Plettenberger sammelten Spenden

Getötetes Kleinkind: Leibliche Eltern müssen für Beerdigung nicht zahlen

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Auch Bürgermeister Schulte zündete eine Kerze für das getötete Kind an. 

Plettenberg – Die leiblichen Eltern des getöteten Pflegekindes müssen für die Beerdigung nicht zahlen; die Stadt Gelsenkirchen übernimmt die Kosten komplett. Das soll das Paar bereits seit Freitag gewusst haben. In der Stadt waren bereits Spenden gesammelt worden.

Am Mittwochabend gab es eine Gedenkandacht für das verstorbene Kleinkind in der Christuskirche, auch die leiblichen Eltern hatten aus Gelsenkirchen den Weg nach Plettenberg gefunden. 

Fast komplett in weiß gekleidet nahmen sie neben den Pfarrern Schnell und Auner sowie Bürgermeister Ulrich Schulte Platz in der ersten Reihe. 

Eltern erzählten dem Bürgermeister, sie müssten die gesamten Kosten tragen

Vor dem Beginn des Gedenkens wechselte Bürgermeister Ulrich Schulte ein paar Worte mit dem Paar aus Gelsenkirchen: „Ich hatte so ein Gefühl, dass es die Eltern sein könnten und dann habe ich sie einfach angesprochen. In dem Zuge erzählten sie mir, dass sie die gesamten Kosten für die Beerdigung des Jungen auf sich nehmen müssten“, berichtete Schulte im Gespräch mit der Redaktion.

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Daraufhin hatte er den gleichen Gedanken wie die Verantwortlichen der Großtagespflege am Eschen, die eine Spendenaktion starteten. „Ich habe dann veranlasst, eine Spendenbox im Rathaus-Foyer aufzustellen. Einfach als Unterstützung für die Plettenberger, die den Eltern helfen möchten“, erzählte Schulte und verkündete die Nachricht über die Spendenaktion noch am Mittwochabend im sozialen Netzwerk Facebook. 

Auch Ulrich Schulte sprach bei der Gedenkansacht Fürbitten. 

Die Kehrtwende: Die Eltern wussten schon seit Freitag, dass die Stadt Gelsenkirchen zahlt

Donnerstagmittag meldete sich der Bürgermeister noch einmal in der ST-Redaktion, um mitzuteilen, dass es sich um ein Missverständnis gehandelt habe. „Mich erreichte gerade die Mitteilung, dass die Stadt Gelsenkirchen komplett für alle Kosten der Beerdigung aufkommen wird.“ Nach Recherchen unserer Zeitung gab es bereits am Freitag ein Gespräch mit den leiblichen Eltern, deren Anwalt und Vertretern des Gelsenkirchener Jugendamtes.

Einzelfallentscheidung ist im Gesprächsprotokoll vermerkt

Wie Martin Schulmann, Sprecher der Stadt Gelsenkirchen auf konkrete Nachfrage bestätigte, habe man der Familie am Freitag, 11. Januar, nach einer Einzelfallentscheidung zugesagt, alle entstehenden Kosten für die Bestattung des toten Kindes zu übernehmen. „Das steht auch so im Protokoll“, sagte Schulmann. 

Die Eltern hätten demnach fünf Tage später beim Gespräch mit dem Bürgermeister wissen können, dass die gesamten Kosten für die Beerdigung von der Stadt Gelsenkirchen übernommen werden. Laut Schulmann müssen sie sich zwar um die Formalitäten kümmern, nicht aber in Vorleistung treten. Stattdessen übernehme die Stadt die Rechnung des Bestatters. 

Das Spendengeld soll nun vielleicht für die Grabpflege genutzt werden

Damit konfrontiert zeigte sich der Bürgermeister Ulrich Schulte irritiert, zumal er die Spendenbox ursprünglich noch für etwa drei Wochen stehen lassen wollte. Man könne das Spendengeld aber nun vielleicht für die zukünftige Pflege des Grabes nutzen, sagte Schulte.

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