Milchbauern protestieren

Heimische Landwirte kämpfen gegen Katjes-Werbung

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Der Herscheider Kreislandwirt Dirk Voß hat seine ganz eigene Meinung zu der provokanten Werbung des Süßwarenherstellers Katjes.

Plettenberg – Aktuell toben Diskussionen um eine Werbung des Süßwarenherstellers Katjes im Internet. Katjes brachte erst vor wenigen Wochen eine Werbung für die vegane Schokolade mit dem Namen „Chocjes“ heraus, die gerade bei den Milchbauern für Entsetzen sorgte.

In dem kurzen Animationsfilm sind Kühe zu sehen, die in Reih und Glied und in der Finsternis in eine Fabrik marschieren. Die Tiere sehen leidend aus und die riesigen Euter stechen heraus. „Jedes Leben ist wertvoll“, sagt eine weibliche Stimme im Hintergrund. „Und Kühe sind keine Milchmaschinen, auch nicht für Schokolade.“ 

In den sozialen Medien kommt das kurze Video mit der Hafermilchschokolade gut an – viele Landwirte hingegen ärgern sich über die Bilder. Unter anderem der Bayerische Bauernverband hat eine Beschwerde beim Deutschen Werberat eingereicht, er hält die Werbung für diskriminierend. 

Der Werbespot unterstelle, dass alle Milchbauern ihre Kühe ausbeuten würden. Jetzt hat sich auch Agrarministerin Julia Klöckner auf Twitter zu dem Clip geäußert. „Dass Unternehmen für ihre Produkte werben, ist verständlich, aber dass das nur mit Landwirtschaftsbashing plus plumpem Abwerten aller Milchbauern geht, ist nicht anständig“, tweetete Klöckner. 

Außerdem griff sie die Macher des Films an: „Die hippen Werbefilmer waren sicher schon in aller Welt, aber nicht in einem Kuhstall.“ Der heimische Kreislandwirt Dirk Voß, der in Friedlin einen eigenen Milchviehbetrieb hat, äußerte sich jetzt gegenüber der Redaktion zu dem Thema: „Das ist völlig überzogen und zeugt von viel Unwissenheit“, ist er wütend über die Verbreitung dieses Videoclips, der den Ruf der Landwirte „stark schädigen würde. Daran sieht man, dass wir mittlerweile überhaupt keine Lobby mehr in Deutschland haben“, ärgert sich der Kreislandwirt weiter. 

Diese Massentierhaltung, die in diesem Video aufgezeigt würde, sei schon seit Jahrzehnten nicht mehr so, wie sie dargestellt wird. „Die Kühe leiden sicherlich nicht. Die Ställe sind viel größer und heller geworden. Licht, Luft und Liegekomfort werden schon lange geboten, und das sind die wichtigsten drei Dinge für eine zufriedene Kuh“, erklärt der Landwirt. Man dürfe Kühe nicht vermenschlichen. „Eine Kuh ist kein Mensch. Eine Kuh braucht jeden Tag den gleichen Ablauf, damit sie sich wohlfühlt und keine Belustigung. Sie möchte jeden Tag das gleiche Futter fressen und hat auch ein ganz anderes Temperaturempfinden als der Mensch“, erklärt er.

 „Eine Milchkuh würde sich bei 40 Grad Celsius niemals freiwillig in die pralle Sonne stellen oder legen, wie es manche Menschen tun“, so Voß. Sie würde sich dann viel lieber im vergleichsweise gut durchlüfteten Stall aufhalten, ergänzt der Kreislandwirt. „Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er so ein Produkt am Ende kauft oder nicht. 

Die Werbung ist sachlich allerdings totaler Quatsch, aber wenn man keine Ahnung von dem Thema hat, ist das natürlich schwer nachzuvollziehen“, erklärt Voß. Einige Dutzend Bauern demonstrierten vergangene Woche sogar vor dem Katjes-Werk in Emmerich am Niederrhein. Diese Woche soll der Werberat entscheiden, ob er eine Rüge gegen Katjes ausspricht. Ob Katjes genau diese Diskussionen mit dem Spot erzwingen und in gewisser Weise auch gezielt provozieren wollte, bleibt Spekulation.

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