter hatte die Metzgerei nach dem Tod ihres Vaters Otto Niebling noch bis 1991 weitergeführt.

1927 hatte Niebling seine erste Metzgerei in Plettenberg eröffnet. Zunächst war ein Ladenlokal an der Neue Straße eröffnet worden, später kaufte Niebling die Metzgerei dem jüdischen Mitbürger Julius Lennhoff ab. Nach einer Zwischenstation am Grafweg, ließen sich die Nieblings im Jahr 1941 mit ihrer Metzgerei an der Steinbrinkstraße nieder. Dieses Ladenlokal sei alleine drei Mal umgebaut worden.

Das Weingut Walter Zenz aus dem rheinlandpfälzischen Ediger-Eller existiert noch heute. Bereits seit vier Generationen werden hier Brände und Liköre hergestellt. Das Anbaugebiet der Reben liegt an der Mosel, im Landkreis Cochem-Zell.

Der Weinbau in dem circa 1 086 Einwohner zählenden Örtchen erfordert noch heute viel körperlichen Einsatz. Denn der schwerpunktmäßig vertriebene Riesling wird im Steillagenweinbau angebaut: Zumindest die Traubenlese muss in den extremen Steillagen noch per Hand erfolgen.

Dieter Bornemann, zweiter Vorsitzender des Plettenberger Heimatkreises, glaubt zwar nicht, dass noch weitere Flaschen dieses Jubiläumsgeschenks bis heute erhalten geblieben sind – dennoch: Sollten Plettenberger in ihrem Weinregal oder im Keller noch eine solche Flasche entdecken, können sie gerne mit dem Plettenberger Heimatkreis oder der Redaktion des Süderländer Tageblatt in Kontakt treten.

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