Leserin berichtet von Vorfällen am Hirtenböhl: Stören Jugendliche die Friedhofsruhe?

+

Plettenberg - Sie berichtet von singenden, tanzenden und küssenden Jugendlichen, sie spricht von Schäferstündchen und Vermüllungen. Eine Leserin  ärgert sich über das Verhalten einiger Jugendlicher auf dem Friedhof Hirtenböhl und sagt: „Viele ältere Menschen haben inzwischen Angst, dorthin zu gehen.“

Gerade an den Nachmittagen rund um Ostern habe sie die Jugendlichen auf den Bänken oberhalb der Kapelle beobachtet. Leere Flaschen und Dosen hätten danach auf den Gräbern gelegen und „es wird immer schlimmer“, sagt die Plettenbergerin.

Die Schilderungen dürften vielen bekannt vorkommen. Vor einigen Jahren hatte ein Bürger in der Einwohnerfragestunde des Jugendhilfeausschusses auf ganz ähnliche Beobachtungen hingewiesen. Seinerzeit hatten die Streetworker aus dem Jugendzentrum die Übeltäter am Friedhof aufgesucht und konnten sie dazu bewegen, sich einen anderen Platz zu suchen. Seitdem herrschte Ruhe – dachte man zumindest.

Entsprechend erstaunt reagierte dann auch Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel auf die aktuellen Schilderungen. „Uns ist davon nichts bekannt“, sagte Spiegel. Auch die Citystreife – Sicherheitsexperten, die das Ordnungsamt unterstützen – hätte bislang keinerlei Meldung über Unruhen auf dem Friedhof Hirtenböhl erhalten.

Ebenso geht es Wolfgang Klein, dem Leiter der örtlichen Polizeiwache. „Es gab im Jahr 2019 keinen Einsatz am Friedhof Hirtenböhl“, berichtet Klein und ergänzt: „Das Problem ist aber bekannt und war immer mal wieder ein Thema.“ Denn vor allem die Lage des Friedhofs sei für Jugendliche interessant: weitläufig, etwas ab vom Schlag und mit Bänken ausgestattet. „Ich kann mir gut vorstellen, dass die Situation so ist, wie von der Leserin beschrieben und man sollte das auch ernst nehmen“, sagt Wolfgang Klein.

Und tatsächlich: Dem Friedhofsverband liegen Meldungen vor, die das bestätigen:  Die geschilderten Vorfälle seien bekannt, „da sowohl im dienstlichen wie privaten Rahmen Ähnliches wahrgenommen wurde“, schreibt Silvia Weber von der Friedhofsverwaltung. „Da die zunehmenden ‘Hinterlassenschaften’ der Jugendlichen von den Friedhofsgärtnern entsorgt werden mussten, haben wir am 26. April telefonisch Kontakt mit der hiesigen Polizeiwache aufgenommen. Die diensthabende Polizei-Beamtin hat uns seinerzeit versichert, dass sie den Bereich des Friedhofes Hirtenböhl in ihre Kontroll-Fahrten oder -Gänge mit einbeziehen würden, sofern dies möglich wäre“, heißt es weiter.

Polizei-Wachenleiter Wolfgang Klein fordert nun auf: „Wer Ruhestörungen, Trinkgelage oder Schäferstündchen beobachtet, sollte sich sofort tagsüber beim Ordnungsamt oder abends und nachts bei der Polizei melden. Nur dann können die Behörden mit Platzverweisen oder gegebenenfalls weiteren Maßnahmen reagieren.

Unabhängig davon haben Ordnungsamtsleiter Spiegel und Polizeiwachenleiter Klein versichert, dass ihre Mitarbeiter den Friedhof Hirtenböhl in den kommenden Wochen im Blick haben werden. Denn alle Beteiligten sind sich einig: Ein Friedhof ist nicht dafür gedacht, sich zum trinken, Musik hören oder für Liebschaften zu treffen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare