„Den Leuten die Augen öffnen“

+
Ein Text von Hermann Hesse ziert beispielsweise eine Platane am Alten Markt.

„Bäume sind Heiligtümer“ – dieser Satz des Schriftstellers Hermann Hesse prangt an einem der Bäume der Innenstadt, die im Zuge der Innenstadtsanierung gefällt werden sollen. Es handelt sich um eine von Christa Hoyer verteilte, lyrische Hommage. Hoyer hofft, dass der Kampf um die 26 zu fällenden Bäume noch nicht verloren ist.

Ende Januar hatte der Rat der Stadt in einer Kampfabstimmung unter anderem die Abholzung von sechs der neun Platanen am Alten Markt beschlossen. Drei dieser Bäume sollen, unmittelbar vor Hörnchen Scherer, neu gepflanzt werden.

Hoyer, Mitglied des Denkmalschutzvereins, erklärt: „Ich finde es wichtig, den Leuten die Augen zu öffnen. Wir müssen unbedingt auch auf die nächste Generation achten!“

Hoyer hatte einige Bäume mit Versen, Zitaten und Gedichten versehen. „Die Menschen sollen sich Gedanken machen“, sagt Hoyer. Denn besonders die Hitze der vergangenen Wochen habe gezeigt, wie wichtig ein großer Baumbestand in der Innenstadt sei.

„Das hat man auch bei den Veranstaltungen des Kultursommers gesehen, als das Publikum den Schatten der Platanen sichtlich genossen hat“, erklärt Hoyer.

Neben Hermann Hesse (1877-1962), einem deutsch-schweizerischen Schriftsteller, Dichter und Maler, nutzte Hoyer ein Zitat des Garten-Philosophen Karl Foerster (1874-1970), aber auch Verse der Romanautorin Ida Seidel (1885-1974).

Letztere ist vor allem als Lyrikerin des Nationalsozialismus bekannt, unterzeichnete sie doch 1933 mit 87 weiteren Schriftstellern das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler“. „Das war mir absolut nicht bekannt“, sagt Christa Hoyer.

Den Kampf um den Erhalt der Bäume in der Innenstadt hat indes auch Jörg Zaborowski noch nicht aufgegeben. Mit einer Gruppe Gleichgesinnter hatte er vor rund einem Jahr eine Petition für deren Erhalt ins Leben gerufen. Mittlerweile „kämpfe“ er alleine. „Nur der Denkmalschutzverein setzt sich noch gegen die Fällungen zur Wehr“, sagt Zaborowski.

Ganz allein sei er dann aber doch nicht. Denn mittlerweile habe er circa 1 500 Unterschriften gesammelt. „Ich denke, ich werde 2 000 sicher sammeln können“, sagt Zaborowski. Ihm sei durchaus bekannt, dass der Rat der Stadt die Fällung von 26 Bäumen – ursprünglich waren über 40 angedacht – bereits beschlossen hat.

„Ich weiß, dass der Stadt die Petition nicht gefällt, aber das ist mir egal.“ Er arbeite weiterhin für den Erhalt der Bäume. „Denn andere Städte bemühen sich gerade sehr, mehr Grün in ihre Zentren zu bekommen“, sagt Zaborowski. In Plettenberg versuche man dagegen das Gegenteil.

Eine Vielzahl derjeniger, die sich an der Petition beteiligt haben, hätten auch Anmerkungen zu den Plänen des ISEK (Innenstadt-Entwicklungskonzept) gemacht. „Diese werde ich gemeinsam mit den neuen Unterschriften auch dem Bürgermeister übergeben“, sagt Zaborowski. Darunter würden sich auch viele Plettenberger befinden, „die man kennt“.

Letztendlich müsse den Menschen klar gemacht werden, dass ein Baum vor allem der Lebensraum für viele Tiere sei. „Ein Baum ist nicht nur ein Baum“, erklärt Zaborowski. Für manche ist er eben auch ein Heiligtum.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare