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Häusliche Gewalt: Gefangen in einer Spirale

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Von: Christos Christogeros

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Die Leiterin des Iserlohner Frauenhauses Anna Müller (links) mit Vertreterinnen der Schülervertretung und den Lehrerinnen Desiree Klein (2. von rechts) und Stephanie Schröder (rechts).
Die Leiterin des Iserlohner Frauenhauses Anna Müller (links) mit Vertreterinnen der Schülervertretung und den Lehrerinnen Desiree Klein (2. von rechts) und Stephanie Schröder (rechts). © Meininghaus

Während der Corona-Lockdowns sind die Fälle von häuslicher Gewalt – vor allem gegen Frauen – gestiegen. Für Außenstehende ist oft unbegreiflich, warum sich Frauen nicht sofort vom Partner trennen, wenn dieser (körperlich) gewalttätig wird. Dabei wird verkannt, dass Betroffene im Strudel der Gewalt gefangen sind, aus der ein Ausbruch gar nicht so leicht sei, wie Anna Müller, Leiterin des Frauenhauses Iserlohn erklärt. Müller war jetzt zu Gast am Gertrud-Bäumer-Berufskolleg (GBBK), dessen Schüler sich einen Tag lang mit dem Thema Häusliche Gewalt beschäftigten.

Plettenberg - Müller war zum Thementag zur Schule auf der Bredde gekommen und bot interessante, aber auch bedrückende Einblicke in ihre Arbeit. Denn nicht selten würden die Opfer häuslicher Gewalt im Frauenhaus enden.

Die studierte Diplom-Pädagogin ist bereits seit rund 15 Jahren Leiterin des Iserlohner Frauenhauses und das Thema Gewalt gegen Frauen sei nicht nur deshalb schon lange ein Arbeitsschwerpunkt in ihrer beruflichen Vita. Müller erläuterte eindrucksvoll, wie Gewaltmechanismen in Familien verlaufen und das häufig daraus ein „Strudel der Gewalt für Frauen“ werde.

„Sehr oft sind Gewalttaten in der Familie keine singulären Ereignisse, sondern wiederholen sich immer wieder“, zeigte Müller die Zusammenhänge der Gewaltspiralen im häuslichen Umfeld auf. Sie hob hervor, dass viele Frauen sich auch häufig – trotz aller schlechter und leidvoller Erfahrungen – Angst hätten, sich zu trennen. Sie würden schlichtweg Einsamkeit, Nachteile für die Kinder oder ökonomische Probleme befürchteten.

„Deshalb engagiere ich mich auf verschiedenen Ebenen gegen häusliche Gewalt, die leider oft Gewalt gegen Frauen und Kinder ist. Ich arbeite nicht nur im Frauenhaus dafür, Frauen aus diesem Gewaltstrudel herauszuholen, sondern natürlich auch auf anderen Ebenen, wie zum Beispiel mit der Polizei und im Rahmen runder Tische“, erklärte Müller.

Die Schülervertretung hatte im Vorfeld des Vortrages der Frauenhaus-Leiterin, der auch per Videoschalte an interessierte Schüler zum GBBK-Standort Lüdenscheid übertragen wurde, einige inhaltliche Vorbereitung getroffen. „Die Schülervertretung hat sich bereit erklärt, mit ihren Klassen Plakate und Videos zu erstellen, die dann während der Veranstaltung und darüber hinaus als Ausstellung zu sehen waren“, erläuterte Lehrerin Stephanie Schröder. Die Themen der Plakate befassten sich unter anderem mit der Definition von Gewalt, mit verbaler Gewalt (Hatespeech), mit Frauenhäusern in der Region, aber auch mit Gewalt gegen Männer.

Schröder und Klein zogen abschließend eine positive Bilanz des Einsatzes der Schülervertretung und hoffen, dass bald schon weitere Veranstaltungen folgen werden.

Bereits seit zwei Jahren besteht die Kooperation des GBBK mit dem Frauenhaus. Begründet wurde diese Zusammenarbeit von Lehrerin Stephanie Schröder. Sie macht deutlich, dass sie froh über dieses Miteinander ist: „Wir konnten in den letzten Jahren unglaublich viel Input gerade für unsere Schülerinnen bekommen und sind auch sehr interessiert an einer Vertiefung der Kooperation“.

Glücklich über die Zusammenarbeit mit dem GBBK zeigte sich auch Frauenhaus-Leiterin Anna Müller. Schließlich würden die Plettenberger Schüler das Frauenhaus in Form von Spenden unterstützen. „Wir konnten ein schönes Sommerfest feiern und damit den Frauen und Kindern bei uns Freude und glückliche Zeit schenken“, hob sie dankbar hervor.

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