1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Plettenberg

Mehr Güter auf die Schiene wegen A45-Sperrung? Das sagt ein Experte

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Georg Dickopf

Kommentare

Die MEG sorgt in Plettenberg dafür, dass sich der Lkw-Verkehr auf den Straßen reduziert.
Die MEG sorgt in Plettenberg dafür, dass sich der Lkw-Verkehr auf den Straßen reduziert. © Paul Zimmer

Derzeit ächzt die Region unter dem Stau rund um Lüdenscheid, der nach der A45-Vollsperrung Betriebe und Mitarbeiter vor große Herausforderungen stellt. Georg Dickopf sprach mit Mike Böhme, dem örtlichen Betriebsleiter der Märkischen Einsenbahngesellschaft (MEG) in Plettenberg, über alternative Transportmöglichkeiten über die Schiene.

Das ganze Sauerland versinkt im Verkehrschaos. Kann jetzt die MEG die Welt mit dem Güterverkehr retten?

Schön wär’s.

Hätten Sie denn Möglichkeiten, Waren über die Schiene zu transportieren, wenn die wieder durchgängig befahrbar ist?

Selbst wenn die Strecke befahrbar ist, sind wir im Moment auf Volllast und haben auch ohne die A 45 schon einen riesigen Zulauf und sind an der Lastgrenze.

Eigentlich schade, jetzt könnte die Bahn es rocken, hat aber keine Kapazitäten...

Das stimmt, aber dazu muss man auch wissen, dass die Infrastruktur in den letzten 20 Jahren vernachlässigt und abgebaut wurde.

Aber heißt es nicht immer, es soll mehr Verkehr auf die Schiene?

Um das Jahr 2000 herum hat die Bahn viele Grundstücke und Anschlussstücke verkauft und viele Gleise stillgelegt. Das ist nicht auf einen Schlag umkehrbar. Die Bahn selbst hat ein Verladecenter in Hagen. Aber Material für das Sauerland muss dort auch per Lkw auf die Straße.

Wenn Sie mehr Leute, Gleise und Lagerflächen hätten, könnten Sie auch mehr direkt über die Schiene und an der Autobahn vorbei ins Sauerland bringen?

Ja, so in etwa. Wir haben uns auch schon umgesehen nach Lagerhallen. Aber ein Teil des Geschäftes ist es, die Waren von der Schiene direkt auf den Lkw zum Kunden zu bringen. Es erst außerhalb einzulagern und von dort per Lkw wieder zu verteilen, ist umwelttechnisch kein großer Wurf, aber wir können damit sicher ein paar mehr Kunden mit Stahl versorgen, der über die Schienen geliefert wurde.

Wie sieht es mit Lagermöglichkeiten aus?

Lagerflächen zu bekommen ist seit zwei Wochen auch sehr schwer geworden, denn fast alle Betriebe suchen jetzt händeringend nach weiteren Flächen, weil die A45-Sperrung den Materialfluss weiter hemmt und zum Jahresbeginn auch noch eine Preissteigerung bei den Stahlwerken kommt.

Sorgt der Umweltgedanke eigentlich bei Ihnen für Mehraufträge?

Auf jeden Fall, denn wir sind auch ohne die A45-Auswirkungen voll ausgelastet. Ein Grund ist sicher die CO2-Steuer, die jetzt auf die Betriebe zuläuft. Dadurch hat sich einiges getan.

Also versuchen jetzt die Betriebe, ihre CO2-Bilanz über den Schienentransport aufzubessern?

Ja, denn es muss nachgewiesen werden, wie das Material angeliefert und verarbeitet wird. Beim Materialeingang hat dadurch ein Umdenken eingesetzt. Die Betriebe, die bisher schon mit uns zusammenarbeiten, haben ihr Volumen bei uns deutlich gesteigert und deutlich mehr über die Schiene anliefern lassen

Mit wie vielen Betrieben in Plettenberg arbeiten Sie zusammen?

Das sind acht Betriebe.

Aber im Moment könnten Sie auch die doppelte Anzahl annehmen, wenn Sie den Platz hätten?

Genau das ist das Problem. Wir haben uns schon das Nachbargrundstück gesichert. Das wird mittelfristig abgerissen. und die Grünflächen davor werden wir kurzfristig nutzen.

Was ist dort noch geplant?

Ziel ist es, dort eine neue Umschlaghalle mit 4 000 Quadratmeter Fläche zu bauen.

Die MEG gehört zur MVG und Sie befinden sich gegenüber vom Einkaufszentrum Bredde unter der Hochbrücke. Was genau macht die MEG dort?

Wir sind Dienstleister zwischen der Schiene und dem jeweiligen Industriebetrieb. Der Kunde bestellt das Material über die Schiene. Wir lagern es ein und liefern es dann wie im Warenhaus mit unseren drei eigenen Lkw je nach Wunsch und individueller Menge an die Kunden aus. Das ist eines unserer Geschäftsmodelle. Das hier angelieferte Material kommt aus ganz Europa und wird per Bahn aus Frankreich, Italien, Tschechien und Schweden angeliefert. Was hier bearbeitet wird, ist ein sogenannter bunter Zug, den wir komplett auseinanderpicken. Wir fahren die Waggons über unsere Nebengleise ins Betriebszentrum und sorgen dort für die weitere direkte Verteilung.

Wie viele Lkw ersetzt ein Güterwaggon und was wiegt er?

Das sind 60 bis 90 Tonnen. Im Schnitt knapp 65 Tonnen, Ein Lkw schafft 25 Tonnen, das sind also drei Ladungen.

Wie lange ist der Schwedenstahl auf dem Weg?

Der Zug ist fast drei Tage unterwegs und kommt aus Smedjebacken in Mittelschweden. Durch die bis zum Jahresende verschobene Freigabe der Ruhr-Sieg-Strecke muss der Güterzug derzeit einen Umweg von Hamm und Hagen über Köln und Siegen nehmen, um nach Plettenberg zu kommen.

Wie groß ist der Umweg?

Das sind rund 200 Kilometer, aber wenn die Trasse in Werdohl wieder auf ist, geht es schneller. Nun soll die Strecke ja erst zum 31. Dezember aufgemacht werden. Erst war vom 12. Dezember die Rede. Warten wir mal ab...

Auch interessant

Kommentare