Erst eine Odyssee, dann Quarantäne

Luca Ackerschotts abenteuerliche Rückreise von Neuseeland nach Plettenberg

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Plettenberg - Auf dieser Rückreise waren gute Nerven gefragt: Luca Ackerschott aus Plettenberg versuchte von Neuseeland zurück nach Deutschland zu kommen - und das unmittelbar, bevor die neuseeländische Regierung die Rückholaktionen stoppte. Es wurde zu einer echten Odyssee.

Fix und fertig stand er in den Hallen des Frankfurter Flughafens, den Schal als Atemschutzmaske ins Gesicht gezogen, eine gelbe Folien-Haube über dem Rucksack. Menschen hielten Schilder in die Höhe mit Aufschriften wie „Willkommen zurück“. Auch seine Eltern waren gekommen. Sie empfingen ihn mit Tränen in den Augen.

Luca Ackerschott war endlich angekommen.

Fast drei Tage hat der 19-jährige Plettenberger zuvor auf Flughäfen und in Flugzeugen am anderen Ende des Planeten verbracht. Flog von Neuseeland nach Australien. Musste fünf Stunden auf den nächsten Flieger nach Japan warten. War rund 12 Stunden in der Luft. Saß weitere 19 Stunden am Flughafen Tokio fest. Immer mit der Sorge, dass noch etwas schief gehen könnte. „Cancelled“ – abgesagt – stand neben fast allen Flügen auf der Informationstafel. Gott sei Dank flog die von der Lufthansa gecharterte Nippon-Maschine. Brachte Luca in 12 Stunden nach Frankfurt.

Durchatmen. Schlaf nachholen – als Luca endlich zuhause ankam, konnte er all die Anspannung der letzten Stunden und Tage hinter sich lassen.

Wenige Wochen zuvor hatte sich von dieser Odyssee noch rein gar nichts abgezeichnet. Luca Ackerschott erfüllte sich gemeinsam mit seinen Freunden Til Vollmer, Luca und Jarno Schawag seinen Jugendtraum von einer mehrmonatigen Reise nach Neuseeland. Anders als die anderen Drei sollte der Aufenthalt für Luca Ackerschott aber schon früher enden. Der Rückflug mit Emirates war für den 1. April gebucht.

Kurz zuvor erreichte die Corona-Pandemie aber auch Neuseeland. Unter anderem Emirates strich alle Flüge. Luca suchte nach einer Alternativverbindung. Anstatt über Dubai nach Frankfurt zu fliegen, stieß er nur noch auf die Option, die eine Woche früher über Sydney und Tokio ging. Dass er damit eine der letzten Verbindungen nach Deutschland bekommen würde, konnte er nicht ahnen. Denn wenige Tage später stoppte die neuseeländische Regierung alle Rückholflüge. 12 000 Deutsche saßen auf Neuseeland fest, erst seit gestern dürfen die Flieger wieder starten.

Seitdem Luca wieder in Deutschland ist, befindet er sich sicherheitshalber in Quarantäne. Seine Eltern hatten vor seiner Ankunft in Deutschland mit Medizinern und Experten gesprochen und sich entsprechend vorbereitet. Das Auto war für die Rückfahrt mit Malerfolie abgeklebt, für Luca hatten sie Mundschutz, Ganzkörperanzug und Handschuhe mitgebracht – so wie es die Mediziner empfohlen hatten.

Zuhause bezog Luca das Untergeschoss, das seither einer Art Quarantäne-Station gleicht. Das Essen stellen seine Eltern auf einen Hocker, per Videochat schaltet er sich zu, sodass die Familie zumindest noch annähernd zusammen essen kann.

Zwingend erforderlich ist das alles nicht, denn es ist völlig unklar, ob Luca sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Er zeigt keinerlei Symptome, kommt nicht aus einem Risikogebiet und das seien für das Gesundheitsamt auch die Gründe gewesen, ihn nicht zu testen. Die Quarantäne ist also mehr oder weniger freiwillig – um sich und andere zu schützen.

Bis nächsten Freitag müssen Luca und seine Eltern noch durchhalten, dann sind die empfohlenen zwei Wochen Quarantäne-Zeit vorüber. Und dann können sie endlich das nachholen, was bei Lucas Ankunft am Flughafen aufgrund der Coronakrise nicht möglich war: Sie können sich endlich wieder in die Arme schließen.

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