Anwohner genervt von Raserei

Wenn die Maibaumstraße mal wieder zur Abkürzung für die Herscheider Straße wird

Anwohner der Maibaumstraße schildern SPD-Ratsfrau Martina Reinhold (2.von links) die Situation vor Ort.
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Anwohner der Maibaumstraße schildern SPD-Ratsfrau Martina Reinhold (2.von links) die Situation vor Ort.

Die Anwohner der Maibaumstraße haben genug vom ständigen Lärm und der Raserei der Autofahrer, die ihre Straße als Abkürzung benutzen. Besonders schlimm ist die Verkehrsbelastung beim Wechsel zwischen Früh- und Spätschicht.

Plettenberg - „Wenn um 14 Uhr Schichtwechsel in den Betrieben ist, geht es um 14.10 Uhr hier bei uns los“, sagte Anwohnerin Patricia Rötz bei einem Treffen mit weiteren betroffenen Anwohnern vor Ort. „Da kann man die Uhr nach stellen.“ Das Industriegebiet Köbbinghausen wachse und wachse, und alle Fahrzeuge müssten durch das Nadelöhr Herscheider Straße in Richtung Innenstadt.

Viele Autofahrer nutzen Maibaumstraße als Abkürzung

Da sich zur Stoßzeit der Verkehr auf der Herscheider Straße staut, suchen eben viele eine Alternative und nutzen die parallel verlaufende Maibaumstraße als Abkürzung. „Wir haben hier eine gefühlte Elsetalentlastungsstraße“, sagt Patricia Rötz.

Bedingt dadurch, dass der Ortstermin an einem Freitag in den Herbstferien stattfand, war das Verkehrsaufkommen etwas geringer, doch Videos der Anwohner zeigen, dass an normalen Wochentagen zur besagten Stoßzeit kurz nach Schichtwechsel zahlreiche Autos durch die kleine Straße fahren.

97 Fahrzeuge in einer Stunde habe ein Nachbar zu diesen Spitzenzeiten schon gezählt, berichtet Rötz. Für die Maibaumstraße ist das eine Menge. Dass sich gegenüber dem Stop-And-Go auf der Herscheider Straße viel Zeit herausholen lässt, bezweifeln die Anwohner. „Wenn ich da zehn Sekunden heraushole, ist das schon viel“, meint Thorsten Blumenauer. Den Abkürzern gehe es aber eben um das Gefühl, im Verkehr voranzukommen, und das haben sie eben, wenn sie die Maibaumstraße als Schleichweg benutzen.

Wobei von Schleichen eigentlich keine Rede sein kann, denn in der Maibaumstraße wird wesentlich schneller gefahren als erlaubt. „Was uns so aufstößt, ist die Geschwindigkeit“, sagt Rötz. „Das ist eine 30er-Zone, hier wohnen auch junge Familien mit Kindern.“

Dass diese Straße eigentlich nicht für den Durchgangsverkehr gedacht ist, sollte eigentlich offensichtlich sein: Zum Teil verwitterten Markierungen auf dem Asphalt und Verkehrsschilder weisen auf Tempo 30 hin, auch Schulweg-Verkehrszeichen machen deutlich, dass hier langsam und vorsichtig gefahren werden sollte. Hinzu kommt, dass die Straße an manchen Stellen, auch schon ohne parkende Autos relativ schmal ist.

Viele Autofahrer sähen aber nur, dass stadteinwärts auf der rechten Seite keine Autos parkten – sie also freie Bahn zum Rasen hätten, kritisiert Rötz: „Es wird einfach Gas gegeben.“ Die jetzige Situation bezeichnet sie als Katastrophe. Die Geräuschkulisse, wenn auf der einen Seite der Verkehr auf der Herscheider und auf der anderen der Ausweichverkehr über die Maibaumstraße fließe, sei derart störend, dass man nicht in den Garten gehen könne.

„Es ist nicht die Menge der Fahrzeuge, es ist das Tempo“, sagt auch Anne Achenbach zu der Verkehrsbelastung in der Straße. Dass Leute eine Ausweichstrecke fahren, dafür hat sie durchaus Verständnis. „Aber sie sollten sich an die Verkehrsregeln halten.“

Und das passiere eben nicht, sagt Thorsten Blumenauer. „Es geht uns nicht um die, die mal ein paar km/h drüber sind, sondern um die, die mit 50, 60 Sachen hier durchfahren.“ Darunter seien sowohl Leute, die selbst in der Straße wohnen, als auch Autofahrer mit auswärtigen Kennzeichen, beispielsweise Olpe oder Gummersbach.

Mit ihrem Problem seien die Anwohner der Maibaumstraße nicht allein, sagt SPD-Ratsfrau Martina Reinhold, die bei dem Anwohnergespräch zugegen ist, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Auch andere Straßen, beispielsweise der Dingeringhauser Weg, seien genauso vom Ausweichverkehr betroffen, wenn sich auf der Herscheider Straße der Verkehr staut. Deshalb brauche Plettenberg auch die Elsetalentlastungsstraße, so Reinhold.

Die ersten Planungen zu dem Großprojekt, das den Lkw-Verkehr parallel zur überlasteten Herscheider Straße durch das Elsetal führen soll, sind rund 40 Jahre alt. Wann mit der Umsetzung begonnen wird, ist noch ungewiss, auch weil zum Teil neue Gutachten erstellt werden müssen.

Anwohner hoffen auf Lösung für die Maibaumstraße

Bis es eine echte Elsetalentlastungsstraße gibt, wird die Verkehrsbelastung in der gefühlten weitergehen. Die Anwohner hoffen jedenfalls, dass sich an der Situation etwas verbessern lässt. Vor 20 Jahren – auch damals war Rasen schon ein Thema – sei das bereits einmal gelungen, berichtet Patricia Rötz. Im April 2000 hätten die Anwohner es erreicht, dass in der Maibaumstraße Warnbaken aufgestellt wurden.

Was in der gegenwärtigen Situation helfen könnte – immerhin hat der Autoverkehr seit dem Jahr 2000 noch einmal deutlich zugenommen – da sind sich die Anwohner selbst nicht sicher. Ob mehr Kontrollen etwas bringen, da ist etwa Thorsten Blumenauer skeptisch: „Die Leute fahren dann drei Tage langsam und dann wieder wie vorher.“ Vielleicht könnte sich auch der Rückstau auf der Herscheider Straße – der ja die Ursache für den Ausweichverkehr ist – dadurch abmildern lassen, dass die Ampelschaltungen auf Höhe Lohmühle und Aldi-Markt optimiert wird, meint Patricia Rötz.

An weiteren Lösungen direkt vor Ort wurde außerdem diskutiert, Aufpflasterungen herzustellen oder Blumenkübel aufzustellen. „Es geht um Dinge, die den Verkehr verlangsamen“, sagte Martin Reinhold, die das Thema auch an die Stadtverwaltung herantragen will.

Das sagt das Ordnungsamt zur Maibaumstraße

Auf Anfrage der Heimatzeitung äußert sich auch Ordnungsamtschef Thorsten Spiegel zur Situation in der Maibaumstraße.

Hinweise darauf, dass Wohngebietsstraßen zur Umfahrung von Hauptverkehrsstraßen genutzt werden, würden der Stadt gelegentlich zugetragen. Dies betreffe neben der Maibaumstraße auch andere Straßen, z.B. im Bereich Hechmecke/Holthausen. „Rechtlich bereits sogar unzulässiger Abkürzungsverkehr wird aber gelegentlich auch z.B. in Bereichen wie der Straße Am Bauckhahn (Verbindung Kückelheim/Attendorn-Neuenhof) oder Dermcke (Verbindung Himmelmert/Holthausen) beklagt“, teilt Spiegel mit.

„Der temporäre Rückstau auf der Herscheider Straße ist aktuell sicherlich auch der Vollsperrung des parallel verlaufenden Grafweges geschuldet, der aktuell keine Umfahrungsmöglichkeit für die Herscheider Straße darstellt, sodass die Herscheider Straße mehr Verkehr als üblich aufnehmen muss“, sagt Spiegel. Nach Abschluss der Arbeiten sollte sich die Situation wieder entspannen.

Sinnvolle Möglichkeiten der Verkehrsberuhigung seien begrenzt. Regelmäßig werden in betroffenen Straßen Verkehrszählungen/Geschwindigkeitsmessungen durch die Ordnungsbehörde vorgenommen. In der Maibaumstraße seien zuletzt im Jahr 2018, davor 2011 solche Messungen vorgenommen. Die damaligen Ergebnisse waren laut Spiegel eher unauffällig, die Geschwindigkeit bei 85 Prozent der erfassten Fahrzeuge bewegte sich bei „unspektakulären 35 – 37 km/h“.

Das subjektive Empfinden von Anliegern hinsichtlich der Geschwindigkeit sei oft ein anderes, so der Leiter des Ordnungsamts. In der Maibaumstraße dürfte dies insbesondere am starken Parkaufkommen liegen, welches teils bereits wie eine „natürliche Geschwindigkeitsbremse“ fungiere. Hinzu kämen mehrere Straßeneinmündungen, an denen „rechts vor links“ gilt, und dass die Straße in weiten Abschnitten so schmal ist, dass gerade bei parkenden Fahrzeugen kaum höhere Geschwindigkeiten gefahren werden könnten.

Nach Ansicht der Stadt könne „zur Entlastung von Maibaumstraße etc. insbesondere der Bau der Elsetalentlastungsstraße dienlich sein, da am ehesten dadurch Verkehrsströme wirksam entzerrt werden könnten“, erklärt der Ordnungsamtsleiter. Eine Sperrung der genannten Anwohnerstraßen käme hingegen nicht in Betracht, denn während unvermeidlicher Vollsperrungen der Herscheider Straße erfüllten die parallel verlaufenden Straßen auch eine verkehrsflusserhaltende Funktion.

Die Stadt plant allerdings, sich die Situation in der Maibaumstraße erneut anzuschauen. „Wir werden nochmals eine aktuelle Verkehrsmessung vornehmen und die Daten den Überwachungsbehörden zuleiten“, versichert Spiegel. Weiterhin halte man Geschwindigkeitskontrollen für geeignet und angemessen. Weitere Einengungen – zusätzlich zu den schon vorhandenen – halte man in der ohnehin schon schmalen Maibaumstraße allerdings für wenig geeignet. Dadurch würden weitere Parkmöglickkeiten entfallen, gegenüber von Ausfahrten ließen sie sich ohnehin nicht anbringen, da diese die Ausfahrenden behindern würden, erklärt Spiegel. „Sollten die aktuellen Messungen wider Erwarten erweisen, dass eine Gefährdungslage besteht, wären am ehesten Möglichkeiten einer Neuordnung des Parkraums zu prüfen.“ Hierbei könnte sich die Anzahl der Parkmöglichkeiten aber etwas reduzieren, weshalb auch diese Maßnahme einer Abwägung bedürfte.

Einengungen, die eventuell durchfahrenden Verkehr abbremsten, führten nicht nur zu den beschriebenen Beeinträchtigungen für die Anlieger, sondern behinderten auch die Abfallentsorgung, den Winterdienst und vielleicht sogar die Feuerwehr und den Rettungsdienst, gibt Spiegel zu bedenken. „Ebenso führen umfangreichere bauliche Maßnahmen auch zu nicht unerheblichen Kosten.“ Je nach Umfang und Kosten der Maßnahmen müssten sich Anlieger daran beteiligen.

Zu den Nachteilen weiterer Optionen schreibt Spiegel: „Bei Bepflanzungen / Blumenkübeln fielen zudem dauerhaft Unterhaltungsaufwendungen an. Aufpflasterungen und Schwellen haben den Nachteil, dass gerade durch das vor diesen Hindernissen erforderliche Abbremsen und Beschleunigen ebenso wie das Befahren selbst zu einer deutlichen Geräuschbelästigung führen können, die besonders von den direkten Anliegern als störend empfunden wird.“

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