Angeklagter aus Plettenberg

Kurioser Diebstahl im Lidl im MK: Hartes Urteil wegen eines Gegenstandes im Rucksack

Er klaute nur Kleinigkeiten im Lidl in Plettenberg. Doch vor Gericht wurde es für den Mann (30) aus einem Grund eng. Es gab ein überraschendes Urteil.

Plettenberg - Am 14. September 2020 hatte er in einem Lidl in Plettenberg zunächst versucht, Tabak im Wert von 4,65 Euro zu klauen. Ein Kunde hielt ihn auf, der Tabak blieb im Laden. Davon völlig unbeeindruckt versuchte der 30-Jährige kurz darauf einen Sixpack Wasser zu klauen.

UnternehmenLidl
Anzahl der Beschäftigten315.000
Gründung1973

Der Wert war etwas höher: 5,28 Euro. Auch diesmal scheiterte er auf dem Weg nach draußen. Kunden und Mitarbeiter hielten ihn auf. Bei seinem Fluchtversuch verletzte er eine Mitarbeiterin leicht am Unterarm.

Diebstahl im Lidl: Verteidiger spricht von Dummheit und Dreistigkeit

Der eher lächerlichen Beute stand im Regelfall eine beeindruckende Mindeststrafe gegenüber: drei Jahre. Denn der Versuch, sich gewaltsam zu befreien, um im Besitz der Beute zu bleiben, machte aus dem Diebstahl einen räuberischen Diebstahl. Dazu kam bei beiden Diebstählen ein gefährliches Werkzeug, das der Angeklagte allerdings in seinem Rucksack bei sich geführt und nicht in Griffweite gehabt hatte: ein Schlosserhammer. Angesichts des gigantischen Missverhältnisses zwischen möglicher Beute und hoher Straferwartung stellte sich die Frage, in welcher Verfassung er an jenem Tag gewesen war.

Selbst Verteidiger Martin Düerkop sprach von „Dummheit“ und einer „Dreistigkeit“. Sein Mandant bestritt, dass er vor der Tat möglicherweise Drogen oder Alkohol konsumiert habe. Zur Begründung der Tat führte er an, dass er seine Sozialleistungen „nicht pünktlich gekriegt“ und deshalb kein Geld gehabt habe. Außerdem sei ihm seine Partnerin abhanden gekommen, was ihn ziemlich mitgenommen habe. Den Schlosserhammer habe er im Rucksack gehabt, weil er sich verfolgt fühlte: „Ich hatte immer etwas dabei, um mich zu schützen.“

Diebstahl im Lidl: Schlosserhammer im Rucksack

Im Amtsgericht machte der junge Mann einen aufgeräumten Eindruck: Nach einigen Jahren in Deutschland war der Marokkaner schon so weit der deutschen Sprache mächtig, dass er sich weitgehend ohne den Dolmetscher mit den anderen Prozessbeteiligten verständigen konnte. Auch eine abgeschlossene Berufsausbildung war ein Baustein für eine positive Sozialprognose. Die Absicht, in Deutschland zu studieren, war allerdings vorerst ein Wunschtraum geblieben.

Trotz allem war die weitgehend sinnfreie Dummheit im Lidl-Markt, bei der niemand ernsthaft verletzt worden war, nach den rigiden Regeln des Strafrechts abzuarbeiten. Der Staatsanwalt verwies in seinem Plädoyer auf eine Vorstrafe wegen eines tätlichen Angriffs gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Beleidigung.

Lidl in Plettenberg: Saftige Strafe für einen „kleinen“ Diebstahl

Er ging aber von einem minderschweren Fall aus und beantragte wegen eines „Diebstahls mit Waffen“ und eines „schweren räuberischen Diebstahls mit Waffen“ eine Haftstrafe von einem Jahr und sieben Monaten – ohne Bewährung. Der Angeklagte habe zum Zeitpunkt der Tat noch unter laufender Bewährung gestanden.

Verteidiger Martin Düerkop beantragte eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung. Das Schöffengericht schloss sich seinem Antrag an und verurteilte den Angeklagten zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sieben Monaten. Als Bewährungsauflage muss er 100 Sozialstunden ableisten. Nach vier Wochen Untersuchungshaft wurde er nach Verkündigung des Urteils wieder in die Freiheit entlassen.

Im Märkischen Kreis wird eine neue Lidl-Filiale gebaut. Die alte muss weichen. In einer anderen Stadt des Kreises wird ein Lidl-Markt geschlossen.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa

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