Rund 300 Zuschauer feiern in der Böddinghauser Aula die Theater-Komödie ‘Alles über Liebe’

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Die Übung, die Gefühle mit Hilfe von Schaumstoffschlägern auszudrücken, lief aus Sicht der Paartherapeutin (Renan Demirkan, M.) etwas aus dem Ruder. Carlos (Giovanni Arvaneh) und Anna (Tanja Schumann) vermöbelten sich lieber gegenseitig.

Plettenberg -  Kontrastprogramm in der Böddinghauser Aula: Nach dem aufwühlenden Start in die Theatersaison mit ‘Tod eines Handlungsreisenden’ vor drei Wochen wurde es am Sonntag mit der Komödie ‘Alles über Liebe’ urkomisch.

Immer wieder unterbrachen die rund 300 Zuschauer die Darsteller auf der Bühne mit Szenenapplaus. Am Ende gab es donnernden Beifall für einen gelungenen, kurzweiligen Abend.

Die Unterschiede zum ersten Stück der Kunstgemeinde-Saison wurden schon durch das Bühnenbild sichtbar. Wo ‘Tod eines Handlungsreisenden’ mit einer effektvollen Bühne auf der Bühne agiert hatte, da brauchte es für die Komödie am Sonntag lediglich ein Sofa, einen Sessel, zwei Tische – und ganz viele Taschentücher. Deren Verschleiß wurde im Verlauf der Handlung zu einem ‘Running Gag’: Immer, wenn sich die Ehepaar-Therapeutin mal wieder reichlich an der Taschentuch-Box bediente, prustete das Publikum los.

Sie hatte es aber auch wirklich nicht leicht mit ihren beiden Patienten. Das zerstrittene Ehepaar Anna und Carlos, das die Therapeutin wieder zueinander führen sollte, berichtete von vielen Baustellen. Da ist zum Beispiel die Kindertanzgruppe, die Anna um den Verstand bringt. Einfach köstlich, wie Schauspielerin Tanja Schumann die Szenen aus dem Unterricht schildert. Im gedimmten Licht beschreibt sie den Affentanz und dessen martialische Strophen: „Die Affen springen durch den Wald, der eine macht den ander’n kalt.“

Ebenso amüsiert sind die Plettenberger von Schauspieler Giovanni Arvaneh, der in seiner Rolle als Ehemann Carlos zum Beispiel über die Schwiegermutter lästert, die „einen mit ihrem fiesen Halbfettkartoffelsalat noch umbringt“. Und ihr armer Ehemann, der keinen Alkohol trinken darf und nur noch vegetarische Kost vorgesetzt bekommt! „Er kann mit der Tapete verschmelzen wie ein Chamäleon“, berichtet Carlos während der Therapiestunde. „Vielleicht ist das ja seine Überlebenstaktik.“ Lachsalven tönen durch die Aula, als Carlos berichtet, dass er seinen Schwiegervater heimlich füttere. „Ich bin der Bulettenteufel“, ruft er seiner Frau Anna zu, „ich vergifte deine Familie mit Fleisch und Bier.“ Wenn er, Carlos, der Bulettenteufel ist, dann ist sie, Anna, der Brutkasten auf zwei Beinen. Sie habe keine Freizeit mehr, müsse sich ständig um die beiden Kinder kümmern und überhaupt – sie möchte doch einfach nur nochmal begehrt werden. „Du guckst doch auch andere Männer an“, argumentiert Carlos im Streit. Sie erwidert schluchzend: „Ja, aber die gucken nicht zurück.“ Szenenapplaus aus dem Publikum.

Und Renan Demirkan? Die wohl bekannteste Schauspielerin des Trios sorgt als Therapeutin mit ihrem sterilen Verhalten für Lacher. Ganz in weiß gekleidet, darf ihr niemand zu nahe kommen und sie fächert sich immer wieder Luft mit ihrem Sweatshirt zu. Ihre „Einladungen“ für neue Atem- oder Liebesübungen penetrieren das Ehepaar. Später, als sich Carlos und Anna gegenseitig mit Schaumstoffschlägern verprügeln, dreht die Therapeutin völlig am Rad. Renan Demirkan mimt die verrückte Frau, deren Ehemann sie betrogen hat und die dem Paar deutlich macht, dass es im Leben viel schwerwiegendere Probleme gibt, exzellent.

Zu erwähnen ist noch das außergewöhnlich gute Theatermagazin, das an der Abendkasse auslag. Wo normalerweise fast ausschließlich Bilder und Zitate der Darsteller sowie Hintergrundinfos zum Stück angeführt werden, hatte das Tournee-Theater Thespiskarren eine lustige Zeitung zum Thema Liebe zusammengestellt. Darin fanden sich unter anderem (fiktive) Anzeigen vom Türkei-Reisen-Spezialisten „IzmirEgal Tour“, ein Rezept für Carlos’ cremigen Kartoffelsalat („Das ultimative Mittel gegen den geschmacksneutralen Halbfettkartoffelsalat der Schwiegermutter“) oder einen Beziehungstest, den jeder selber ausfüllen konnte. Beispiel: „Der Gedanke, mit meinem Partner alt zu werden... a) macht mir Angst, b) gefällt mir, c) gefällt mir vor allem, weil er/sie bereits ca. 90 Jahre alt und betucht ist.“

Das Ergebnis nach den sechs Fragen: So oder so sollte man über eine Paartherapie nachdenken.

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