1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Plettenberg

„Verbrechen unter dem Deckmantel der Religion“: Worte von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck finden auch in St. Laurentius Gehör

Erstellt:

Von: Hartmut Damschen

Kommentare

Kritische Worte von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck © dpa/Kusch

Skandale über sexuellen Missbrauch, über die Verschwendung von Kirchengeldern und massenhaft Kirchenaustritte: Die Katholische Kirche in Deutschland durchlebt seit einigen Jahren sicher nicht ihre einfachste Zeit. Dies unterstreicht auch Dr. Franz-Josef Overbeck, Bischof und oberster Hirte des Bistums Essen. Dessen Worte zum Beginn des neuen Jahres wurden auch im Rahmen der Vorabendmesse der Gemeinde St. Laurentius verlesen.

Plettenberg – Am Samstag kamen viele Gläubige in die Kirche am Lehmkuhler Weg, um die Vorabendmesse zu feiern, anschließend zu Gesprächen zusammenzukommen und die renovierten Räumlichkeiten des Pfarrzentrums zu besichtigen.

Zuvor hörten sie jedoch die Worte von Bischof Overbeck, der überraschend ehrlich mit „seiner“ Kirche ins Gericht ging. Bereits zu Beginn des Jahres 2020 sprach Overbeck von einer „Zeitenwende“. Er sah nicht die Zeitenwende voraus, die Bundeskanzler Scholz im Februar 2022 als Schlagwort nutzte. Der Bischof meinte die Zeitenwende in seiner Kirche, ausgelöst durch die sexuelle Gewalt an Minderjährigen und anderen Schutzbefohlenen.

Im Januar 2021 setzte er die Corona-Pandemie in seiner Betrachtung ganz nach vorne, während er 2022 eine doppelte Krise, einmal in der Veränderung des Klimas und ebenso auch eine gesellschaftliche Krise, erkannte. Da hatte Putin noch nicht den jetzt so verheerenden Überfall auf ukrainisches Gebiet befohlen. Den stellte Dr. Overbeck bewusst in seinem „Wort des Bischofs“ für dieses Jahr an den Anfang, griff die Schrecken des Krieges auf, aber auch die Welle an Hilfsbereitschaft und der Verbundenheit mit dem ukrainischen Volk.

Mit „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ aus dem 1. Artikel des Grundgesetzes schlug er einen weiten Bogen von den leidenden Menschen in der Ukraine über Angriffe auf die demokratischen Grundrechte bis zu der Frage, wie es mit der Demokratie in der Kirche bestellt ist. Der synodale Weg, der nun einmal beschritten wurde, könne nur zu Reformen führen. Dabei forderte er eine geschlechtergerechte und machtsensible Kirche in einem Rahmen, der es besser ermöglicht, den Menschen in seiner Vielfalt anzuerkennen.

Zum Missbrauch in der Kirche und den damit zusammenhängenden Massenaustritten aus der Kirche führte der Bischof aus: „Am Anfang stand der Entschluss, sich dieser Krise wirklich ernsthaft zu stellen. Diese Aufgabe ist noch nicht zu Ende. Sie verlangt, den Charakter, die Ursachen und Dimensionen der Krise zu erkennen und mit aller Entschlossenheit an plausiblen Lösungen zu arbeiten. Dabei müssen wir auf die Stimmen derer hören, die von Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt betroffen sind. Eine eigene Studie zum sexuellen Missbrauch in der Geschichte des Ruhrbistums wird im Februar 2023 veröffentlicht.“ Und weiter: „Sie wird wahrscheinlich auch zeigen, dass es bei uns ähnlich war wie anderswo: Unter dem Deckmantel von Religion und Glaube sind Verbrechen begangen worden.“

Die Verbrechen hätten zu tun mit grundsätzlichen Missständen in der katholischen Kirche. „Der Vertrauensverlust ist enorm. Dem können wir nur noch eine radikale und ganzheitliche Erneuerung entgegensetzen“, erklärt Bischof Overbeck. Das Zweite Vatikanische Konzil habe neue Wege gewiesen, die dieser Erneuerung der Kirche dienten. Bischof Franz-Josef Overbeck hatte in Pastor Patrick Schnell einen vehementen und engagierten Kirchenvertreter gefunden, der die Worte des Bischofs in eindringlicher Weise vortrug.

Auch interessant

Kommentare