Gastwirt Gerd Eweler will die historische Eiringhauser Gaststätte Plankemann aufgeben

„Meine Jukebox und ich leben seit 26 Jahren zusammen“

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Gastwirt Gerd Eweler aus Eiringhausen ist in Äggerin bekannt wie ein bunter Hund. Er will nun seine Gaststätte verkaufen, aus privaten und gesundheitlichen Gründen. Die Jukebox wird mit verkauft.

Plettenberg - Die typisch deutsche Eckkneipe stirbt aus, das weiß nicht nur Gastwirt Gerd Eweler aus Eiringhausen. „Es gibt doch sonst keine richtige Kneipe mehr in Plettenberg – es haben doch nach und nach alle dicht gemacht“, weiß der 69-Jährige, der eigentlich schon seit mehreren Jahren seine Kneipe aufgeben wird.

1968 stieg Gerd Eweler in der Gaststätte Plankemann ins Geschäft seiner Mutter mit ein. Im Oktober 1988 übernahm er sie offiziell mit neuer Konzession. Plankemann, so heißt die Gaststätte seit 1910 bis heute, war immer ein beliebter Treffpunkt für sämtliche Plettenberger – aus Vereinen oder den typischen Stammtischrunden. Durch immer strengere Auflagen und das Rauchverbot in vielen Bundesländern begann das flächendeckende „Kneipensterben“ und auch in Plettenberg wurde das Geschäft immer schwieriger – auch für Gerd Eweler.

 Er versucht eigentlich schon seit 2013 einen Nachfolger für seine Wirtschaft zu finden; bis heute ist jedoch kein geeigneter Interessent in Sicht. „Die heutige Zeit bringt einfach niemanden mehr hervor, der die Gastwirtschaft weiterführen könnte. Da hängt einfach viel zu viel dran“, weiß Eweler, dass das Kneipengeschäft in der heutigen Zeit einfach kaum noch Gewinn abwirft. Warum Eweler endgültig verkaufen möchte, hat vor allem gesundheitliche Gründet. „So langsam ist jetzt Schluss“, sagt Eweler. Dem diesjährigen Johannimarkt stehe aber nichts im Wege, das Geschäft wolle er selbstverständlich noch mitnehmen. 

Das dürfte für ein großes Aufatmen bei vielen Besuchern der beliebten Traditionsveranstaltung sorgen. Denn der Plankemann-Besuch nach dem „Il Silencio“ gehört für viele zum Pflichtprogramm dazu. Für das kommenden Jahr könne er allerdings nichts versprechen. „Ich lasse mich da mal überraschen. Sobald ich einen vernünftigen Interessenten für die Gaststätte habe, ist sie weg“, ist sich der 69-Jährige aber ziemlich sicher, dass er mit dem Verkauf keinen Rückzieher machen will. Für 85 000 Euro steht das Gebäude in Eiringhausen nun im Internet zum Verkauf, als Gaststätte mitsamt Fünf-Zimmer-Wohnung mit Balkon im Obergeschoss.

Die Zukunft der einst gar nicht aus dem Eiringhauser Ortsbild wegzudenkenden Gaststätte aus dem Jahr 1830 ist ungewiss. Was für immer bleiben wird, sind aber sicherlich die vielen Erinnerungen an eine Zeit, die Ewelers Leben grundlegend geprägt haben. In dieser Zeit hat er so manchen Gast aus nah und fern kennengelernt – und ihm als Wirt wurde auch die ein oder andere spannende Geschichte am Tresen erzählt, die sonst noch niemand kannte. Nicht nur vor der Theke hat sich einiges über die Jahre verändert. Wo sich früher überwiegend die Mitarbeiter umliegender Firmen an der Theke bei Plankemann trafen, sind es heute eher größere Gesellschaften, die einen gemütlichen Ort für ihr Beisammensein suchen. 

Und natürlich viele Feierfreunde verschiedenster Generationen, die besonders im Anschluss an Äggeriner Festivitäten den Weg zu Eweler suchen. Hinter dem Tresen wechselten die Biersorten so manches Mal: Germania Dortmund (um 1930), Ritter-Bier ab Kriegsende bis Anfang der 1950er, Kipper-Bier aus Remscheid, seit 1957 Krombacher (damals gab es neue Stühle und einen Kunststoff-Fußboden), 1968 Kronen-Export, dann Gaffel, ab 1980 bis 2007 Gatzweiler Alt, ab 2007 Potts zusammen mit Krombacher. Im Inneren hat sich nicht viel getan. Wer schon des öfteren die Gastwirtschaft Plankemann besucht hat, kennt nicht nur den Gastwirt, sondern auch seine Jukebox, die fest mit zum Inventar dazugehört. „Wir leben mittlerweile seit 26 Jahren zusammen. Mit dem Haus trenne ich mich auch von meiner geliebten Box“, erklärt Eweler. 

Auch wenn es ihm leid tut, will er dieses alte Schätzchen nicht mehr verpflanzen. Eweler möchte einen richtigen Schluss ziehen. Was danach kommt? „Keine Ahnung. Da lasse ich mich auch überraschen. Es gibt Dinge, die will ich einfach nicht wissen“, so der 69-Jährige und er ergänzt: „Ich will jetzt gerade genau so wenig wissen, was meine Frau am Sonntag zu Essen macht. Da lasse ich mich überraschen“, verrät der Wirt, der jetzt erst einmal auf seine vielleicht letzte Johannimarkt-Saison blickt.

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