1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Plettenberg

Krieg in der Ukraine: Große Sorge vor teurerem Gas bei Stadt und Aquamagis

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Georg Dickopf

Kommentare

Gaskunden müssen demnächst bei den heimischen Stadtwerken rund 10 bis 15 Prozent mehr bezahlen.
Gaskunden müssen ab 2023 eine Verdoppelung des Gaspreises befürchten. © Grein, Dirk

Während Wladimir Putin in Sachen Ukraine ernst macht und die diplomatischen Bemühungen um eine friedliche Lösung des Ukraine-Konfliktes ausgesetzt werden, fragen sich die Bürger Plettenbergs, was all das für sie bedeuten könnte. 

Plettenberg - Welche Folgen die Ukraine-Krise für den Gaspreis haben könnte, darüber sprach Georg Dickopf mit Stadtwerke- und Aquamagis-Geschäftsführer Dr. Uwe Allmann.

Die Ukraine-Krise spitzt sich zu, Kanzler Olaf Scholz hat das Aus von Nordstream 2 verkündet und die Russen drohen höhere Gaspreise an: Was sagen Sie als Stadtwerke-Geschäftsführer zu dieser Entwicklung?

Der Preis ist jetzt schon auf einem sehr hohen Niveau. Wir sehen heute leichte Steigerungen, aber noch keine dramatischen Veränderungen. Aber die Vervierfachung der Bezugskosten wird kommen.

Vor zwei Jahren waren die Preise ja noch ganz anders...

Ja, da haben wir die Kilowattstunde Gas im Schnitt für zwei Cent eingekauft und jetzt kaufen wir für neun Cent ein. Der Preisaufschlag kommt jetzt natürlich bald auf die Bürger zu, da muss man nicht drumherum reden

Hat die Politik ein Stück weit versagt?

Ich wundere mich, dass man auf politischer Seite die Größenordnung noch nicht erkannt hat, denn wenn ein Plettenberger nächstes Jahr bei der Gasrechnung fünf Cent mehr bezahlt, dann sind das bei 20 000 Kilowattstunden im Jahr locker rund 1 000 Euro mehr und über 80 Euro im Monat zusätzlich. Und das neben allen anderen steigenden Dingen wie den Netzentgelten und den CO2-Abgaben, die noch oben drauf kommen. Das wird noch dramatisch, wenn die Politik da nicht an irgendeiner Stelle mit der Mehrwertsteuer oder anderen Zuschüssen gegensteuert.

Also müsste jetzt eigentlich wie beim Strom die EEG-Umlage auch beim Gas dringend etwas an den staatlichen Abgaben geändert werden?

Das sehe ich auch so. Der Staat steckt sich angesichts der steigenden Preise ja auch deutlich mehr Umsatzsteuer in die Tasche und profitiert damit sogar vom Anstieg. Wenigstens deshalb müsste es eine Kompensation geben, denn wie soll ein Durchschnittsverdiener monatliche Mehrkosten von vielleicht 300 Euro für Gas, Strom und Benzin stemmen?

Was sagen Sie zu den Bemühungen um Alternativen zum Russen-Gas?

Es ist ein bisschen lachhaft, wenn Robert Habeck die Gaspreisexplosion mit LNG-Flüssiggas kompensieren will. Eine Komplettversorgung damit ist schlichtweg nicht möglich, auch wenn da jetzt mal drei große Tanker über den Atlantik kommen.

Gibt es auch Positives?

Ja, denn glücklicherweise haben wir den Winter halbwegs moderat und ohne Kälterekorde überstanden. Aber der nächste Winter kommt bestimmt.

Sind die Stadtwerke darauf vorbereitet?

Wir haben uns selbst glücklicherweise schon gut mit Gas eingedeckt, aber ab 2023 wird es definitiv teuer. Eine Verdoppelung der Gasrechnung wäre da wahrscheinlich noch ein gutes Zeichen, denn es kann auch noch mehr werden. Für 2023 sind wir erst zu 48 Prozent eingedeckt und ich war erschrocken, denn der Einkaufspreis, der letzte Woche noch bei 70 Euro pro Megawattstunde lag, ist jetzt auf fast 84 Euro gestiegen.

Kann man da eine Tendenz erkennen?
Nein, absolut nicht. Es kommt jetzt viel auf das Wetter an und vor allem auf die Entwicklung in der Ukraine. Der Rohstoffpreis ist auch stark abhängig von Emotionen an der Börse. Eins ist aber klar: Es bleibt mittelfristig teuer. Wir hatten zuletzt ja die Hoffnung, dass sich der Markt beruhigt, aber das Thema ist wohl erst mal durch.

Finden Sie es richtig, dass unser Kanzler Nordstream 2 gestoppt hat?
Ich bin da zwiegespalten. Natürlich kann man die Aggressivität von Herrn Putin nicht unkommentiert lassen. Aber man muss auch sehen, dass man den Russen beim Bau der Pipeline einen festen Absatzmarkt in Europa versprochen hat. Und wenn schon vor der Krise davon gesprochen wurde, dass man kein Gas mehr brauche und fossilfrei werde und damit eine langfristige Absprache auf Null stellt, dann muss man auch ein Stück weit akzeptieren, dass der Vertragspartner das nicht so gut findet.

Wie beurteilen Sie den Gaspreis auf lange Sicht?
Es ist an der Stelle noch einmal wichtig zu sagen, dass das Gas auch schon vor zehn Jahren mal vier Cent gekostet hat. Es wurde dann vor einigen Jahren wieder deutlich günstiger. Das Preishoch muss also auch nicht für ewig bleiben, aber das ist viel von den Russen abhängig und was dort demnächst passiert.

Aquamagis-Geschäftsführer Dr. Uwe Allmann freut sich über den gelungenen Neustart.
Aquamagis-Geschäftsführer Dr. Uwe Allmann befürchtet bei anhaltend hohen Gaspreisen ab 2024 eine Preisexplosion bei den Betriebskosten, die von 500 000 Euro jährlich auf bis zu 2 Millione Euro ansteigen könnten. Das gesamte AquaMagis-Modell sei dann in Gefahr. . © Dickopf

Wie stark ist das Aquamagis eigentlich von den Gaspreisen betroffen?

Wir sind dort für 2022 und 2023 noch eingedeckt und können auf einen moderaten Markt warten. Aber nur mal als Beispiel haben wir im kalten Januar für 60 000 Euro Gas verbraucht. Wenn sich bei uns die Bezugskonditionen vervierfachen sollten, dann kann man sich ausrechnen, was das für 2024 für das Bad bedeutet. Dann steht das gesamte Aquamagis-Modell in Frage, wenn wir im Jahr statt 500 000 Euro vielleicht 1,5 oder 2 Millionen Euro zahlen müssen nur für die Energie.

Muss man dann darüber nachdenken, das Bad nach den Weihnachtsferien einfach mal für ein paar Wochen zu schließen?

Ja, beispielsweise wäre das ein Ansatz. Bei einem extrem kalten Januar könnte das ein Konzept sein.

Auch interessant

Kommentare