Landemerter surfen nur im Schneckentempo

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Zahlreiche Interessierte diskutierten beim Bürgergespräch der Plettenberger Wählergemeinschaft in Landemert über das Thema Internet.

Plettenberg - Die Versprechungen im Bundestagswahlkampf klingen verheißungsvoll. 100 Milliarden Euro sollen laut Kanzlerin Merkel in den nächsten siebeneinhalb Jahren in den Breitbandausbau gesteckt werden. In Landemert hoffen die Bewohner darauf, dass sich die Lage auch bei ihnen verbessert.

Das Bürgergespräch der Plettenberger Wählergemeinschaft mit rund 50 Dorfbewohnern brachte die Problematik unlängst auf den Tisch. Ja, Landemert ist dank der Firma Münet an die digitale Welt angeschlossen. Und schon das ist in den Augen vieler Anwohner ein Fortschritt. Doch die Leitung ist teilweise miserabel.

Verträge mit Leistungen von 15 oder 25 MBit/s werden verkauft, doch in den Landemerter Haushalten kommt nur ein Bruchteil davon an. „Ich kontrolliere die Geschwindigkeit regelmäßig und komme auf Werte zwischen vier bis sieben Mbits; wenn ich Glück habe, sind es mal zehn – und das bei einer 25er-Leitung.“ Welch ein Schneckentempo das ist, wissen die Dorfbewohner nur zu gut. Bis ein Foto geladen ist, dauert es, Videos sind fast unmöglich abzuspielen. Einige nutzen auch die Möglichkeit der Internettelefonie, zum Beispiel mit den Kindern im Ausland. Diese funktioniert auch, aber die Landemerter sind es gewohnt, dass die Leitung zwischendurch aussetzt.

Bürgermeister Ulrich Schulte nahm das Problem beim Bürgergespräch auf und fasste zusammen: „Münet kann offenbar die versprochene Leistung nicht bringen. Aber dafür brauche ich einen Nachweis.“ Schnell kam die Idee auf, eine Liste anzufertigen. Wer hat wann welche Geschwindigkeit? Wie oft setzt die Verbindung aus? Dorfbewohnerin Martina Reiser erklärte sich dazu bereit, die Daten zu sammeln und zu vermerken. Dafür sollen nun nach und nach zahlreiche Haushalte im Dorf abgeklappert werden.

Falls Landemert dann wirklich in den Genuss des Breitbandausbaus kommen sollte – „wie würde der dann ablaufen?“, wollte ein Anwohner vom Bürgermeister wissen. „Das kommt drauf an, welcher Anbieter es wird“, sagte Ulrich Schulte. „Die Telekom zum Beispiel verlegt ihre Glasfaserkabel bis zu den Verteilern. Von dort aus kommt das schnelle Internet dann über die Telefonleitungen zu den Haushalten.“

Sollte sich ein Anbieter für die Erschließung Landemerts interessieren, hat die Stadt Plettenberg schon vorgesorgt. Mit dem Bau des neuen Radweges werden bereits Leerrohre verlegt, die bei Bedarf für Glasfaserkabel genutzt werden könnten.

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