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Energiekosten, Fachkräftemangel: Arbeitgeber blicken mit Sorge in die Zukunft

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Stellten die neue Konjunkturumfrage des Märkischen Arbeitgeberverbandes vor: (von links) Horst Maier-Hunke, Özgür Gökce und Dr. Andreas Weber.
Stellten die neue Konjunkturumfrage des Märkischen Arbeitgeberverbandes vor: (von links) Horst Maier-Hunke, Özgür Gökce und Dr. Andreas Weber. © Goor-Schotten

Alljährlich befragt der Märkische Arbeitgeberverband (MAV) im November/Dezember seine Mitgliedsunternehmen entlang der Lenne und im Norden des Märkischen Kreises, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis zur gegenwärtigen und erwarteten Geschäftsentwicklung. Wenig überraschend: Die Stimmung ist gedrückt, die Industrie blickt sorgenvoll in die Zukunft.

Märkischer Kreis – Hohe Energiekosten, mangelnde Nachfrage, Fachkräftemangel und gestörte Lieferketten sind die Top vier auf der Liste der Negativfaktoren. Auf Platz fünf hat es die Sperrung der Rahmedetalbrücke gebracht, die – trotz der teils größeren Distanz zur A45 - immerhin für 29 Prozent der befragten Unternehmen überdurchschnittlich zur Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage beiträgt.

86 der rund 460 Mitgliedsunternehmen des MAV zwischen Witten, Hagen und Menden, Balve, Altena und Plettenberg haben sich an der Umfrage beteiligt. An ihnen hängen rund 10 000 Arbeitskräfte und 488 Ausbildungsplätze. Sie kommen überwiegend aus der Metallindustrie, ihre Exportquote liegt im Schnitt bei 30 Prozent. Und sie gehen wenig optimistisch ins neue Jahr.

Während noch 83 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Betriebe die aktuelle Geschäftslage als gut bis befriedigend bewerten, befürchten 45 Prozent eine Verschlechterung in den kommenden Monaten. 45 Prozent der Unternehmen rechnen auch mit weniger Aufträgen im Inland, 34 Prozent sehen im Ausland eine sinkende Nachfrage kommen. Das wirkt sich auf die Ertragserwartungen aus. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen gehen von einem Rückgang der Erträge in den kommenden sechs Monaten aus. Vor einem Jahr waren 22 Prozent so pessimistisch.

Es sind die Auswirkungen nachteiliger Rahmenbedingungen, die die Betriebe fürchten, erklärte Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des MAV, bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse. Gleichwohl sieht er die Konjunkturlage nicht ganz so negativ: „Sie ist relativ robust.“ Es sei immer noch problematisch, aber nicht mehr ganz so schwierig, wie vor einigen Monaten. Auch MAV-Geschäftsführer Özgür Gökce wies darauf hin, dass zum Start der Umfrage der Energiepreisdeckel noch diskutiert worden, die Situation für die Unternehmen noch unsicherer gewesen sei als jetzt. Das spiegelt die Umfrage wider: Für 77 Prozent der befragten Betriebe waren die Energiekosten mit Abstand das größte Problem. Der Druck hat, wenn auch nicht für alle, nachgelassen, die Gaspreise sind gesunken. Maier-Hunke wünschte sich dennoch eine zufriedenstellende Lösung. Die Koppelung der Hilfen an künftige Betriebsergebnisse mache die Bedingungen der Strom- und Gaspreisbremse für viele Betriebe unkalkulierbar oder wirkungslos. „Hier fordern wir Vereinfachungen“, so Maier-Hunke. Daneben appellierte er, weiter nach Sparmöglichkeiten zu suchen: „Es gibt noch Möglichkeiten. Man muss sich nur damit beschäftigen.“

Auf die Belegschaften wirkt sich die negative Konjunkturerwartung laut Umfrage nicht direkt aus. Zwei Drittel der Betriebe wollen die Mitarbeiter halten, 12 Prozent planen Neueinstellungen. 20 Prozent der Unternehmen stellen sich auf Kurzarbeit ein, aber auch in dem Punkt ist Maier-Hunke eher optimistisch: „Es ist gut, dass wir diese Möglichkeit haben, aber es werden nicht so viele in Anspruch nehmen.“

Sorgen macht ihm wie vielen befragten Unternehmerkollegen jedoch der Fachkräftemangel – für 55 Prozent verschlechtert er die wirtschaftliche Lage überdurchschnittlich. Konsequent halten sie deshalb an der Ausbildung fest: 70 Prozent wollen gleich viel ausbilden, 19 Prozent die Zahl der Lehrstellen ausbauen. Die jungen Leute auch dorthin zu bringen, sieht Maier-Hunke als Problem, an dessen Lösung der MAV auch zukünftig noch stärker arbeiten will: „Viele wissen einfach nicht, was sie werden wollen. Sie sind mit der Situation überfordert.“ Auf der anderen Seite setzt der MAV-Vorsitzende auf Zuwanderung: „Wir werden mehr brauchen als bisher. Es gibt noch zu viele Hürden.“

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