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Mega-Stau in Plettenberg: Das ist der kuriose Grund für das Verkehrschaos

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Von: Georg Dickopf

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Bis die Schranke vor dem Hestenbergtunnel manuell geöffnet war, musste die Polizei am Freitagmorgen den Verkehr auf der Bahnhofstraße per Hand regeln.
Bis die Schranke vor dem Hestenbergtunnel manuell geöffnet war, musste die Polizei am Freitagmorgen den Verkehr auf der Bahnhofstraße per Hand regeln. © Dickopf

Im Stau zu stehen, ist im Sauerland derzeit keine Kunst. Dass kurz vor dem Wochenende aber die halbe Stadt stillstand, hatte besonders kuriose Gründe. 

Plettenberg - Und nein, es hatte ausnahmsweise einmal nichts mit der gesperrten A45 in Lüdenscheid zu tun. Den Anfang nahm der gut dreistündige Stau am Freitag (4. Februar 2022) um 5.17 Uhr, als die Tunnelleitzentrale in Hamm der Polizei in Plettenberg im Märkischen Kreis (NRW) ein im Tunnel liegen gebliebenes Auto meldete. Vorschriftsmäßig wurden die Schranken vor dem Tunnelportal geschlossen und die Polizei konnte schon gegen 5.30 Uhr vermelden, dass die Tunnelfahrbahn wieder frei war, da man den Wagen auf den Seitenstreifen vor dem Tunnel schieben konnte.

KreisMärkischer Kreis
Fläche1.061,08 km²
Einwohner408.662

Mega-Stau in Plettenberg: Kameras zeigen defekte Schranke nicht an

Nun erfolgte eine entsprechende Meldung an die Tunnelleitzentrale, die die Tunnelsperrung per Schranken aufhob. Doch die Schranke hinter dem Lennekreuz blieb unten. Wie ein Operator in der Hammer Tunnelleitzentrale auf Anfrage erklärte, habe das System dies nicht angezeigt. Und da es um diese Zeit noch dunkel gewesen sei, hätten die Kameras vor dem Tunnelportal dies nicht angezeigt.

Die Leitzentrale habe angesichts der defekten Schranke die Firma Strabag angerufen, die den Tunnel einst erbaute. Die wiederum hätte dann einen Techniker informiert.

Plettenberg: Techniker stehen selbst im Stau

Besagte Techniker mussten nicht über die A 45 anreisen, bekamen die Meldung aber nach Auskunft von Dirk Zöller-Holzmann um 7 Uhr – rund anderthalb Stunden nach der eigentlich möglichen Tunnelfreigabe. „Unsere Mitarbeiter standen leider genau wie alle anderen Verkehrsteilnehmer im Stau und waren dadurch erst gegen 8 Uhr am Betriebsgebäude“, betonte Zöller-Holzmann. Wenige Minuten später habe man die Schranke öffnen können. „Das Bereitschaftshandy ist übrigens Tag und Nacht erreichbar. Wäre früher angerufen worden, hätte der Stau nicht so lange gedauert“, sagte Zöller-Holzmann.

Wie die Tunnelleitzentrale mitteilte, habe der Techniker aus Plettenberg einen defekten Endschalter festgestellt, der auch dafür gesorgt habe, dass der Fehler in der Leitzentrale nicht sichtbar wurde. Der Defekt sei aber notiert worden, um diesem bei der Tunnelwartung in zwei Wochen nachzugehen. Freigegeben wurde der Hestenbergtunnel am Freitag schließlich gegen 8.20 Uhr – drei Stunden nach der Panne eines Fahrzeugs im Tunnel.

Mega-Stau in Plettenberg: Rückstau bis Eiringhausen

Doch bis dahin gab es phasenweise ein großes Verkehrschaos und lange Rückstaus im Berufsverkehr. Aus Richtung Eiringhausen stauten sich die Fahrzeuge bis auf die Reichstraße zurück, da alle nun das Nadelöhr an der Bahnhofstraße passieren mussten. Dort wird seit wenigen Tagen der beim Hochwasser abgerutschte Hang gerodet, wodurch der Verkehr einspurig um die Baustelle herumgeführt wird. Über die Baustelle war die Leitzentrale in Hamm nicht informiert. Wohl aber die Polizei, denn laut Wachenleiter Lutz Kudera hätten Polizeibeamte von 5.40 Uhr bis 7.20 Uhr den Verkehr an der Bahnhofstraße nur per Hand geregelt. Den Stau auflösen konnte man dadurch zwar nicht, „aber wir haben versucht, das Schlimmste zu verhindern“, betonte Kudera.

Die unplanmäßige Tunnelsperrung sorgte am Freitag in Kombination mit der halbseitigen Straßensperrung an der Bahnhofstraße für Staus in Plettenberg.
Die unplanmäßige Tunnelsperrung sorgte am Freitag in Kombination mit der halbseitigen Straßensperrung an der Bahnhofstraße für Staus in Plettenberg. © Dickopf

Der Tunnel-Operator bezeichnete die langen Staus in Plettenberg als „eine Verkettung unglücklicher Umstände“. Wachenleiter Lutz Kudera und auch der städtische Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel stehen auf Nachfrage einer besseren Koordination der Abläufe, wie sie auch Dieter Schauerte in seinem Leserbrief vorschlägt, offen gegenüber. So könnte beispielsweise der Meldeweg verkürzt werden, indem die Leitzentrale oder die Polizei direkt den Techniker und möglicherweise auch das Ordnungsamt in Kenntnis setze. „Einer strafferen Abstimmung der Abläufe stehen wir offen gegenüber“, so Thorsten Spiegel abschließend.

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