Noch nie so wenig Wasser in der Lenne: Kraftwerk vom Netz

+
Der niedrige Wasserstand der Lenne im Bereich Siesel bereitet derzeit Anlass zur Sorge.

Plettenberg - Wenn es nur langsam in einen Eimer hereintröpfelt, der Behälter aber ein großes Loch hat, dann dauert es nicht lange, bis der Eimer leer ist. Um genau das zu verhindern, hat der Ruhrverband den Abfluss der Bigge in die Lenne stark reduziert. Und das hat Folgen, denn der ohnehin stark gesunkene Lennepegel hat jetzt auch Folgen für die Stromversorgung.

Wie Mark-E-Pressesprecher Andreas Köster bestätigte, stehen die Laufwasserkraftwerke in Plettenberg (Siesel) und Werdohl (Bockeloh und Wilhelmstal) seit Sonntag. „Es ist einfach nicht genug Wasser da, um die Turbinen zu betreiben“, erklärte Köster. „Alle drei zusammen haben eine Leistung von 5 Megawatt“, betonte der Mark-E-Sprecher. 

Den Ausfall könne man kompensieren, aber wie lange man auf den Einsatz der drei Laufwasserkraftwerke verzichten müsse, sei aktuell ungewiss. Die Wetterprognosen der nächsten Tage bestätigen dies, denn es sind warme Temperaturen, Sonne und Wolken, aber keine nennenswerten Niederschläge zu erwarten. „Wir fahren die Bigge haarscharf und lassen so wenig wie möglich raus, um die maßgeblichen Gewässerhöhen an der Ruhr einzuhalten“, beschrieb Britta Balt, stellvertretende Pressesprecherin des Ruhrverbandes, die aktuelle Situation.

zur Wettervorhersage

„Wir versuchen mit spitzer Rechnung gut mit dem Wasser der Talsperren zu haushalten, haben in der Bigge aber noch recht komfortable 86 Millionen Kubikmeter Wasser.“ Aktuell werden laut Balt pro Sekunde 1 060 Liter Wasser abgegeben, aber nur die Hälfte der Abgabemenge (530 Liter) fließe pro Sekunde zu. „Uns hilft es derzeit, wenn es oberhalb der Bigge oder im Bereich der Ruhr regnet, dann erhöht sich der Zufluss und wir benötigen nicht so viel Biggewasser.“

Das Laufwasserkraftwerk am Siesel steht aufgrund des niedrigen Lennepegels still.

 Durch die reduzierte Abgabe aus der Bigge und die anhaltende Trockenheit ist der Lennepegel im Bereich Finnentrop auf zehn Prozent des Normalwertes gesunken. In Höhe des Industriegebietes Siesel gleicht die Lenne einer Pfützenlandschaft. Für ein etwaiges Fischsterben könne der Ruhrverband aber nicht haftbar gemacht werden. „Wir sind ein genossenschaftlicher Verband, dessen Hauptaufgabe darin besteht die Wassermenge in der Ruhr zu regeln und die Trinkwasserversorgung sicherzustellen“, erklärte die Ruhrverbandssprecherin mit Blick auf die Lenne. Bernd Brieseck, Vorsitzender der Maipiere, zeigte sich nach Vorlage der ST-Bilder überrascht vom niedrigen Lennepegel.

Er werde dies zum Anlass nehmen, um mit dem Ruhrverband über Vereinbarungen zur Pegelhöhe zu sprechen. „Es ist in den nächsten Tagen kein ergiebiger Landregen in Sicht. Wir müssen jeden Tag aufs Neue abwägen, wieviel Wasser wir aus welchen Talsperren ablassen, um die unterschiedlichen Nutzungen so gut wie möglich zu gewährleisten“, betonte Balt abschließend. Auf die Versorgung der heimischen Tankstellen hat sich der ebenfalls bedenklich niedrige Rheinpegel noch nicht ausgewirkt. Dort können die Tankschiffe der Raffinerien nur ein Drittel der herkömmlichen Menge transportieren. „Wir haben Glück gehabt und werden bisher zuverlässig beliefert“, sagte Esso-Tankstellenpächter Andreas Schachta auf Anfrage.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare