„Schreien, heulen, schwitzen – das werde ich nie vergessen!“

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Im September 1984 endete die über hundertjährige Geschichte der einstigen Brachtschule. Hinweise auf einen Bunker unter dem damaligen Schulhof gibt es in den Artikeln aus dieser Zeit nicht.

Die Erinnerungen lassen sie bis heute nicht los: Den ganzen Schrecken des Zweiten Weltkrieges erlebte Renate Martin-Schröder auf wenigen Quadratmetern unterhalb des einstigen Schulhofes der Brachtschule. Hier soll sich laut der Kirchenführerin ein Luftschutzbunker befunden haben, von dem aber kaum jemand etwas zu wissen scheint.

Dort, wo derzeit die neue Parkpalette errichtet wird, befanden sich vor über 30 Jahren noch die Brachtschule und deren Schulhof. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges sollen Kriegsgefangene hier einen Luftschutzbunker unter dem Hof angelegt haben.

Allerdings gibt es über diesen Schutzraum keine Aufzeichnungen. Auch in den Berichten der Heimatzeitung, zum Beispiel zur Fertigstellung des Parkplatzes an der Brachtstraße im Jahr 1990, finden sich keine Hinweise zum Bunker. Jedoch: Viele Schutzräume gerieten nach dem Ende des Krieges in Vergessenheit, manche wurden erst Jahrzehnte später wiederentdeckt.

Martin-Schröder könne sich noch gut an die letzten Kriegsjahre erinnern, in denen sie gegenüber dem heutigen Parkplatz gewohnt habe. Darüber hinaus habe sie auch die Brachtschule besucht, die in der Zeit des Nationalsozialismus zum Kindergarten umfunktioniert worden war. „Ich habe gesehen, wie die Gefangenen gequält wurden, um den Bunker zu errichten“, erklärt Martin-Schröder. Bis heute seien ihr die schwarzen Gamaschen der Aufseher im Gedächtnis geblieben.

Den Anblick der schlecht behandelten Kriegsgefangenen habe die Kirchenführerin nicht ertragen können. Die damals Drei- oder Vierjährige habe sogar den Geschundenen geschmierte Brote zukommen lassen. Ein gefährliches Unterfangen, konnten sie beziehungsweise ihre Eltern deshalb wegen Wehrkraftzersetzung angeklagt werden. Mögliche Strafen: Tod oder Deportation in ein KZ.

Martin-Schröder habe sich immer gesträubt, den Bunker zu betreten. Einmal musste sie jedoch mit. Die schrecklichen Erlebnisse unter Tage würden sie bis heute nicht mehr loslassen. „Schreien, heulen, schwitzen – das vergesse ich nie!“, fasst Martin-Schröder die Stimmung im Luftschutzbunker zusammen. Der Eingang zu diesem habe sich ungefähr an der noch bestehenden Einfahrt zum Parkplatz neben dem Awo-Haus befunden.

Was nach dem Ende des Krieges mit dem Luftschutzbunker geschah, das wisse auch Martin-Schröder nicht. Oftmals wurden die Zugänge zu den Schutzräumen zugeschüttet, die Bunker an sich gerieten in Vergessenheit. Nur in den Köpfen von Zeitzeugen wie Martin-Schröder hat sich die Erinnerung an die Schre

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