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Ende nach 68 Jahren: Kunstgemeinde löst sich auf

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Von: Hartmut Damschen

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Mit einem Präsent verabschiedeten (von links) Bürgermeister Ulrich Schulte und Sylvia Eick, Geschäftsführerin der Plettenberger Kultour GmbH, die scheidende Vorstandsmitglieder der Kunstgemeinde: Elsbeth Wißmach, Friedrich W. Schulte, Martin Meißner und Michael Werdermann.
Mit einem Präsent verabschiedeten (von links) Bürgermeister Ulrich Schulte und Sylvia Eick, Geschäftsführerin der Plettenberger Kultour GmbH, die scheidende Vorstandsmitglieder der Kunstgemeinde: Elsbeth Wißmach, Friedrich W. Schulte, Martin Meißner und Michael Werdermann. © Damschen

Nach 68 Jahren ist Schluss: Unzählige bereits große und kommende Stars hat die Kunstgemeinde Plettenberg in fast sieben Jahrzehnten nach Plettenberg locken können. Nun wird der Verein aufgelöst - seine Aufgaben übernimmt die Plettenberger Kultour GmbH.

Plettenberg - Mario Adorf wollte nicht auftreten und weinte anschließend wie ein Schlosshund, Hans-Joachim Kulenkampff war es zu kalt und ein unerwartetes Gespräch mit der angeblich unnahbaren Elisabeth Flickenschild auf einer Campingliege: Friedrich Gohmann in seiner Funktion als damaliger Geschäftsführer der Kunstgemeinde hat viele spannende, lustige, unerwartete, aber letztlich nur gute und erfreuliche Erinnerungen an die von ihm damals betreuten Stars, die sich in Plettenberg die Klinke in die Hand gaben. Das ist nicht übertrieben, wenn man die Gelegenheit hat, in die vielen archivierten Gästebücher hineinschauen zu können.

„Je berühmter sie waren, desto zugänglicher und aufgeschlossener waren sie“, stellte Gohmann fest. Hier sollen nur ein paar Namen vertretend für alle anderen stehen: Senta Berger, Claus Biederstaedt, Heinrich Böll, Pierre Brice, Horst Buchholz, Paul Dahlke, Heinz Drache, Hansjörg Felmy, O.W. Fischer, Joachim Fuchsberger, Götz George, Uschi Glas, Martin Held, Hannes Messemer, Inge Meysel, Fritz Muliar, Erik Ode, Elly Ney, Raimund Harmstorf, Wolfgang Kieling, Günter Strack, Horst Tappert, Horst Janson, Susanne Uhlen, Sonja Ziemann. Manche müssen auch im Doppelpack genannt werden wie Nadja Tiller und Walter Giller oder Herbert Herrmann und Nora von Collande.

Es sind Persönlichkeiten mit klangvollen Namen, von denen viele bereits verstorben sind. Aber sie haben auch nach Plettenberg den Duft der großen Künstlerwelt gebracht, haben Dramen, Komödien, Krimis und Boulevardstücke gespielt und somit auch in der Plettenberger Kulturwelt einiges verändert.

Frauenquote: Kunstgemeinde ihrer Zeit weit voraus

Möglich machte es 1953 die Gründung der Kunstgemeinde Plettenberg, als sich 16 Bürgerinnen und Bürger zu diesem Zweck zusammenschlossen. Friedrich W. Schulte als nun scheidender Vorsitzender schaut schmunzelnd, aber nicht ohne Stolz zurück: „Heute wird besonders auf eine wirksame Frauenquote geschaut. Wir waren damals schon der Zeit weit voraus: Vier Damen waren dabei, wovon Thea Löbbecke das Amt der Kassiererin im Vorstand bekleidete. Zudem waren von den sechs Personen im Beirat drei, die promoviert hatten.“

Schulte erinnerte auch an Konzerte, wie seinerzeit den Auftritt der Dresdner Philharmonie mit 100 Musikern in Plettenberg. Damit keine Überschneidungen mit Terminen von Bachforum und Werkstatt Plettenberg entstanden, wurde Ende der 1980er Jahre eine enge Zusammenarbeit notwendig, die in der Gründung des „Kulturkreises Plettenberg“ mündete.

Diese kulturelle Zusammenarbeit ist nun endgültig Geschichte: Am Dienstagabend hat die Kunstgemeinde Plettenberg offiziell ihre Tätigkeiten eingestellt. Bereits zum 1. Juli 2021 hat die Plettenberger Kultour GmbH die Geschäfte und Aufgaben der Kunstgemeinde übernommen.

Ein wenig Wehmut schwang aber doch mit, als die letzten Aufgaben zur Abwicklung des kulturellen Traditionsvereins aus dem Jahr 1953 bei der ebenfalls letzten Mitgliederversammlung besprochen wurden. Schnell wurde die Abrechnung der Spielzeit 2019 / 2020 und die Genehmigung der Saison 2020 / 2021 abgehakt. Der dritte Punkt war die offizielle Auflösung der Kunstgemeinde und die damit verbundenen organisatorischen Aufgaben.

Kunstgemeinde: So läuft die Abwicklung ab

Das Konto wurde zum 1. Juli von der Stadt übernommen und die Homepage der Kunstgemeinde zog auch schon zwischenzeitlich zur Homepage der Kultour GmbH um. Das Postfach muss gekündigt werden und die Austragung aus dem Vereinsregister erfolgen. Abmeldung aus der Berufsgenossenschaft, Kündigung von Versicherungen, Übereignung des vor dem Ratssaal stehenden Flügels und der Bestuhlung der Aula, einer Waschmaschine und eines Trockners an die Stadt Plettenberg – all das muss noch passieren. Formale Dinge, doch auch diese müssen getan werden.

Friedrich W. Schulte wünscht dem Nachfolger, der Kultour GmbH, auf jeden Fall viel Erfolg: „Wir haben in Plettenberg die Basis für die kulturelle Resonanz mit zuletzt fünf bis sechs Aufführungen und einer gesonderten Veranstaltung für Kinder in der Theatersaison geschaffen und hatten mit durchschnittlich 200 Abonnenten eine treue Gästezahl. Wir wünschen Ihnen, liebe Frau Eick, eine ebenso erfolgreiche Fortführung unserer Arbeit.“

Besagte Sylvia Eick, Geschäftsführerin der übernehmenden Plettenberger Kultour GmbH, entgegnete: „Mir ist bewusst, dass es große Fußstapfen sind, in die die Kultour GmbH tritt. Wir werden unser Bestes geben, um alle Erwartungen zu erfüllen. Corona hat in den letzten fast zwei Jahren Vieles verhindert. Wir hoffen auf wieder einkehrende Beständigkeit.“

Bürgermeister Ulrich Schulte, seit 1992 Kassierer im Verein und von Michael Werdermann im Jahr 2000 in der Position abgelöst, dankte den anderen Mitgliedern, besonders Friedrich W. Schulte, Elsbeth Wißmach (stellvertrende Vorsitzende) und Michael Werdermann als innerem Vorstand für ihre zurückliegende Arbeit: „Mit dem Ende von 68 Jahren der Kunstgemeinde geht auch ein Stück Kultur verloren.“

Der Bürgermeister erinnerte an die Vielfalt der jährlichen Programme mit Krimis, Klassiker und Komödien. „Sie haben dabei mitgewirkt, dass die Menschen wissen, nicht alles nach Hause geliefert bekommen zu können“, sagte Ulrich Schulte.

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