Stimmungsbarometer der Volksbank: Mittelständler klagen kaum über Steuerbelastung

Mangel an Fachkräften bereitet große Sorgen

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Von Jahr zu Jahr zu Jahr erklären immer mehr heimische Mittelständler, dass das größte Problem der Fachkräftemangel sei. 

Plettenberg - Die Alarmglocken schrillen immer lauter: Rund 60 Prozent der von der Volksbank befragten Mittelständler im märkischen Südkreis sehen den Mangel an Facharbeitern als das mit Abstand größte Problem für ihre Zukunft an.

Dabei ist diese Nachricht nicht neu – der Mangel wird nur immer akuter. Das bestätigt jetzt auch die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer (SIHK). „Bald werden die geburtenstarken Jahrgänge das Rentenalter erreichen und dann wird es für die Unternehmen nur noch schwer möglich sein, junge Fachkräfte in ausreichender Zahl zu finden“, erklärt Andreas Lux, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der SIHK.

Dies gelte für Südwestfalen mit seiner starken Industriestruktur in besonderem Maße. Schon heute würde über alle Berufsfelder hinweg gesehen ein zusätzlicher Bedarf an Fachkräften bestehen. Die Ergebnisse der Volksbank-Umfrage bestätigen diese Einschätzung: Der Mangel an Facharbeitern wurde bereits im vergangenen Jahr von 47 Prozent der befragten Mittelständler als das größte Problem für die Unternehmen geschildert. 

Für die Zukunft erwarten sogar 65 Prozent der Befragten einen entsprechenden Mangel. Darüber hinaus empfinden die heimischen Unternehmen die Bürokratie weiter als Belastung, auch wenn sie im vergangenen Jahr zu 52 Prozent und nun nur noch zu 45 Prozent dies als drängendes Problem angeben. Deutlich schwerer als im Vorjahr wiegt die Belastung des Mittelstandes durch Rohstoff- und Materialkosten: Waren es 2016 noch 23 Prozent, so sind es heute 44 Prozent der Befragten, die dies als ein wichtiges Problemfeld bezeichnen. 

Allgemein befand sich die Stimmung der mittelständischen Unternehmen auf einem sehr hohen Niveau. Dazu dürften auf die geringen Steuerbelastungen der Unternehmen beitragen, die kaum als Problemfeld von den Befragten genannt wurden. Dennoch wird nicht alles als ‘rosig’ empfunden: Während vor einem Jahr die Mehrheit der befragten Unternehmen noch von weitgehend unveränderten Kosten berichtet hatte, hat sich das Bild in diesem Jahr deutlich verändert: 58 Prozent der Befragten mussten eine Kostensteigerung hinnehmen. 

Besonders betroffen davon war das Baugewerbe. Die höhere Kostenbelastung spiegelt sich zum Teil auch bei den Absatzpreisen wieder: Mit 24 Prozent wollen mehr Unternehmen ihre Preise anheben als dies noch vor einem Jahr der Fall war (13 Prozent). 67 Prozent der befragten Mittelständler gehen mit unveränderten Preisplanungen in die kommenden Monate. 

Internet setzt dem Einzelhandel zu 

Ein Indikator für die gute Lage bei den heimischen Mittelständlern ist auch deren Personalpolitik. Der Umfrage der Volksbank zur Folge ist das Beschäftigungswachstum weiterhin hoch geblieben. Mit 35 Prozent stockte ein ungewöhnlich großer Anteil der Unternehmen die Zahl der Beschäftigten auf – sieben Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Von neun auf 16 Prozent stieg allerdings im gleichen Zeitraum der Anteil der Unternehmen, die ihre Personaldecke kürzten. 

Die allgemein sehr gute Stimmung der heimischen Mittelständler betrifft alle Branchen – lediglich im Handel ist die Euphorie verhaltener. Hier verzeichnet das Stimmungsbarometer für das vergangene Jahr einen Einbruch. Grund sei vor allem der stetig wachsende Internethandel, der den Einzelhändlern schwer zu schaffen mache.

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