Waldbesitzer freuen sich über Regen

Legt der Borkenkäfer eine Pause ein?

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Die Borkenkäfer befinden sich derzeit auf dem Rückzug, doch die Schäden, die sie angerichtet haben, sind enorm.

Plettenberg – Dr. Christoph Freiherr von Wrede freut sich in diesen Tagen über die Regenschauer. Der Waldbesitzer hofft, dass das Borkenkäferproblem damit für dieses Jahr ausgestanden ist und die Borkenkäfer ihr zerstörerisches Werk zumindest unterbrechen.

Monatelang wüteten die kleinen Schädlinge vor allen Dingen in Fichtenbeständen, gruben ihre Gänge unter der Rinde und unterbrachen den Wasserfluss in den Bäumen. Kühlere Temperaturen und die feuchte Witterung haben zuletzt für ein wenig Entspannung gesorgt. Doch der Schaden ist nach wie vor groß. 

Das warme, trockene Wetter als Folge des Klimawandels wird von vielen Wissenschaftlern als Ursache für die Misere ausgemacht. Was den eigenen Bestand angeht, ist Dr. Christoph Freiherr von Wrede dankbar: „Plettenberg ist mit einem blauen Auge davongekommen.“ Wenn man die Schäden hier mit anderen Bereich vergleiche, müsse man froh sein. Gut weggekommen sind Nordhänge und wasserführende Lagen. Dramatisch ist die Situation in der Umgebung allerdings in vielen Südhang- und Kuppenlagen. Doch Probleme bereiten auch die Unwetterlagen wie im Sommer unweit der Burgruine Schwarzenberg. 

Eine lokale Windhose zerstörte mit brachialer Gewalt einen gesunden Fichtenbestand in bester Qualität. Nun wird das Holz – insgesamt 1 200 Festmeter – in einem Nasslager konserviert. Die meisten anderen kahlen Flächen in den heimischen Wäldern zeugen aktuell eher davon, dass in den vergangenen Monaten sogenanntes „Käferholz“ en masse gefällt und abtransportiert wurde – auf Plettenberger Gebiet gerade oberhalb von Pasel. 

Übersteigt das Angebot inzwischen die Nachfrage? Dr. Christoph Freiherr von Wrede kann in diesem Punkt (noch) Entwarnung geben. Er weiß von Verträgen, die der Landesbetrieb Wald und Holz.NRW beispielsweise über die German Timber Company (GTC) mit chinesischen Abnehmern geschlossen habe. Dort habe das eigene Holz nur eine geringe Qualität. Von Sammelplätzen, an denen das Sauerländer Holz in Container verladen werde, gehen die Fichten per Lastwagen auf den Weg in den Hamburger Hafen. Von dort wird das Holz nach China und Vietnam verschifft. Die Asiaten sägen aus den heimischen Baumstämmen Kanthölzer und Bretter und verwenden das Fichtenholz als Bau- und Konstruktionsholz. 

Der Transport der Sauerländer Fichten per Schiffscontainer ist vergleichsweise billig. Die Zeit (40 Tage) spielt dabei keine große Rolle. Doch bevor die Container auf die großen Schiffe verladen würden, erfolgt erst eine Begasung, mit der auch der letzte Borkenkäfer oder Kupferstecher getötet wird. Auch wenn die China-Transporte etwas helfen – die Preise sind im Keller und den Waldbesitzern stehen schwierige Jahre bevor. „Wir müssen schauen, dass wir die Kosten im Auge behalten“, so von Wrede, der in den guten Jahren viel Geld in die Infrastruktur und neue Waldwege steckte, was ihm jetzt zugute kommt in seinem 300 Hektar großen Forstbetrieb. „Die Fichte wird auch weiter ein wichtiger Faktor sein. 

Die Sägewerke hier sind voll auf Fichte eingestellt“, so der Plettenberger. Aktuell werde schon versucht, auch Buchenholz stärker zu nutzen im Baubereich. Er selbst habe rund 60 Prozent Fichten in seinem Bestand, aber setze auch auf Laubbäume wie Eichen, die er gerade neu angepflanzt habe. 

Dass es hier im Sauerland so viele Fichtenwälder gebe, habe auch mit dem 2. Weltkrieg zu tun, denn als Reparationszahlung hätten die Alliierten viel Holz gefordert. „Und die gerodeten Flächen mussten in den 40er und 50er Jahren von unseren Vorfahren alle wieder aufgeforstet werden.“ Der ganze Hemberg sei damals beispielsweise neu bepflanzt worden. „Unsere Vorfahren haben damals einen guten Job gemacht“, findet der Waldbesitzer, der heute selbst genau schaut, welche freien Flächen er mit welchen Bäumen bepflanzt.

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