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Manche fürchten „Umweltkatastrophe“: Zahllose Corona-Masken am Lenneufer

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Von: Christos Christogeros

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Einkaufswagen in der Lenne: Ein wiederkehrendes Problem, melden die Bremcker Angelsportfreunde.
Einkaufswagen in der Lenne: Ein wiederkehrendes Problem, melden die Bremcker Angelsportfreunde. © Schulte

Die Corona-Pandemie hat für ein gesteigertes Müll-Aufkommen gesorgt. Dies liegt nicht nur am vermehrten Online-Einkauf mit den daraus resultierenden, steigenden Verpackungsmengen. Überall sieht man auch achtlos weggeworfene Corona-Masken – und die sind für die Umwelt ein echtes Problem. Zahllose FFP2- und OP-Masken mussten jetzt auch die Angelsportfreunde Bremcke (ASF) im Uferbereich der Lenne einsammeln.

Plettenberg - Rund 25 Mitglieder des Vereins hatten sich am Wochenende versammelt, um die Lenne von allerlei Unrat zu befreien. Dabei treffen die freiwilligen Helfer in jedem Jahr auf bereits Gewohntes. Doch die große Zahl an achtlos weggeworfenen Corona-Schutzmasken überraschten auch die erfahrenen Lennereiniger.

Experten befürchten Umweltkatastrophe

„Es ist nicht möglich, alles aufzuzählen was gefunden wurde. Aber die üblichen Autoreifen, Radkappen, Schnaps- und Bierflaschen, Gartenstühle, Damenbinden, Kondome und mehr waren wieder dabei. Besonders auffällig waren die vielen Coronaschutz-Masken, die einfach gedankenlos weggeschmissen wurden“, erklärt Thomas Schulte vom ASF Bremcke.

Und das ist ein echtes Problem, wie unter anderem die Universität Portsmouth erklärt. Hier befürchtet man gar eine Umweltkatastrophe, sollte die Entsorgung der gebrauchten Schutzmasken nicht in geordnete Bahnen gelenkt werden. Die meisten Masken seien aus langlebigem Plastik produziert und könnten sich in der Umwelt Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte halten. So könne Mikroplastik in Erde oder Wasser gelangen und Tiere könnten sich an den Masken verschlucken oder in Schlaufen verfangen. Gerade in einem Ökosystem wie dem Lenne-Bereich sind die Folgen für die Natur verheerend.

Und die Mengen, die anfallen, sind gewaltig: Neueste Schätzungen gehen davon aus, dass jeden Monat die Menschen weltweit rund 129 Milliarden Masken verbrauchen. Das sind gut drei Millionen Masken pro Minute. Und sie alle werden weggeworfen.

Und diese achtlos weggeschmissenen Masken gesellen sich zu dem Müll, den unachtsame Zeitgenossen bereits seit Jahren und Jahrzehnten einfach achtlos in der Natur entsorgen.

Einkaufswagen in der Lenne kein Einzelfall

In diesem Jahr war das Müllaufkommen noch größer, waren die Reinigungsaktionen in den Jahren 2020 und 2021 coronabedingt ausgefallen.

„Traurig ist, dass wir immer häufiger Einkaufswagen und schwere Getränkewagen im oder am Flussbett finden. Offensichtlich gibt es einige Bewohner in Plettenberg, die ihren Einkauf im Einkaufswagen bis zum Eschen schieben und danach diesen Wagen ,heldenhaft‘ in der Lenne versenken“, erklärt Schulte. Hierbei handele es sich nicht um einen Einzelfall, sondern eher um ein monatlich wiederkehrendes Problem. „Vielleicht weiß ein Leser mehr darüber, und kann sagen, wer die Verursacher dieser Umweltsauerei sind“, hofft Schulte auf Mithilfe aus der Bevölkerung.

Die üblichen Autoreifen, Radkappen, Schnaps- und Bierflaschen, Gartenstühle, Damenbinden, Kondome und mehr waren wieder dabei.

Thomas Schulte, ASF Bremcke zur „Ausbeute“ aus der Lennereinigung

Erfreuliches gebe es aber auch zu berichten. „Der Stadt muss man eindeutig einen Lob aussprechen. Der Baubetriebshof, sprich unsere ,Stadtsoldaten‘, reinigen inzwischen regelmäßig und intensiv die Lennepromenade, so dass sich die in diesem Bereich gefundenen Müllmengen in Grenzen halten“, erklärt Schulte.

Seit etwa 40 Jahren führt der ASF Bremcke die Lennereinigung durch. „Geholfen wurde uns von den Plettenberger Kanuten, mit denen die Angelsportfreunde nun schon seit Jahren hervorragend zusammenarbeiten.“

Auch Forelle Eiringhausen reinigt Lenneufer

Am Wochenende waren auch die Mitglieder des Angerlclubs Forelle Eiringhausen aktiv: Sie befreiten die Lenne beidseitig im Bereich zwischen Silbacheinlauf (Höhe Aquamagis) und der Brücke in Elhausen. In zwei Arbeitseinsätzen – am Morgen und am Abend – konnten 30 Petrijünger die Lenne von Unrat und Müll befreien. „In diesem Jahr musste besonders viel schwerer Müll beseitigt werden, vermutlich durch die Hochwasserereignisse im letzten Jahr“, sagt Jörg Müller, erster Vorsitzender des AC Forelle. Darunter waren große Drahtzaunhaufen, Metallzaunelemente, große Eisenrohre und sehr viel Plastikmüll. „Wir reinigen die Lenne mindestens ein Mal pro Jahr, dabei findet das Hauptreinigen immer im Frühjahr statt, um die kurz darauf startende Vogelbrutsaison nicht zu stören“, erklärt Müller.

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