Interview nach dem Neustart

„Man wird teilweise angefeindet“ - Das sagt der Administrator der Plettenberger Facebook-Gruppe

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Die Plettenberger Facebook-Gruppe hat jetzt Administratoren, die Störenfriede umgehend aus der Gruppe entfernen wollen.

Plettenberg - Die Facebook-Gruppe „Du bist Plettenberger wenn...“ fiel in der Vergangenheit vor allem mit rechter Hetze und persönlichen Beleidigungen auf. Damit soll jetzt Schluss sein.

Niemand konnte eingreifen oder jemanden stoppen, der über das Ziel hinaus schoss. Seit Kurzem hat sich das geändert. Es gibt sieben Administratoren (Verwalter) und zwei Moderatoren, die dafür sorgen wollen, dass niemand Unruhe stiftet.

Obwohl diese Änderung von vielen Gruppen-Mitgliedern zuvor gewünscht war, sorgte sie trotzdem in den letzten Tagen für Debatten im Netzwerk. Denn einige schienen mit dem Handeln der Administratoren nicht zufrieden zu sein. Was es bedeutet, Administrator zu sein, und welche Aufgaben sie haben, erklärt Detlev Lübke im Interview mit Redakteurin Marie Veelen.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie und die anderen sechs Personen Administratoren wurden?

Lübke: Es war Zufall. Facebook hat mir mit dem Button „Admin werden“ vorgeschlagen, diese Rolle in der Gruppe zu übernehmen. Für den Anfang war es viel für eine Person allein, und mir war klar, am Anfang wird es einen Aufstand von einigen Gruppenmitgliedern geben – so ist es ja auch gekommen. Daher habe ich mir einige Personen aus der Gruppe zur Unterstützung gesucht und gefragt, ob sie Lust haben, ebenfalls Administrator zu werden. Die Personen, die ich ausgesucht habe (Mohamed Lamgardi, Stefan Aschauer-Hundt, Michael Schöttler, Dörte Kaul-Hentschel, Antje Krysik und Nina Heinemann sowie die Moderatoren Stefanie Karaschubsy und Stefanie Em), kannte ich über das Internet, über Facebook. Ich wusste, dass sie in der Gruppe aktiv sind und wie sie ticken. Wir sind auch nicht immer alle einer Meinung und haben verschiedene Sichtweisen. Gemeinsam haben wir jedoch alle, dass wir gegen rechte Hetze sind.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit der Administratoren?

Lübke: Wir können nicht 24 Stunden vor der Kiste hocken. Daher informieren wir uns untereinander in einem privaten Forum, was gemacht wurde beziehungsweise diskutieren darüber, wie wir als Admin handeln sollen. In einem Protokoll, das nur für uns sichtbar ist, können wir sehen, was einer der anderen in der Gruppe gemacht hat. Wir versuchen, objektiv zu sein in unserem Handeln. Es werden mit Sicherheit noch Fehler gemacht, aber es wird sich mit der Zeit alles einspielen. Bald wollen wir uns bei Stefan Aschauer-Hundt zusammensetzen und uns auch persönlich kennenlernen. Außerdem haben wir Dörte Kaul-Hentschel zur Sprecherin der Administratoren ernannt, da sie viele kennen.

Sie entscheiden in dieser Rolle unter anderem, wer der Gruppe beitreten kann, sie verlassen muss oder auch was für Inhalte gelöscht werden sollten. Was sind dabei die Maßstäbe?

Lübke: Es ist egal, wo jemand herkommt, wer sich nicht benehmen kann, bei dem haben wir nun die Möglichkeit, ihn aus der Gruppe zu entfernen oder in einem bestimmten Fall einzuschreiten, zum Beispiel wenn jemand gegen das Gesetz verstößt, pöbelt, andere beleidigt, jemand persönlich angegangen wird – eben Unruhe stiftet.

Warum tut man sich so eine Aufgabe an und dann auch noch rein ehrenamtlich?

Lübke:Es ist viel Stress, man muss alle Posts durchlesen, und teilweise wird man sehr von Mitgliedern angefeindet. Auf der anderen Seite macht die Aufgabe aber auch Spaß, man lernt viele Leute kennen. Wir hoffen, dass es wieder eine normale Gruppe wird und um Themen geht, die Plettenberger interessieren – auch wenn das Thema mal nicht in Plettenberg spielt.

Das sagt die Stadt zu den Admins: 

Vor über einem Jahr hatte Bürgermeister Ulrich Schulte einen Brief an das soziale Netzwerk Facebook geschrieben, mit der Bitte, entweder der Gruppe „Du bist Plettenberger wenn...“ einen Administrator zu geben oder diese Gruppe zu löschen. Grund dafür war, dass es in der Gruppe häufig drunter und drüber ging. Auf den Brief hatte der Bürgermeister allerdings keine Antwort erhalten. Seit einigen Tagen gibt es in dieser Facebook-Gruppe jedoch einen Administrator. Matthias Steinhoff, Mitarbeiter der Stadt Plettenberg, erklärt: „Wir als Stadt sind interessiert daran, dass die Gruppe erhalten bleibt, aber sachlich diskutiert wird und, dass es keine Hetzkampagnen gibt oder Administratoren angegriffen werden.“

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