Letzter Teil unserer Serie

Corona und kein Ende: Die Sorgen und Nöte des Plettenberger Krankenhauses

Radprax-Krankenhaus Plettenberg Andrzej Ploch Heiko Heseler Intensivstation
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Der Ärztliche Direktor Dr. Andrzej Ploch und der Pflegedirektor Heiko Heseler, hier an einem leeren Bett in der Intensivstation, sind überzeugt: „Wir sind gut vorbereitet.“

Im letzten Teil unserer Serie Krankenhaus-Betrieb in Corona-Zeiten haben wir uns mit den Verantwortlichen des Radprax-Krankenhaus Plettenberg unterhalten und zeigen auf, in welchen Bereichen es jetzt schon kritisch ist - und wie sich die Situation entwickeln könnte.

Plettenberg – Es musste jetzt etwas passieren. In rasanter Geschwindigkeit sind die Corona-Fallzahlen in den letzten Wochen angestiegen, seit gestern werden mehr Corona-Infizierte (6) als Verdachtsfälle (3) im Plettenberger Krankenhaus behandelt – fünf von ihnen auf der Isolierstation 5 und weiterhin ein belgischer Patient auf der Intensivstation. Nun liegen die Hoffnungen der Verantwortlichen des Radprax-Krankenhauses Plettenberg auf dem neuen Lockdown Light und darauf, dass die Maßnahmen die Ausbreitung bremsen können. Das wäre bitter nötig, denn sonst könnte die Klinik nicht nur räumlich und personell, sondern auch finanziell an ihre Grenzen geraten. Ein Überblick über die Probleme und Befürchtungen, die die Verantwortlichen derzeit umtreiben.

Punkt 1: Personal

Für Corona-Patienten gelten höchste Sicherheitsvorgaben, das haben wir während unseres Rundgangs bereits auf der Isolationsstation 5 und auf der Intensivstation sehen können. Ganze Flure müssen abgeschottet werden, das Personal muss sich beim Besuch der Patienten um- oder wie die Pflegekräfte gerne sagen verkleiden. Das alles kostet Zeit und Ressourcen. Wo sich im Normalbetrieb drei Schwestern um 25 Patienten kümmern konnten, binden nun vier Corona-Patienten zwei Pflegekräfte für einen ganzen Dienst. Hinzu kommen die vermehrten Rufbereitschaften, gerade auf der Intensivstation. Der Aufwand für die Mitarbeiter ist stark angestiegen – und damit auch die Personalkosten.

Punkt 2: Ausfälle

Man stelle sich vor, aus dem ohnehin schon stark geforderten Krankenhaus-Team fallen Mitarbeiter heraus, weil sie erkrankt sind – gar nicht zwingend an Corona, es reicht im Zweifel auch schon ein Husten oder ein Schnupfen, um nicht mehr arbeiten zu können oder vielleicht sogar in häusliche Quarantäne zu müssen. Krankheitsfälle gepaart mit dem Personalmangel, den es in Plettenberg und vielen anderen Kliniken gibt, könnten zu einem Riesenproblem werden. „Das ist genau das Nadelöhr“, sagt Pflegedirektor Heiko Heseler.

Punkt 3: Material

Hinzu kommen die Ausgaben für das Material. Der völlig überteuerte Preis für die Schutzmasken aus dem Frühjahr hat sich mittlerweile wieder gelegt, auch das Desinfektionsmittel, das teilweise für 30 statt zuvor für 5 Euro gehandelt worden ist, liegt wieder annähernd auf Normalniveau. Dafür sind die Preise für Einweg-Handschuhe jetzt explodiert. Die Kiste hat mal 2,30 Euro gekostet. Jetzt gibts den Hunderterpack nur noch zum Preis zwischen 10 und 15 Euro. Für ein Krankenhaus wie in Plettenberg, das 10 000 Handschuhe pro Woche bis zu verbraucht, läppern sich diese Kosten.

Punkt 4: Operationen

Operationen sind für das Plettenberger Radprax-Krankenhaus so wie für alle anderen Kliniken auch das Brot-und-Butter-Geschäft. Doch diese Einnahmen könnten wegfallen, wenn sich die Corona-Lage weiter zuspitzt. Alle Kräfte müssten dann – ähnlich wie jetzt im Notfallbetrieb bei den Märkischen Kliniken in Lüdenscheid – für die Corona-Patienten gebündelt werden. Station 4 würde in diesem Szenario vorübergehend geschlossen werden, geplante Operationen müssten abgesagt werden. Wichtige Einnahmen fielen dann weg.

Punkt 5: Zuwendungen

Letztlich hängt die Zukunft vieler Krankenhäuser auch am politischen Willen. Noch sei die Behandlung von Corona-Patienten laut Pflegedirektor Heseler für die Kliniken nicht kostendeckend. Und eine Pauschale für Betten, die für Corona-Patienten freigehalten werden, gibt es auch nicht mehr; sie ist im September ausgelaufen und nicht verlängert worden. Deshalb geht der Blick von Plettenberg auch nach Berlin – in der Hoffnung, dass finanzielle Hilfen kommen werden.

Punkt 6: Ausblick

Bei allen düsteren Blicken in die Zukunft bleibt festzuhalten, dass die Lage im Plettenberger Krankenhaus noch stabil ist. Das Personal bewältigt seine Arbeit vorbildlich, Operationen können weiterhin durchgeführt werden und auch der Krankheitsstand unter den Mitarbeitern bereitet derzeit noch keinen Grund zur Sorge.

Viele der Punkte, die hier aufgelistet sind, sind Befürchtungen, die eintreten könnten, wenn sich die Corona-Pandemie nicht bremsen lässt.

Entsprechend vage fällt auch die Antwort des Ärztlichen Direktors und Coronabeauftragten des Plettenberger Krankenhauses, Dr. Andrzej Ploch, auf die Frage nach einem Ausblick aus: „Wir sind gut vorbereitet, aber wir wissen nicht, was passieren wird.“ Pflegedirektor Heseler ergänzt: „Wir gehen mit gemischten Gefühlen in die nächsten Wochen. Einerseits bereiten uns die steigenden Fallzahlen und der finanzielle Aspekt Sorgen, andererseits, was die Hygiene angeht, wissen wir jetzt, wie es geht. Die Routine ist da.“

Wichtig sei, und das betonen beide, dass sich die Menschen an die Abstands- und Schutzregeln halten, um die Ansteckungskurve möglichst flach zu halten. Und Heseler betont auch, dass die Bürger keine Angst vor einer Behandlung im Krankenhaus haben müssen.

Einige Patienten hätten zuletzt zu lange gewartet und ihre Gesundheit damit unnötig weiter geschwächt. Heseler: „Wer einen Notfall hat, soll sich melden. Wir tun alles dafür, dass sich hier alle sicher fühlen.“

Hatten Sie auch Corona?

Nachdem wir nun die Situation des Plettenberger Krankenhauses im Kampf gegen das Corona-Virus beleuchtet haben, möchten wir nun auch Betroffene selbst zu Wort kommen lassen. Hatten Sie Corona? Wie hat sich das Virus auf Ihre Gesundheit ausgewirkt? Wir freuen uns, wenn Sie sich bei uns melden würden (Telefon Redaktion 02391 909332 oder Email st@mzv.net) und uns ihre Geschichte erzählen, um der Bevölkerung ein noch besseres und umfassenderes Bild geben zu können.

Die weiteren Teile der Serie Krankenhaus-Betrieb in Corona-Zeiten sind ebenfalls auf come-on.de zu lesen. In Teil 1 ging es um den Weg ins Krankenhaus für die Patienten, Teil 2 drehte sich um die Regelungen für Besucher, Teil 3 gab einen Einblick in die Isolierstation, die Corona-Station 5 und Teil 4 beleuchtete die Situation auf der Intensivstation.

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