Madrigalchor begeistert in gut gefüllter Böddinghauser Aula das Publikum

Himmlische Klänge vom Engelschor

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Der Madrigalchor der Stadt Plettenberg präsentierte sein Können am Mittwochabend in der Böddinghauser Aula vor begeistertem und zahlreich erschienenem Publikum. 

Plettenberg - „England expects, that every man will do his duty” (England erwartet, dass jeder Mann seine Pflicht tut), war ein Slogan bei der britischen Marine von Lord Nelson. Und genau das beherzigten alle Mitwirkenden des Chorkonzertes vorgestern in der voll besetzten Aula des Schulzentrums in Plettenberg.

Der Madrigalchor der Stadt zeigte samt den jungen Solisten seine Fortschritte in ihrer jeweiligen Entwicklung. Die Chorleiterin, Astrid Höller-Hewitt, hatte – wie es immer so schön heißt – „alle immer gut in ihren Händen und alle folgten ihr willig.“ Das zeigte sich am deutlichsten in dem ziemlich zu Ende vorgetragenen Andachtsjodler der Chorherren, die bis ins Pianissipianissimo zurückgehend agieren mussten, damit das besungene Christkind lieblich einschlafen konnte. Bombenentschärfer brauchen eine solches Feingefühl – die Chorherren hatten es auch. Kirchmeister und Prediger Fred Witte hatte die Moderation übernommen. 

Er verglich den Madrigalchor mit einem Engelschor, der mit dem „Gloria“ von A. Vivaldi die Verherrlichung Gottes freudig und klangvoll eingeleitet hatte und führten es mit dem besinnlichen „Deep River“ von H. T. Burleigh fort. Korrepetitor am Flügel war wie immer kongenial einfühlsam zu Interpreten und Komposition der Pianist, Komponist und Chorleiter Boris Gurevich. Der empfindliche Chorsatz „O du, der du die Liebe bist“ von N. W. Gade verlangte vom Chor höchste Aufmerksamkeit, die er auch bestens erfüllte, desgleichen beim „Ave verum corpus“ von K. Jenkins. Feenhaft trat nun die Sopranistin Laura Cromm auf und sang mühelos, auch in den höchsten Lagen, die lange Arie „Tu virginum corona, Alleluja“ von W. A. Mozart aus KV 165 „Exultate, jubilate“. Ein weiteres Highlight war dann das gewaltige „Halleluja“ aus dem „Messias“ von G. F. Händel. 

Astrid Höller-Hewitt hatte ein angenehmes Tempo gewählt, damit der Herrgott den Lobgesang beim Zuhören auch auskosten konnte – André Rieu muss am Vorabend in seiner Fernsehaufführung Fixigkeit im Hören beim Empfänger eingeplant gehabt haben. Gro- ßer Applaus für die Plettenberger Version! Es folgten weitere Soloarien aus der Welt der Oper und für den Chor von E. Humperdinck „Abends, wenn ich schlafen geh‘“. Fred Witte erläuterte, dass der Engel einem nichts abnähme, aber er zeigt „wo‘s langgeht“ – „That‘s life“. Sehr beeindruckend war ebenso für Sopran und Männerstimmen „Du Himmelsjungfrau gnadenvoll“ von G. Verdi aus der Oper „Macht des Schicksals“. Ganz allerliebst trugen nun Laura Cromm und Florian Conze „La ci darem la mano“ aus „Don Giovanni“ von W. A. Mozart vor – fein den beruflichen Abstand wahrend und zu dem ewigen Kreislauf der Geschlechterbeziehung – mit einem schauspielerisch entzückenden, märchenhaften Abgang. 

Aber noch nicht genug des musikalischen Genusses und Vergnügens und Augenschmauses – der „Triumphmarsch“ aus der Oper „Aida“ von G. Verdi ließ Marc Hewitt wieder sieghaft-souverän mit der Trompete schmettern (und nach seinem geordneten instrumentalen Soloeinsatz bescheiden in die Reihe der Chorsänger zurücktreten). Der Chor interpretierte jetzt weniger engelhaft, aber selbstbewusst schallend, den weltlichen Lobgesang. - Ursula Neukirch

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