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„Schon jetzt zu wenig Hausärzte“: Wie ein Projekt des Kreises das ändern möchte

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Von: Christos Christogeros

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Johannes Weiberg (2. von rechts) zeigte sich begeistert von seinem Praktikum im Hausarztzentrum am Grafweg. Betreut wurde er dabei von Dr. Sebastian Vieregge, Lisa-Marie Voit und Anja Lang (von links).
Johannes Weiberg (2. von rechts) zeigte sich begeistert von seinem Praktikum im Hausarztzentrum am Grafweg. Betreut wurde er dabei von Dr. Sebastian Vieregge, Lisa-Marie Voit und Anja Lang (von links). © Märkischer Kreis

Praxiserfahrung auf dem Land: Johannes Weiberg, Medizinstudent und Teilnehmer des Localhero-Projekts der Uni Witten/Herdecke und des Kreises, schaute jetzt Dr. Sebastian Vieregge im Hausarztzentrum (Haz) am Grafweg über die Schulter. Unterschiede zur Praxis in der Großstadt hat der Medizinstudent schnell ausgemacht: „Es ist sehr familiär“.

Mit dem Localhero-Projekt möchte der Kreis herausfinden, wie Ärzte aufs Land gelockt werden können. Dazu werden angehende Mediziner angefragt, einige Zeit in Praxen auf dem Land zu verbringen, um anschließend über ihre Erfahrungen und Wünsche zu berichten. Diese Famulatur – ein Praktikum für Medizinstudenten – hat auch Weiberg begeistert. „Als kurzfristig ein Famulatur-Platz freigeworden ist, habe ich mich sofort beworben und den Zuschlag bekommen“, erklärt Weiberg.

Seine Entscheidung bedauere der Medizinstudent nicht – trotz oder gerade wegen der Unterschiede zu Arztpraxen in der Großstadt. Für das Plettenberger Haz ist Weiberg voll des Lobes: „Hier herrscht eine lustige Atmosphäre. Der Arzt wird von vielen Patienten geduzt. Klar kennt der Hausarzt in der Stadt auch die Krankenakte seines Patienten, bleibt aber weitgehend distanziert. Hier weiß der Arzt offenbar alles, kennt sämtliche Familien- und Verwandtschaftsverhältnisse“.

„Kein Wunder“, meint Praxismanagerin Anja Lang, „schließlich ist Dr. Sebastian Vieregge in die Fußstapfen seines Vaters getreten und in Plettenberg bekannt wie ein bunter Hund.“

Der Student durfte Dr. Vieregge bei der Behandlung der Patienten nicht nur über die Schulter schauen. Nach Einverständnis des Betroffenen und unter Anleitung des Arztes konnte er auch selbst Hand anlegen und einzelne Diagnose- und Behandlungsschritte nachvollziehen. Der Hausarzt bezog den Medizinstudenten im dritten Semester bei den Patientengesprächen mit ein und wie in einem Quiz fragte er, auf welche Erkrankungen die Symptome schließen lassen und welche Therapie der Student vorschlage. Eine bessere Eins-zu-eins-Betreuung habe sich Weiberg nicht wünschen können.

Von dem täglichen Patientenansturm in der Praxis sei Weiberg erstaunt. Er zolle den Ärzten Respekt, für die ein Zwölf-Stunden-Arbeitstag normal ist. „Die Ärzte arbeiten am Limit“, bestätigt auch Praxismanagerin Anja Lang. Zum Praxisalltag kämen noch stundenweise Notdienste am Abend oder am Wochenende entweder als Notfallsprechstunde im Krankenhaus oder als Rufbereitschaft für Hausbesuche.

Weiberg wolle Mediziner aus Überzeugung werden: „Ich habe mich für den Beruf entschieden, weil ich den Kontakt zu Menschen suche und Menschen helfen möchte“, sagt er. Im Vorfeld habe er daher schon mehrere Praktika gemacht und sein Freiwilliges Soziales Jahr in der Pflege absolviert. „Das war die Zerreißprobe. Danach stand mein Entschluss fest“, reflektiert er im Nachhinein.

Ganz bewusst habe sich der Freiburger auch für die vergleichsweise kleine Privatuni Witten/Herdecke ausgewählt. Er schätze die persönliche Atmosphäre im Studium. Noch wisse der junge Medizinstudent nicht, in welche Facharztrichtung er sich später nach seinem praktischen Jahr spezialisieren will. Aufgrund der stressigen Arbeitsbedingungen und des Schichtdienstes im Krankenhausbetrieb sehe er langfristig durchaus die Vorteile in einer Niederlassung mit eigener Praxis.

Auf seine zweite Famulatur im nächsten Jahr freue sich der angehende Mediziner schon jetzt. „Es ist schön, dass das Projekt langfristig angelegt ist und die Kontakte vertieft werden können“, sagt Weiberg.

Er sei überrascht, aber auch sehr dankbar dafür, dass er beim Localhero-Projekt bereits im dritten Semester so wertschätzend behandelt und umworben worden sei. Auch das Begleitprogramm des Kreises unter anderem mit Besuch der Burg Altena und der Phänomenta, der Vorstellung des Projekts Mobil Sorglos und Stand-Up-Paddling an der Oestertalsperre, habe ihm sehr gefallen.

Die Famulatur haben Torsten Sauer und Katharina Müller von der Gesundheits- und Pflegeplanung des Märkischen Kreises vermittelt. „Als der Kreis unser Hausarztzentrum in Plettenberg angefragt hat, haben wir ohne Zögern ja gesagt. Für uns ist die nachhaltige Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum enorm wichtig. Schon jetzt gibt es kreisweit zu wenig Hausärzte“, meint Lisa-Marie Voit, Juristin der geschäftsführenden Prange Gesundheits GmbH. Sie halte das Local-Projekt für einen sinnvollen Ansatz, frühzeitig junge Medizinstudenten für den Hausarztberuf zu interessieren.

Beim Haz handele es sich aus Sicht der Gesundheits- und Pflegeplanung des Kreises um ein interessantes Modell: Auf Initiative von Dr. Sebastian Vieregge hatten sich mehrere Hausarztpraxen in Plettenberg unter einem Dach zusammengetan. Dr. Vieregge gründete kreisweit das erste medizinische Versorgungszentrum und holte sich zur kaufmännischen Unterstützung die Prange Gesundheits GmbH ins Boot.

Während die Prange Gesundheits GmbH sich um alle Geschäfts-, Rechts- und Verwaltungsfragen der Praxisgemeinschaft kümmert, arbeiten die Ärzte jetzt als Angestellte und können sich ganz auf ihren Heilberuf konzentrieren. Auch die Kosten und das damit verbundene Risiko für die technische Ausstattung muss jetzt nicht mehr jeder einzelne Arzt tragen, sondern wird vom Medizinischen Versorgungszentrum übernommen.

Ein weiterer Vorteil: Die Arbeitszeiten der Ärzte können flexibel gestaltet werden und die gegenseitige Vertretung ist gesichert.

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